Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1865)
- Date
- 1865-01-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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29. Jahrgang. All 8 c ju e i it c 2. Ein ■' unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Nr. Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 10. Januar 1865. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, in l'/r bis 2 Bogen. Preis deS Jahrgangs 3 Thlr. Halbjährig 1 Thlr. 15 Ngr..> Bierteljährig 22?/a Ngr. .Inserate werden mit 1 i ji Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Bcilagegebühren betragen für 1 Bogen 4 Thlr.) ' für i/2 Logen 3 Thlr.. für 1/4 Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen,nehmen Bestellungen an; der Haupt- Expedition für beide Letztere hat sich das König!. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau hier unterzogen. .... I n h alt. Leitende Artikel: Rom. IX. Diö päpstliche Encyklica.— Ueber die jüngsten Bewegungen irn Judenthmne. — Literarischer Wochenbericht. .— Zeituugsnachrichtett: Deutschland: Hamburg. Preußen: Aachen, Schwersenz. Oesterreichischer Karserftaat: Prag, Aus dem Oesterreichischen, Wien, Fünflirchen,Wien. Italien: Rom. Schweiz: Aargau, St. Gallen. Großbritannien: Manchester. Leitende Artikel. Bonn, 1. Januar. Rom. IX. Die päpstliche Encyklica. Der Papst hat unter dem 8. December eine Encyklica (Rundschreiben) an alle Erzbischöfe und Bischöfe der römis^-katholischen Kirche erlassen, welche in achtzig Sätzen die Lehren und Meinungen der modernen Philosophie, Wissenschaft und Gesellschaft aufzählt, welche der katholischen Kirche als Irrlehren erscheinen, von ihr verurtheilt und verdammt werden. Noch liegt uns der Wortlaut dieses von großem Aufsehen begleiteten Actenstückes nicht vor, sondern nur längere Auszüge, welche die französischen Blätter brachten. Es genügen diese, wenn auch nicht zu einer detaillirten Kritik, doch zur Beurtheilung des Standpunktes dieses mit der höchsten kirchlichen, Autorität für die katholische Welt versehenen Erlasses, und zu einer solchen fordert er genugsam auf, da er. allen in der civilisirten Welt jetzt geltenden Grundsätzen, schroff entgegentritt und darum selbst bei zahllosen Katholiken Widerspruch findet und Lei Protestanten und, Juden auf Anerkennung gar keinen Anspruch hat, ja, ein Schweigen gewiffermaßen als Zugeständniß angesehen werden könnte. Es ist hier nicht der Ort, zu.fragen, ob unsere Zeit eine angemessene und günstige zu^ einem solchen Schritte war; ob es wahr ist, daß vor. .2; Jahren die Mehrzahl der in Rom versammelten Bischöfe , einen solchen Erlaß gemißbilligt hätte, der sie mit den Gesetzen ihres Landes und mit ihren Eiden auf die Verfassungen der Staaten, denen sie angehören, in Wider-, streit stellt; auch nicht, inwiefern Pius IX. Mit sich felbjt und seinen Regierungshandlungen vor 1848. in Wider-'' spruch gerathen sei, also sich selbst des Jrrthums zeiht — für uns ist die nächste Frage nur, von wem die En-. cyklicr ausgegangen, um zu wissen, von welcher Kraft, und Giltigkeit sie für die Katholiken sein müßte? Die Antwort lautet: sie ist zunächst vom Papste als dem Stellvertreter Christi und nach dem.katholischen Dogma mit Unfehlbarkeit in allen kirchlichen Angelegenheiten ausgerüstetem Oberhaupt der Kirche ausgegangen, welchem alle Diener und Anhänger dieser Kirche unbedingten Gehorsam und möglichste Nachfolge schuldig sind; sie stützt sich auf die Decrete und Bullen früherer Päpste und