Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 52 (23.12.1862)
- Date
- 1862-12-23
- Page
- Seite 759 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3226310-3226363--20876-3249968- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
m Jahre in seiner „Entgegnung auf das Wahlprogramm des Superintendenten Ebel in g" diesen letzter» geschlagen. Es kann unsere Aufgabe uicht sein, auf die B'sche Broschüre hier näher einzugehen, einmal weil sie — bei ihrem guten Werthe — doch eben nur Broschüre, und das andere Mal, weil wir eben wünschen, daß sie von recht Vielen im Volke soll bestellt und gelesen werden. Unbefriedigt wird sie hoffentlich Niemand aus der Hand legen, vielmehr Jeder die Ueberzeugung davon tragen, daß der Autor mit Klarheit geschaut, mit Wärme gearbeitet und mit vielem Geschick feine Waffe geschwungen. — Eines nur bedauern wir, nämlich daß Herr Breslaur, der auf Diction und Disposition so viel hält, nicht auch gegen den erbärmlichen Styl des Pamphletisten aufgetreten, dem sehr leicht nachzuweisen, wie er gescheidter thun würde, sich gehörig mit den Gesetzen der Grammatik, Logik und Sty'listik vertraut zu machen, als nichtsnutzige Libellen zu schreiben und Mit ihnen in die Oeffentlichkeit zu treten. — Wahrlich! es ist ein charakteristisches Zeichen der Zeit, daß die Schimpf- und Schmäh-Blätter der Gegenwart — sie mögen auf christlichem oder auf jüdischem Boden wuchern, sie mögen an der Spree oder da, wo der Main und der Rhein sich begegnen, ihre Geburtsstätte haben — vor Allem, durch einen schlechten Styl sich auszeichnen. — Doch hierüber ein andermal. Für heute scheiden wir vom Leser mit den schönen Dichterworten, mit welchen Herr Br. seine Schrift beschließt: Fesselt die Erde in zwängende Schranken, Greifet der Zeit in das rollende Rad! Bindet die Flügel der kühnen Gedanken! Haltet die Menschheit auf strebendem Pfad! Thörigter Blödsinn spricht: „Erde, bewege Dich nicht!" — Nimmermehr zwingt ihr sie, stille zu stehen. Vorwärts und vorwärts wird ewig sie gehen. Hindert und hemmet noch — „Und sie bewegt sich doch!"*) Louis Weyl. Oesterrei chlscher Kaiserssaat. Wien, den 9. December. Die „Presse" wies kürzlich als auf eine Anomalie darauf hin, daß thatsächlich '•*)' Wir haben die Broschüre des Herrn Breslaur erhalten', und können unsrerseits nur die Anerkennung bekräftigen, welche ihr in Obigem zu Theil wird. Die Redaction. die evangelischen Schulen nach wie vor unter der Jnspection von katholischen Schukräthen und von katholischen Statthasterei-Referenten stehen, von dessen die erstern zum Theil geistlichen Standes sind. Hierauf ist diesem Blatte folgende Zuschrift zugegangen: „Eine noch größere Anomalie ist es, daß katholische Geistliche die jüdischen Schulen zu überwachen berufen sind. In neuerer Zeit haben sich sogar hervorragende Stimmführer der 'katholischen Geistlichkeit von ihrem Standpunkte aus dagegen ausgesprochen. Der Bischof von Waitzen verbot im Jahre 1855 seinem Curatklerus die Ueberwachung jüdischer Schulen und begründete dieses Vorgehen durch folgende Motivirung: „„Dem katholischen Geistlichen verbietet seinheiliges Amt irgend etwas vorzunehmen, wodurch die Sache Andersdenkender, und sogar der Nichtchristen, wie immer befördert werden würde; die Civiltoleranz sollen wir aufrichtig üben, ja noch mehr, wir dürfen alle durch die Kirchengesetze erlaubten Mittel anwenden,. um; sie zur Erkenntniß der einen heiligen und selig machenden Wahrheit zu führen. Wir sehen sie auch in unfern Schulen gern, aber zu ihrem Zwecke , auf was . immer für eine Weise, und namentlich im Interesse,; ihrer Schulen, ihres Unterrichts mitzuwirken, ist uns nicht gestattet, wenn dadurch auch mittelbar ein heilsamer Zweck zum Wohle des Staates erzielt werden sollte, denn das heiligt nicht die sonst verbotenen Mittel."^ Im Jahre 1857 schrieb der Fürst-Primas bei einer Angelegenheit : „ „Ich kann mich mit jenem Grundsätze, dem gemäß die katholische Kirche irgend einen Einfluß auf die.israelitischen Schulen durch die Organe ausüben sollte, um so weniger befreunden, weil selbes auch den kanonischen Satzungen entgegen läuft."". Daß es den Juden nicht angenehm ist, wenn katholische Geistliche - ihre Schulen überwachen, kann vorausgesetzt werden, undes ist auffallend, daß die Behörden eine Maßregel, die -von den beiden dabei betheiligten Parteien perhorrescirt wird, fortbestehen lassen." (Die Leser dieser Zeitung erinnern sich, wie lebhafte Discussionen über diesen Gegenstand, bereits in diesen Blättern geführt wurden. Red. d. A. Z. d. I.) Italien. Rom, 1. December. Von hier aus schreibt man:; Der römische Osservatore gesteht unumwunden die von Le Monde unbegreiflicher Weise äbgeläugnete Thatsache 51**