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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-10-21 · Heft 43 (21.10.1862) · p. Seite 606

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 43 (21.10.1862)
Date
1862-10-21
Page
Seite 606 (sequence 2)
Language
German
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'? V -f erkennen gegeben, daß man ihn nicht wieder in das Consistorium wählen werde. --Herr Cohen wird freilich. über, die „Revolution" 'schreien, denn er! nennt Alles, was mit der France^ Hcht übereinstimmt, Revolution, sinh glaubt es damit abgethan zu haben. Mit diesem Mannövre der Reactionäre aller Länder ist man aber schon zu ver-: traut, um sich noch davon blenden zu lasten. Es giebt, Gott sei Dank, anUrhalb» der/Reaclion und Revolution eine gesunde Menschheit, welche den echten Glauben, die echte Sittlichkeit und die höhere politische und sociale Entwicklung zu ihrem festen Boden Hat, . den. sie gegen alle Angriffe vertheidigt, und von welchem aus sie vorurtheilslos die Vorgänge und Thaten der Vergangenheit wie der Gegenwart beurtheilt. Doch wir lieben es nicht, eine Polemik zu beginnen, ohne in unzweideutiger Weise positive Ansichten voranzustellen. Wir sägten, für die weltliche Herrschaft des Papstes zu streiten, sei unjüdisch und antijüdisch. Es ist bekannt, daß der Mosaismus, indem er eine Priesterschaft zuließ, derselben jede politische Herrschaft, jeden Grundbesitz verweigerte. Der priesterliche Stamm sollte keinen Stammesantheil in Israel besitzen, sowie ihm auch hinsichtlich des allgemeinen Rechts keinerlei Vorzug eingeräumt ward. Er wurde durch das ganze Land vereinzelt' und zerstreut, bekam nur als kleine Mittelpunkte einige vereinzelte Städtchen mit unbedeutendem Weichbilde/- und wurde in seiner Existenz auf die Gaben des! Volkes angewiesen, das zu diesen verpflichtet ward, ohne' daß sie von ihm von Staatswegen erhoben und executirt wurden. Jedes Priesterthum mit einer weltlichen Herrschaft- 'mit einer staatlichen Unterlage, ist demnach von vornherein den Grundsätzen des schriftgemäßen Judenthums widersprechend. Daß im rabbinischen Juden-; thum das Priesterthum alle Bedeutung verlor, daß jenes den geringsten Gelehrten für höher stehend, als einen unwissenden Hohenpriester'erklärte, können wir als bekannt voranssetzen. Somit hätte Herr Cohen schon s priori den Grundsätzen des Judenthums mit seiner Vertheidigung des päpstlichen StaatsthumS ins Gesicht geschlagen. Blicken wir nun ans die Geschichte der Juden seit dem "Ursprung der Päpste, so wird die Verwunderung über das Borgehen dieses Juden sich um so mehr steigern. Die Geschichte der Papste ist auch die Geschichte, unserer Leiden, unserer schwersten Verfolgungen, unserer! erniedrigendsten Ausschließungen. Wenn es einige wenige humanere Päpste gegeben, welche zeitweise das dem Nacken unseres Stammes auferlegte Joch um ein klein wenig erleichterten,, so überraschte in ihnen, der Mensch den Papst, und das- Dunkeh das bald'uach ihnen wieder über uns h.ereiybrach, zeigt/die krasse Wirklichkeit Mrtzumxso deutlicher. Die Päpste billigten und schützten die spanische Inquisition, den Kinderrrub, die Ketzerverfolgungen aller Art, und es lag nicht an ihrem Willen, wenn dieselben nur immer zeit- und.strichweise ausgeführt wurden. Das Papstthum erklärte die Glaubens- und Gewissensfreiheit stets für irrreligiös, und wo diese sich einen Fuß breit Raum aus der Erde errang, geschah es, wenn auch nicht im Kampfe mit ihm, doch gegen seinen Willen. Wir brauchen aber nicht auf die eiserne Consequenz der päpstlichen Politik, auf die bejammernswerthen Zustände unserer Glaubensgenossen im Kirchenstaate noch gegenwärtig — Zustände wie sie in keinem Lande der Erde sich jetzt noch wiederfinden — auf die Geschichte Mord ara's, welche bekanntlich einen Wendepunkt in der Suprematie des Ultramontanismus gebildet hat, zu verweisen, um zu überzeugen, daß das heutige Papstthum noch ganz dasselbe ist, wie im dunkelsten Mittelalter, daß es für alle Zukunft dasselbe bleiben wird/, und, daß der Staat des Papstes der gesammten menschlichen Gesellschaft gegenübersteht. Es sind also nicht etwa zeitweise Einrichtungen, veränderliche Gesetze, wandelbare Tendenzen, sondern es sind die unverrückbaren Basen des päpstlichen Staatsregimenls, welche der - Glaubens- und Gewissensfreiheit, der Berechtigung des Laien, also des Bürgers, der bürgerlichen Gleichstellung, der Nichtunterdrükkung und der Nichtausschließung der Juden schnurstracks gegenüberstehen, sie verketzern und verdammen, und der Jude daher, welcher das päpstliche Staatsregiment vertheidigt, handelt unjüdisch und antijüdisch, ja, übt einen Verrath, nicht etwa blos au den theuersten Interessen seiner Glaubensgenoffenschaft, sondern auch an den Grundsätzen : seiner Religion. Wir heben nochmals nachdrücklich hervor, daß wir als Juden durchaus nicht berufen sind, uns in diese bedeutsame Frage zu mischen,- weil sie eben viel von dem Charakter einer internen Frage der christlichen Welt hat, und wir deßhalb auch am liebsten darüber geschwiegen hätten : aber um so krasser tritt eine Verteidigung des päpstlichen Staatsregimenls durch einen Juden aus. Wenden wir uns nun zu den Artikeln des Herrn Cohen selbst. Er expectorirte sich zuerst in der „France" vom 25. September unter der Aufschrift: Die englische Politik in Italien." Er behandelt hier die Fragen von

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