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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-12-02 · Heft 49 (2.12.1862) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 49 (2.12.1862)
Date
1862-12-02
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
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die Meinung der Herren über das Engagement eines Lehrers zu hören; dy, in Berücksichtigung der dringlichen Umstände, und des nahen 'ErnzugeH An Berücksichtigung,? daß ich die fehlenden. Mittel zur Besoldung des Lehrers aüfbringen muß, nahm ich die Angelegenheit selbst in die Hand und Gott wird geben, daß ich den tüchtigen und braven Erzieher, für unsere Warfen finde. — Was den zweiten Streitpunkt betrifft, so würde es die financiellen Kräfte der Anstalt gehoben, die Aufnahme der Waisen erleichtert, die Theilnahme an der guten Sache vermehrt haben, wenn das Curatorium es nicht abgelehnr hätte, humane, angesehene Ehrenmänner der größeren Gemeinden Westfalens und Rheinlands als Mitglieder aufzunehmen und wäre somit ein Verband unter den einzelnen Gemeinden erzielt worden, der um so erfteulichere Früchte getragen hätte, als der Wunsch nach einer solchen Einigung für eine zwei Provinzen umfassende Anstalt von den einsichtsvollsten Und edelsten Männern unterstützt, wurde. - Diese beiden Punkte sind der Kern des Zwiespalts. . Man begriff, daß das Publikum die Gerechtigkeit meiner Bestrebungen erkennen würde und so sucht man nach anderen Dingen, um die wahren Ursachen dem klaren Urtheile zu entziehen. Man streut das Gerücht aus, als sei der Bau zu großartig, zu prachtvoll für ein Waisenhaus. Herr Dreyer nennt ihn em kleines Schloß und spricht von salonartigen Zimmern. Das Curatorium aber'hat den Baucontract freiwillig in der Amtsstube des Herrn Landraths Graffo unterzeichnet und der Kgl. Kreisbaumeister, Herr Stratsmann, welcher, obgleich Katholik, für das israelitische Waisenhaus, aus Hochachtung der Stiftung und Gründerin gegenüber, den Riß des Gebäudes gratis entwarf, die Ueberwachung desselben übernahm, verschaffte uns für eine Summe, für die man gewöhnlich nur ein mittelmäßiges, Wohnhaus erhält, kein Schloß, aber ein stattliches Gebäude, mit hohen, lustigen Räumen, die nichts für Salons, aber zu Schulünd Schlafzimmern für viele Waisenkinder berechnet sind. Die innere Einrichtung wird von mir aus dem Ergebniß der für diesen Zweck veranstalteten Lotterie und aus zahlreichen Gaben, die bei mir eingehen, unter ausdrücklicher Bewilligung der hohen Behörden, beschafft und lege ich diesen, wie den edlen Gebern die pünktlichste Rechnung ab. Ich veröffentliche ihre Gaben nicht nur am Ende des Jahres im Jahresberichte, sondern ich zeige den Empfang auch in dieser Zeitung an. Es ist auch den hohen Behörden und dem Curatorium nur zu gut bekannt, wie sehr mir eine pünktliche Buchführung am Herzen liegt.- Wenn Herr Dreher erstaunt, daß ich den Conferenzen nicht mehr beiwohne, so weiß der geehrte Herr vielleicht nicht, daß Niemand Gründerin u stets eifriger auf, die Abhaltung der Conferenzen drang, als^iA: z seitdem? ich^abkL Kleider 'nuv die^bittMenMr^Murst? gen dntgegenneymen mußtt>4seitdem ay denselömMchK vön- Wohle der Anstalt die Rede war, sondern nur überlegt wurde, wie man der Gründerin schweren Beruf noch erschweren wollte, hielt ich mich von denselben zurück und wenn ich den Vorsitzenden Herrn Löwenbach nicht mehr als solchen anerkannte, so geschah es, weil derselbe mir im April 1862 schriftlich anzeigte, daß er sein Amt als Vorsitzender des Curatoriums niedergelegt habe. Ich gestatte mir keine weitere Auseinandersetzung. Herr Dreher spricht auch von Rechten, die ich zum Heile der Anstalt - aufgeben müsse und ist zu vermuthen, daß derselbe darunter die Beaufsichtigung der körperlichen und geistigen Pflege der Kinder versteht. Ich glaube aber nicht, daß dies zum Wohle der Kinder gereichen würde und bin ich Willens, mich von denselben nie zu trennen?und nach wie vor für ihre Gegenwart und Zukunft mütterlich Sorge zu tragen. Für den Unterricht der Kinder will ich den Lehrer, für ihre körperliche Entwickelung ein Haus mit gesunden, lustigen Räumen und bei ihrer Erziehung kommt mir eine dreißigjährige Erfahrung auf dem Gebiete der Pädagogik zu Statten. Indessen kann ich meinen verehrten Freunden in der Nähe und Ferne die Mitteilung machen, daß die Anstalt sich in ihrer Entwickelung nicht gehemmt sieht. Unbekümmert um alle Streitigkeiten lebe ich meinem Berufe, arbeite, nach den: Wünsche der hohen Behörden, an der inneren Einrichtung, beantworte die ermunternden Zuschriften der Gönniir der Anstalt, die nicht müde werden im Geben und Helfen mit Rath und That und so hoffen Sie gewiß mit mir ein glückliches Ende.*) . Dieser Bericht soll aber auch zugleich an die Gemeinden' beider Provinzen ein Aufruf sein, Repräsentanten nach Paderborn zu senden, um sich' selbst dann klar von dem Bau, der Einrichtung, von der Erziehung der Kinder und der ganzen Verwaltung des Hauses zu überzeugen. Ich hoffe, daß die wohl-' löblichen Vorstande der Gemeinden die Angelegenheit für bedeutend genug halten, um meinem Wunsche zu willfahren und schließe mit der innigen Bitte, mir beizustehen, die Anstalt zum Rühme Gottes und des Judenthums weiter zu 'erhaltetz, ' / *) Ich kann nicht umhin, hier des ehrwürdigen Herrn Conststorialraths Bodenheimer zu Crefeld und seines Stellvertreters im Curatorium, des Herrn Lehrers Alsbach in Camen zu erwähnen, die sich stets meinen Bestrebungen angeschlossen und mit lobenswertem Eifer der guten Sache gedient, haben. Fanny Nathan, - l. Vorsteherin der ist. Waisenanstalt für Westfalen u. Rheinland. Druck von I. B. Hirschfeld in Leipzig.

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