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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-11-25 · Heft 48 (25.11.1862) · p. Seite 697

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 48 (25.11.1862)
Date
1862-11-25
Page
Seite 697 (sequence 13)
Language
German
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um den gekrönten Zöglingen die Medaillen zu-, überreichen und der Prinz Napoleon gab jedem von ihnen einen herzlichen Händedruck....,. Aber alles Dieses gehört nicht in diese MWistl O, doch, Der erste Name, der in dem Saale widerhallte, war der eines Juden und die goldene Medaille -würde dem jungen Giacobbe Tedeschi aus Vercelli überreicht. Am selben Abend saß Giacobbe Tedeschi am Tische des Ministers Pepoli. In der Stadt selbst sind wird aufs Würdigste vertreten durch die Familien Franchetti, Bitta, Levi, Falco (S.), Todros, Sinigaglia... rc.; im Advocatenstande durch Advocat Ottolenghi; in den Ministerien durch eine Menge von Beamten; in der Armee durch die Capitäne Rovighi, Ottolenghi (Stabsmajor), Sacerdoti; endlich durch 14 Jnfanterieofficiere; im Journalismus durch Herrn Dina,. Eigenthümer und Ches- Redacteur der Opinione, einen ausgezeichneten Mann, geehrt durch die Freundschaft Cavour's; im Parlament durch fünf Abgeordnete, unter denen Finzi und Levi, beide der Linken angehörend. Rom, im November. Von hier aus schreibt man: Kaum ist das berüchtigte Edict des Inquisitors Airaldi von Ancona, welches die Nichtdenunciation jedes kirchlichen oder religiösen Vergehens, unter Anderm auch des Fleischessens an Freitagen und Sonnabenden, mit dem Kirchenbanne bedrohte, einigermaßen in Vergessenheit gerathen, und kaum ist der Schrei des Entsetzens, den die Mortara-Angelegenheit der civilisirten Wett entriß, einigermaßen verstummt, so hört man bereits von einem neuen Acte klerikaler Willkür, wie er eben nur dort Vorkommen kann, wo die Verkuppelung geistlicher Würde mit weltlicher Macht noch fortbesieht, und die. Staatsämter von Priestern verwaltet werden. Der Bischof und Delegat von Velletri, Monsignor Golia genannt, hat, wie das dex päpstlichen Sache sicherlich nicht feindlich gesinnte Pariser Blatt „La France“ erzählt,- an sämmtliche die Delegation von Velletri bewohnenden Juden die obrigkeitliche Weisung ergehen lassen, daß sie auszuwandern haben und daß dieser Weisung noch vor' Beginn der rauhen Jahreszeit Folge zu leisten sei. Noch fehlen über diesen Act eines hohen Würdenträgers der römischen Kirche / eines Apostels der Religion der Liebe und Duldsamkeit, die nähern Details. Man weiß nicht, ob die Juden von Velletri zu einer solchen Anordnung irgend einen Anlaß gegeben haben. Welcher Anlaß aber auch von ihnen, die im Kirchenstaate wahrlich niemals auf Rvsen gebettetwaren, gegeben worden sein mag, das menschliche Gefühl muß'sich gegen solch drakonisches Verfahren auf das tiefste empören. Welches Verbrechen einer Gemeinde oder eines Einzelnen könnte in per That schwer genug sein, um eine solche Verfügung gerechtfertigt erscheinen-zu lassen? In Velletri wie im Ghetto vom Rom sind die Juden seit Jahrhunderten angesiedett. Man duldete sic zwar nur, aber man ließ sie leben. Sie in Masse von Haus und Hof jagen, sie plötzlich zur Auswanderung zwingen, sie sammt ihren Familien hinausstoßen aus ihrer Heimathstätte, die ihnen grade' der Leiden wegen, mit denen sie erkauft worden sein mag, theuer und unentbehrlich geworden, das ist, ganz abgesehen von allen in andern Ländern geltenden Rechtsgrundsätzen, ein Act der Willkür, der Grausamkeit und Barbarei, wie wir ihn in diesem Jahrhundert in Europa nirgends mehr für möglich gehalten hätten. Seit der großen Judenhetze, durch welche sich die Königin Jsabella von Spanien vor Jahrhunderten den Beinamen „die Katholische" erwarb, wissen wir uns einer ähnlichen Verfolgung wie der des Bischofsdelegaten von Velletri nicht mehr zu erinnern. (Es ist uns noch zweifelhaft, ob die Sache wahr ist, da es einen Bischof von Velletri, welcher der erste Cardinal der Kirche ist, Namens Mons. Golia nicht giebt. Demungeachtet könnte man die Redaction der „France" und ihren jüdischen Mitarbeiter Cohen fragen: wie ist Euch zu Muthe, wenn Ihr, die Vertheidiger der weltlichen Herrschaft des Papstes, solche Dinge mitzutheilen habt? Die Redaet. der A. Z. d. Jud.) 2l « z c i g t » . An unserer Religionsschule soll die mit 100 Thlrn. und freier Station dotirte zweite Lehrerstelle zum'Isten Januar 1863 wieder besetzt werden. Qualificirte Bewerber wollen unter portofreier Einsendung ihrer Zeugnisse sich baldigst bei uns melden. Anelarn, den 22. Oktober 1862. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde. Die hiesige jüdische Gemeinde sucht zum sofortigen oder späteren Antritt einen geprüften Elementarlehrer gegen einen Gehalt von 300 Thlrn. per snnum. — Qualificirte Bewerber wollen, ihre Zeugnisse portofrei an den Unterzeichneten einsenden. Zabrze in Obcrschlesten> den 15. November 1862. L. Schüller.

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