Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1865)
- Date
- 1865-01-10
- Page
- Seite 26 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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St. Gallen, im December. (Privatmitth.) Die Commission der hiesigen Israelitischen Cultus-Gemeinde hat dem Regierungsrache in einer umfassenden Eingabe vom 30. März d. I. die Anzeige gemacht, daß sich in hiesiger Stadt eine israelitische Cultus-Gemeinde constituirt habe, und damit das Gesuch verbunden, nicht allein die Gründung einer Gemeinde mit Religionsschule und die Anlegung eines Begräbnißplatzes zu bewilligen, sondern auch zu bestimmen, daß sämmtliche ln der Stadt niedergelassenen Israeliten der Gemeinde beitreten. In seiner Sitzung vom 8. April hat der Regierungsrath auch erklärt, daß er, wenn die Mehrheit der in St. Gallen niedergelassenen Israeliten sich für Gründung einer israelitischen Cultus-Gemeinde ausspreche und darauf gestützt Statuten entwerfe, welche die obrigkeitliche Genehmigung erhalten, die Minorität gehalten sei, sich solchen constitutiven Statuten - zu unterziehen. Infolge dieses regierungsräthlichen Bescheides wurden die Statuten entworfen und von der israelitischen Cultus-Gemeinde angenommen, auch alsbald dem Regierungsrathe zur Genehmigung Übermacht. Dieser stellte den Antrag, „den Statuten die regierungsräthliche Genehmigung zu ertheilen und an den Großen Rath den Antrag zu bringen, es sei den Petenten die freie Ausübung des jüdischen Gottesdienstes gestattet." Inzwischen erhob sich eine entschiedene Opposition gegen die Anerkennung der israelit. Cultus-Gemeinde und zwar von Juden selbst, welche aus materiellen Rücksichten der Gemeinde sich nicht anschließen wollten. In seiner jüngsten Sitzung hat der Große Rath nun die Ausübung des jüdischen Gottesdienstes, die Errichtung einer jüdischen Religionsschule und die Anlegung eines Begräbnißplatzes, also mit einem Worte die Constituirung einer Cultus-Gemeinde beschlossen, den Antrag der Commissionsminderheit — welcher auch besonders gedruckt erschien — alle in St. Gallen niedergelassenen Israeliten zum Beitritt zu verhalten, jedoch verworfen. Ob die Gemeinde sich nichtsdestoweniger constituiren wird, muß der Zukunft überlassen bleiben. Großbritannien. Manchester, im December. (Privatmitth.) Mosenthal's Schauspiel „Debora" bildete in englischer Bearbeitung unter dem Titel: „Leah" eines der beliebtesten Stücke des Repertoirs sowohl in London als auf den Theatern der Provinz in der verflossenen Saison. Einen großen Theil dieser Erfolge verdankt das Stück der wahrhaft genialen Darstellung der MißBateman, die sich in der Titelrolle den besten mimischen Künstlerinnen des Continents an die Seite stellen darf. Ihre Gastrollen in den bedeutendsten Städten Englands bildeten einen wahren Triumphzug. Im Nov. besuchte die wackere Schauspielerin auch Manchester, lediglich zur Vorführung ihrer Meisterrolle, und das Theatre royal war 14 Tage hindurch alle Abende gedrängt voll. — Unser wackerer Glaubensgenosse Hr. Charles Mozley, Mayor von Liverpool, hatte gegen das Ende seines Verwaltungsjahres noch die Ehre, am 12. Oct. den Kanzler des Schatzes, Hrn. Gladstone, im Stadthause zu bewirthen, wozu 120 Personen geladen waren. — Die liberale englische Presse hat den Raub des jüd. Knaben Coen durch die römische Curie mit großer Theilnahme aufgegriffen und ihren gewichtigen Mahnruf in dieser großen Angelegenheit der gesammten Menschheit vernehmen lassen. Von den Manchester Blättern war es nämlich der einflußreiche Lxarniner and Times, der am 23. August in einem kräftigen und gediegenen Leitartikel diese grause Gewaltthat vor das Forum der -öffentlichen Meinung zog. — Die israel. Gemeinde in Leeds hat im vor. Jahre Herrn Danziger, der kurz vorher aus Preußen herübergekommen war, zu ihrem Religionslehrer und Cantoren erwählt. Diese Wahl ist eine für die Gemeinde sehr vortheilhafte zu nennen, wie sich dies bereits bei der am 30. October stattgefundenen Prüfung zeigte. Die Kinder entfalteten sehr befriedigende Kenntnisse im Hebräischen und in der jüdischen Geschichte; und die fähigsten Schüler wurden aus einem von der Frau Baronin v. Rothschild gestifteten Fond mit Preisen bedacht. Bei dem großen Mangel an tüchtigen Lehrkräften, der sich namentlich in den kleinen Gemeinden auf dem flachen Lande geltend macht, ist die Erwerbung eines fähigen und berufstreuen Lehrers ein nicht zu übersehender Gewinn. — Mit der jüdischen Freischule in Manchester, die schon seit 1838 besteht und seit 1851 ein eigenes Gebäude in Clieetham Hill Road besitzt, find mehrere wöhlthätige Vereine verbunden. Der Damen-Verein zur Bekleidung armer Kinder (Ladies’ Clothing Society) veranstaltet in der Regel zwei jährliche Bertheilungen, je im Sommer und im Winter. Die Winterverthei-