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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-12-09 · Heft 50 (9.12.1862) · p. Seite 729

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 50 (9.12.1862)
Date
1862-12-09
Page
Seite 729 (sequence 13)
Language
German
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Principien der sonst hier noch nicht in Anwendung gebrachten Civilehe, während, was die event. Kinder solcher Ehen betrifft, die früheren Gesetze ihre Geltungj behalten, nach welchen dieselben der Staatskirche angehören müssen. Letzteres scheint eine Eoncesston für? den — hier am Reichstag seine besondere Vertretung! habenden — Priesterstand, dem in seiner Intoleranz ■ die Motivirung des Gesetzes durch das Gebot der „Sittlichkeit^ wohl nicht genügend erscheinen durfte. Man half sich bisher in solchen Hierlands nicht eben allzu seltenen Fallen durch Trauungen außer Landes (Kopenhagen) — um so mehr, da, was die Berheirathung von Juden mit Nicht-Protestanten anbelangt, das Ge-; setz die religiöse Erziehung der Kinder der Bestimmung! der Eltern anheimstellte.— So findet sich beispicls-! weise in Norrköping eine mit einem Kacholiken verehe-; lichte Jüdin/ deren ^beide Söhne dem Judenthume angehören. — — Während die Herausgabe der von der Gothenburger Gemeinde begonnenen Gebetbuch -liebersetzung beinahe vollendet ist, ist von der Uebersetzung, - welche die Stockholmer: Gemeinde beabsichtigt, noch nichts im Druck erschienen; doch schreiten, wie man j uns mittheilt, die Arbeiten in der dafür niedergesetzten Commission rüstig vorwärts und in nicht allzuferner Zeit dürste der Iste Theil, Sabbath- und FestgotteSdienst enthaltend, vollendet vorliegen. Inzwischen scheinen auch die Berathungen über den Bau der so überaus nöthigen neuen Synagoge fleißig im Stillen weiterbetrieben zu werden, wenigstens ist noch nichts Defiliitives hierüber in die Oeffentlichkeit gelangt. Was nun die Abhaltung des Gottesdienstes überhaupt ansbetrifft, so können wir nicht umhin, eine Bemerkung im neuesten Jahrgange des Wertheimer'schen Jahrbuchs zu rectificiren, nach welcher in der hiesigen Synagoge abwechselnd deutsch und schwedisch gepredigt wird. Diese Notiz, wahrscheinlich einer vor zwei Jahren im Hamaggid enthaltenen Mittheilung entnommen, ist jetzt bereits veraltet, da der hiesige Prediger,, Herr Dr. Lewysohn, mit überraschender Schnelligkeit der schwedischen Sprache so weit mächtig geworden ist, daß er seit fast einem Jahre bereits seine Vorträge nur in letzterer Sprache hält und selbst im Stande war, bei den sich drängenden Predigten im Verlauf der letzten Feiertage sich nur des schwedischen Idioms zu bedienen. Eine gewiß ebenso seltene als atterkennenswerthe Erscheinung! — — Interessant dürfte es vielleicht für die Leser dieser Blätter sein, zu erfahren, daß hoch oben im Norden, in ChriMnia, ein Werk über den mosaischen Gottesdienst (vor mogsiÄc« Godstjensten) erschienen ist, das zwar, von einem Christen geschrieben, nichts gerade absolut Neues bringt, aber doch von dem Bestreben zeugt, sich mit deM/Stüdium des Mosaismus zu beschäftigen. — Freilich fehlen auch hier am Schluß;bie. ühlichenmesstanischen Stellen, rc. nicht. — Der hier in Stockholm segensreich wirkende Beerdigungsverein wird am 23. November sein Stiftungsfest feiern und bei dieser Gelegenheit — wie man uns mittheilt -- eine für die hiesige nicht allzu zahlreiche Gemeinde allerdings sehr bedeutende Summe von über 700 Thalern schwedisch an die Armen vertheilen. — Schließlich geschehe noch einiger Vermächtnisse Erwähnung, die der jüngst in Göthenburg verstorbene Großhändler und Fabrikbesitzer Delbanco in äußerst freigebiger Weise ausgesetzt hat. — Er bestimmte nämlich in seinem Testamente 10,000 Thlr. schwedisch für die in seiner Fabrik beschäftigten Arbeiter und sollen die Zinsen dieser Summe bei etwaigem Aufhören der Fabrik zu gemeinnützigen Zwecken fernerweit perwendet werden.. Außerdem aber vermachte Herr Delbanco noch die Zinsen von 20,000 Thalern schwedisch für israelitische Jünglinge, die sich einer wissenschaftlichen Laufbahn widmen wollen, und zwar mit der den Geber überaus ehrenden Bestimmung, daß — sobald das Judenthum in Schweden voll ständige Emanci pati on er l a n g t haben würde —- auch Christen an diesem Vermächtmß participiren dürften! — — Wann aber diese letztere Clausel wird erfüllt werden können, darüber muß des „Sängers Höflichkeit" noch, schweigen. Arthur Levysohn. A « z e i g e n. Zum Februar k. I. ist in hiesiger Gemeinde die Stelle eines vom Großh. Landesrabbinate zu approkirenden Predigers, welcher auch den Religionsunterricht zu ercheilen hat, zu besetzen. 300 Thaler fester Gehalt und freier Mittagstisch. Candidaten, welche mit gutem Rednertalente begabt sind, den regelmäßigen höheren Studien obgelegen und eine besitzen, wollen sich schleunigst in FrancofOfferten unter Hn schluß. ihre^ Zeugnisse^ bei uns - melden. Waren (Mecklb.-Schwerin), den 16. Novbr. 1862, Der, Vorstand der israelitischen Gemeinde.

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