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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-01-03 · Heft 1 (3.1.1865) · p. Seite 6

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 1 (3.1.1865)
Date
1865-01-03
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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aufgefaßte religiöse Sinn Werth, welcher Beschaffenheitderselbe ist — das weiß der Wahrreligiöse und dem geistigen Fortschritte der Zeit Huldigende. — Sehr erwünscht wäre es, in diesen Blättern auch einmal einen klareren Einblick in die Statuten und Verhältnisse des Würzburger israelitischen Lehrer-Seminars zu erhalten. Wie wir blos wissen, ist diese Anstalt, im Widerspruche zu den christlichen, die nach drei Vorbereitungsjahren von nun an aus drei Cursen bestehen, für vier Vorbereitungs- und zwei Seminarjahre eingerichtet; bei der ersten am 2. und 3. November abgehaltenen Aufnahmeprüfung sollen 12 Schullehrlinge ausgenommen worden sein. Ob aber diese unglücklichen Jünglinge unserm Volke Heil bringen und dem Lehrerstande Ehre machen werden — diese Frage wird die Zukunft beantworten! Preußen. Breslau, 19. December. Die bresl. Bl. melden: In Breslau wurde vorgestern auf dem jüdischen Kirchhofe der Denkstein Lassalle's feierlichst enthüllt. Der Rabbiner Dr. Joel hielt die Gedächtnißrede, in welcher er Lassalle mit Alcibiades verglich.*) Der Denkstein besteht aus einem mehrere Fuß hohen Postament aus weißem Marmor, auf welchem sich eine Marmortafel mit folgender Inschrift befindet: „Hier ruht, was sterblich war, von Ferdinand Lassalle, dem Denker und Kämpfer, geb. den 11. April 1825 in Breslau, gest. den 31. August 1864." Von der Elbe, 20. December. (Privatmitth.) Es hat an vielen Orten eine tiefe Verstimmung hervorgebracht, daß die Verordnung am 18. December, einen Dankgottesdienst für den rühmlich abgeschlossenen Frieden zu feiern, lediglich an die „Kirchen" ergangen und die Synagogen völlig übergangen worden sind. So in dem desfallstgen Erlasse, so in der Ausführung desselben. Man fragt sich: haben, wie es Pflicht und Ge¬ *) Das wäre auf einem jüdischen Gottesacker eine zwiefache Jnconvenienz: einem Duellanten eine Gedächtnißrede — und dann ein Vergleich mit Alcibiades — — ob sich dies wirklich so verhält? Das Judenthum kann einen Duellanten nur — als einen Todtschläger mit mildernden Umständen anseheu.' Die Redaction. setz, ist, die preußischen Soldaten 'jüdischen Glaubens den . Kampf mitgefochten, ihr Blut so gut wie die änderen Landeskinder vergossen, mehrere von ihnen sich im tapferen. Streite so ausgezeichnet, daß ihre Brust mit Ehrenzeichen decorirt worden, wie deren eine ziemliche Anzahl auch in diesem Blatte aufgeführt worden, warum ignorirt man die Synagoge gänzlich bei der Sieges- und Dankesfeier? Erachtet man sich gedrungen und verpflichtet, dem Herrn der Heerscharen seinen Dank darzubringen, glaubt man, daß dies nur „in allen Kirchen" nicht aber auch in den Synagogen auf eine Gott wohlgefällige Weise geschehe? Wir kennen keinen andern Staat, in welchem in gleicher Weise gegen die Synagoge verfahren wird. Selbst in einem Lande, wo alle kirchlichen Verhältnisse vom Staate gelöst sind, in Nordamerika, werden alle öffentlichen Bet¬ oder Bußtage, die von Staatswegen abgehalten werden, um in allen patriotischen Nöthen oder Siegesfesten Gott anzurufen, von den Gotteshäusern aller Religionsparteien verlangt; und ebenso wohnen in Rußland derartigem Gottesdienste die Behörden selbst auch in den Synagogen bei. Warum, fragt man, macht man in Preußen eine Ausnahme und sieht das Judenthum als nicht vorhanden an? Andererseits kann man ja nicht einwenden, daß in Preußen die Synagoge als eine vom Staate völlig unabhängige, selbständige und sich selbst überlassene Institution betrachtet und behandelt werde. Jede jüdische Gemeinde, die größte wie die kleinste, steht unter der Aufsicht der Regierung und ihrer Organe, ihre Einnahmen und Ausgaben werden jährlich von den Bezirksregierungen geprüft und genehmigt, ihre Vorsteher unterliegen der Bestätigung der Regierungen, ebenso die Wahl ihrer Cultusbeamten, und kein Religionslehrer darf angestellt werden, ohne geprüft worden zu sein und das Befähigungszeugniß von der Behörde erlangt zu haben. Wo also der Bestand der Synagoge in so allseitige Berücksichtigung gezogen wird, warum nicht auch bei so feierlichen und patriotischen Veranlassungen? Wir wollen auf weitere Erklärungen dieses auffallenden Umstandes nicht eingehen, da sie sich ja auch jeder selbst geben kann. Daß der Dankgottesdienst dennoch in allen Synagogen gefeiert worden, ist selbstverständlich, wie nicht minder, daß die patriotischen Gefühle in den Herzen der Juden durch solche Vorgänge nicht im geringsten alterirt werden. Die Liebe zum Vaterlande hängt niemals von äußeren Umständen ab und ist von den Juden auch

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