Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 46 (11.11.1862)
- Date
- 1862-11-11
- Page
- Seite 654 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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654 gleich ein maßgebendes Zeichen von den Fortschritten der' ersteren ist, und daß endlich Leide merkwürdiger Weise einen Kreislauf von WestenHach-Ostem M-die Erde,machen Amerika ergriff hierzu: die Initiative,' indem es in seinen Freiheitskriegen mit dem Mutterstaat England hie Freiheit und Gleichheit aller Staatsbürger publicirte; ihm folgte Frankreich, dann Belgien und Holland, England, Dänemark, . der, größere Theil Deutschlands, -Schweden und nun endlich Rußland. Die Emancipationsgeschichte der Juden ist unleugbar ein großartiger Organismus, au welchem nichts Zufälliges ist, an dem man vielmehr einem Gesetz nothwendiger Evolutionen begegnet, das sich dem klaren, unbefangenen Forscherauge-als eine Offenbarung des weisen, göttlichen Erziehungsplanes der Menschen darstellt, welcher in der gegenseitigen Liebe, Achtung, Freiheit und anerkannten Gleichheit vor dem Gesetz aller Weltbürger sein Ziel und seine Absicht erreicht haben wird. B u ch w a l d. Wer an den Geschicken der Völker und größerer Menschenmassen einen aufrichtigen Antheil nimmt, kann sich des innigsten Dankes gegen den hochherzigen und großsinnigen Kaiser Alexander II. nimmer entschlagen. In demselben Geiste, in welchem er die Leibeigenschaft aufgehoben, eine großartige Justizreform mit Oeffentlichkeit der Verhandlungen, Geschworenengericht und Sicherung der persönlichen Freiheit soeben vollbracht hat, kündigt er auch den Juden Polens die Freiheit an und erhebt sie durch eine kräftige Regierungshandlung aus dem niedrigsten Sclavenstande zu gesetzlich freien und gleichberechtigten Staatsbürgern. Fürwahr, Gott segne den Kaiser! In dieses Wort drängen wir alle unsre Gefühle für diesen großen Monarchen zusammen. Was aber unser gesch. Correspondent als Erwartung ausspricht, das rufen wir unfern polnischen Glaubensgenossen als eine nachdrückliche Mahnung zu: mögen sie allesammt die großen Absichten des Kaisers begreifen, die unermeßlichen Wohlthaten,chie ihnen und allen ihren künftigen Geschlechtern geworden, würdigen und mit allen ihren Kräften ihre neue Stellung zu ihrem und des. Staates Heile zu benutzen verstehen! Bor Allem aber ist es die Pflicht aller intelligenten und bereits gebildeten Juden in Polen, die größten Anstrengungen zu machen, um ihre Glaubensgenossen auf die rechte Bahn zu bringen, und keine Opfer zu scheuen, sie dahin zu führen. Das erste und nachhaltigste Mittel ist hierin, wie wir immer und immer wiederholen, Schulwesen und Erziehung in rechter Weise!.? XXxxx das Krincip' Als die Chaldäer den König Zidkijah in Jerusalem belagerten, beschloffen, der König und seine Großen, dem Gesetze Moscheh's, nach welchem der Knecht und die Magd nicht langer als sechs Jahre dienstbar sein und im siebenten Jahre freija mit einem angemessenen Geschenke versehen, allsgehen sollten, einem Gesetze, das seit langer Zeit unbeachtet geblieben, genügt werden solle. Sie zogen mit dem ganzen Volke nach dem Tempel hinauf und sanctionirten den gefaßten Beschluß durch eine feierliche Bundesaete. Darauf wurde Freiheit ausgerufen in den Straßen von Jerusalem und jeder geknechtete Mann und jedes geknechtete Weib wurden zur Freiheit entlassen. — Aber kurze Zeit darauf zog das Heer des ägyptischen Pharao's über Pelusium heran, um Juda zu Hülfe zu kommen, da es ihm verbündet war.- Die Chaldäer brachen die Belagerung Jerusalems ab, um sich den Aegyptern zum Kampfe gegenüberzustellen. Kaum war so den jüdischen Fürsten Luft geschafft worden, kaum hatten sie.chie Hoffnung gefaßt, der Chaldäer ledig zu werden, in der Voraussetzung, daß der Sieg auf Seiten Pharao's bleiben werde, als ihnen der feierlich beschworene Beschluß leid ward, und sie sammt allen Bürgern Jerusalems die freigelassenen Knechte und Mägde „zurückbrachten" und sie zwangen, wieder Knechte und Mägde zu sein. Ergrimmt über diese doppelte Treulosigkeit gegen das Gesetz und gegen den feierlichen Eid vor Gott, hielt der Prophet Jirmejah eine donnernde Rede gegen den König von Juda, die Fürsten und das ganze Volk und verkündete ihnen Verderben und Untergang, die sich auch bald in schrecklichstem Umfange verwirklichten, denn die Aegypter wichen vor den anrückenden Chaldäern zurück, Nebuchadnezzar's Heer kam abermals gen Jerusalem, belagerte, eroberte und zerstörte es. „Ihr", ruft der Prophet aus, „Ihr habt auf mich nicht gehört, Freiheit auszurufen, Jeglicher seinem Bruder, und Jeglicher seinem Nächsten, siehe, so rufe ich über Euch Freiheit aus, spricht der Ewige, dem Schwerte, der-Pest und dem Hunger, und gebe Euch zur Mißhandlung allen Königreichen der Erde." Man lese die ganze Stelle des Propheten und alle seine weiteren Auslassungen nach im 34sten Capitel B. 8—22.