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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-12-02 · Heft 49 (2.12.1862) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 49 (2.12.1862)
Date
1862-12-02
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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Beilage zu Mo. 4S der ALgern. Ztg. d. Zudenth. E r w i - e r u n g. S. Dreher aus Bielefeld hat in No. 46 der Allgemeinen Zeitung des Judenthums einen Bericht über das israelitische Waisenhaus für Westfalen und Rheinland erstattet. — Wenn ich bis jetzt die Oeffentlschkeit für die Anstalt in Anspruch nahm, geschah es, um unsere Glaubensgenossen zu weiterer Opfer- Willigkeit zu veranlassen, um ihnen zu berichten, welche Verwendung ihre menschenfreundlichen Gaben finden; denn die öffentlichen Blatter dienten mir nur. als Mittel, dem einen großen Zweck zuzustreben, die Fonds der Anstalt zu vermehren, ihr neue Freunde zu gewinnen'und sie dadurch fest und fester zu begründen. Auch der geehrte Herausgeber dieser Zeitung, Herrvr.Philippson, drückt es in seiner Anmerkung zu dem oben genannten Berichte aus, daß Verössentlichungen anderer Art, im Interesse des Hauses, nur zu bedauern -find. — Da Herr S. Dreher seit zwei'Monaten von dem Herrn Oberrabbiner Cahn 'in Trier zu seinem stellvertretenden Mitglied im Curatoriüm ernannt ist, da es ihm also obliegt, die Interessen der Anstalt vor jedem Schaden zu bewahren, so frage ich demnach: Welchen Zweck sollte sein Bericht haben? Glaubt Herr Dreher, eine Besserung der Zustände zu erzielen und eine Versöhnung der erbitterten Gemüther herbcizuführen, wenn er, ohne weitere vorgängige Prüfung, die Ursache des Zwiespaltes öffentlich nür. der Gründerin beimißt?-Die einseitige Beurtheilung meiner Handlungsweise verzeihe ich dem Herrn Dreher um so leichter, da er mich und die Motive meiner Handlungen gar nicht kennt. — Herr Dreher ist'-Äst 'seit wenigen Monaten Cupatoxiumsmitglied. Bon den Herren des' Kuratoriums erwählt, die mir feindlich gegenüberstehen, ging derselbe auf deren Anschauungsweise ein und hielt es nicht der Mühe werth, mit der Gründerin persönlich zn verkehren, um sich selbst zu überzeugen, ob ihre bisherige Leitung und Principien so unwürdig waren, um eine öffentliche Anklage zu verdienen.-Dennoch würde ich nicht die Feder zur Vertheidigung meiner Person ergreifen; aber der innige Wunsch, das Haus gegen derartige ungerechte Angriffe zu' sichern und das Bedürfnis durch keine fremde Einmischung das klare, reine Verhältniß zwischen den edlen Wohlthätern und mir getrübt zu sehen, nöthigen mir die Feder in die Hand. Zugleich erkläre ich auch, daß ich nicht Willens bin, einen Federkrieg zu führen, den ich mit der Würde des Hauses und mit meiner Stellung nicht für vereinbar halte. Dies ist Mein erstes und zugleich mein letztes Wort. Sollte sich jedoch vielleicht Herr Dreher zu weiteren Berichten nach dieser Erwiderung gedrungen fühlen, so werde ich dem geehrten Herrn mit Stillschweigen antworten, das Urtheil dem gesunden Sinne des Publikums überlassen und meiner mit Gottes Hülfe übernommenen Sendung getreu, meinen Weg weitergehen und die kostbare Zeit mit keiner nutzlosen Polemik vergeuden, sondern sie, nach wie vor, der Anstalt und meinen Kindern widmen. Herr Dreher spricht von meiner Wirksamkeit und gibt dabei an, daß ich ein Capital von 13,000 Thalern beschafft habe; es Paderborn, 23. Nov. 1862. sind nicht 13,000, sondern 16,000 Thaler mit der inneren Einrichtung beschafft worden und rechnen wir dazu die Summen, deren wir während 7 Jahren«,zur Ernährung der Kinder bedurften, so ergibt sich ein weit günstigeres Resultat. — Und ich sollte kleinmüthig zagen, weil noch eine Schuld von 3000 'Thalern zu tilgen bleibt, wenn ich überdenke, wie wunderbar der Herr bis jetzt geholfen? Wollte ich jetzt zaghaft werden, woher hätte ich den Muth genommen, das Werk mit einigen hundert Thalern meines Vermögens zu beginnen? .Wahrlich, ich zittere und zage nicht. Unter ungünstigeren Verhältnissen haben Anstalten Bauten unternommen, und meine Hülfe und mein . Stab ist der Gott Israels, der Vater der Waisen. Er, der mir die Kkaft gegeben, für die körperliche und geistige Errettung von 16 Waisen zu sorgen, der mir die tiefe Demuth und zugleich den hohen Muth einflößte, für diese elternlosen Kinder seit .7 Jahren bettelnd von Haus zu Haus zu gehen, der mir die Herzen der Edelsten unseres Volkes stets zuwandte, Männer, wie den verklärten Herrn Or. Jost, der m No. 46 des 24sten Jahrganges der Allgemeinen Zeitung des Judenthums, einige Tage vor seinem viel beklagten Tode, über meine Wirksamkeit sein Urtheil abgab, derselbe Gott wird mir auch ferner beistehen, die Thränen vieler Wittwen und Waisen zu trocknen. Herr Dreher zwingt mich leider zu dieser Erwiderung und zwingt mich leider auch zu sagen, was bis jetzt unsere hiesigen Curatoreu geleistet haben. Die Herren haben früher nicht die statutenmäßigen Conferenzen abgehalten, sie haben nicht für die Erfüllung unserer heiligen Verpflichtungen gegen die verklärten und lebenden Wohlthäter Sorge getragen, sie haben nicht nach der Vermehrung unserer Fonds gestrebt, sie überließen mir gern alle diese Pflichten; aber sie machten die heftigste Opposition gegen jede gute und löbliche Einrichtung, die ich erstrebte, einzig und allein aus dem Grunde, weil sie von mir ausging. Und was bewirkten die Herren dadurch? Unser hochverehrter Herr Landrath Grasso, der wohl einsah, wohin dies Alles führen würde, kam, um nicht jeden Fortschritt gehemmt zu sehen, bei dem hohen Oberpräfidio zu Münster ein und das Haus, das sonst einer ganz freien Sclbstentwickelung überlassen war, mußte unter Aussicht der Staatsbehörde gestellt werden. Und welches sind die Gründe des Conflirtes? — Ich wünschte nach der Einweihung des Hauses für 20 Kinder, denn so viele werden alsdann da sein, unseren eigenen Lehrer und die Erweiterung des Curatoriums durch Ehrenmänner der Rheinprovinz und Westfalens. — Der Wunsch eines eigenen Lehrers hat , um so mehr seine Berechtigung, als der Vorsitzende unseres Curatoriums, der zugleich auch Vorsteher der israel. Gemeinde ist, es seit Jahren duldet, daß wir der Gemeindecasse für den Schulbesuch eines jeden Kindes 6 Thlr. zahlen, wo hingegen die Kinder der Gemeinde 3 Thlr. pro Kopf zahlen. (Das katholische Gymnasium hiesiger Stadt gewahrt uns für talentvolle Knaben freie Studien.) Vergebens drang ich aus eine Conserenz, um

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