Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 39 (23.9.1862)
- Date
- 1862-09-23
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3226310-3226350--20641-3249720- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
26. "Jahrgang. A l l g e ck e i tt e 39. Zeitung des Mdenthums . . . ' ' ' Ein unparteiisches Organ für alles Mische Interesse. Her ausgegeben von Rabbiner Dr» Ludwig PhiWpson in Bonn. Leipzig, den 23. September 1862. Diese Zeitung , erscheint wöchentlich einmal,.Dienstags, in 1 ,/ai bis 2 Bogen. Preis de» Jahrgang» 3 Thlr. Halbjährig 1 Thlr. 1b Rgr. Vierteljährig 22'/r Ngr. Inserate werven mit 1 */a Ngr. für die Petitzcile oder deren Raum berechnet. Beilagegebühren betragen für 1 Bogen 4 Thlr.. für lj-i Bogen 3 Thlr., für x!i Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitung»«Erveditionen nehmen Bestellungen, an; der Hauptlxpe«; : ditiou für beide Letztere hat sich das Kontgl. Sachs. Haupt.Zeitung». Bureau hier unterzogen. ,, Inhalt. Leitende ArMetr Welche Zwecke hätte ein Verband jüdi- . scher Gemeinden zu erstreben? — Zerstreute Bemerkungen. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Aus dem bayerischen Oberfranken. Preußen: Dt. Crone, Berlin, aus demPosenschen, aus der Mark, Cottbus. Oesterreichischer Kaiserstaat: Prag, Könighof, aus Oberungarn. Schweiz: Bern. Afrika: Capstadt. Leitende Artikel. Bonn, 14. September. Welche Zwecke hätte ein verband jüdischer Gemeinden;u erstreben? Es lag in den geschichtlichen Verhältnissen, daß in der Zerstreuung die jüdischen Gemeinden im Allgemeinen weder , in größerem noch in geringerem Maße einen Verband oder mehrere Verbände bildeten und bilden konnten, daß sie nur in sehr losem und ganz freiem Verkehre und Zusammenhänge standen, daß die Gemeinden irgend eines Landes nur zur Abwendung einer allgemeinen Gefahr zusammenwirkten. Es entwickelte sich daher in den jüdischen Gemeinden seit alter Zeit ein Sondergeist, der , füglich die Mitglieder jeder einzelnen Gemeinde diese als ein für sich bestehendes Ganzes, als das bedeutendste, wichtigste, ihr ganzes Interesse in Anspruch nehmende, außerhalb dessen sie gar keine Beziehungen und Pflichten für andere Theile der jüdischen Gemeinsamkeit, außer in Wohlthätigkeitssachen, hätten, betrachten ließ. Es war daher eine Aufgabe der neueren Zeit, den Gemein sinn in unseren Glaubensgenossen zu wecken, das Interesse für die jüdische Gesammtheit im Allgemeinen oder innerhalb der einzelnen Länder zu beleben und es zum Bewußtsein zu bringen, daß ein Zusammenstreben, eine Vereinigung zu gemeinschaftlichen Zwecken von hoher Bedeutung sei. Demungeachtet ist solches außer bei einigen einzelnen Vorkommnissen noch nicht zur Thal geworden, und nur erst durch Bildung einzelner Vereine für ganze Länder, wie z. B. zur Heranbildung von Handwerkern und Ackerbauern, oder allgemeinerer, wie das Institut zur Förderung der israelitischen Literatur, die israelitische Bibelanftalt, der Weg dazu geebnet worden. Wenn nun in einigen Staaten ein Verband der jüdischen Gemeinden durch Gesetz hergestellt ward, und dies in den meisten Fällen ohne irgend wesentliche Erfolge, in wenigen Beispielen von guten Resultaten begleitet war: so lag dies darin, daß der schöpferische Geist und die schöpferische Händ fehlten. Man glaube nicht, daß wir hierunter verstehen: es wären keine Männer aufgestanden, welche diesen Vereinigungen Leben einzuflößen und sie zu bedeutsamen Zwecken zu benutzen verstanden. Nein! eine solche Meinung wäre nach unserer Ansicht irrig. Das schöpferische Leben geht immer aus der Masse selbst hervor, wenn das Bepürsniß und die Energie sich in