Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-09-02 · Heft 36 (2.9.1862) · p. Seite 510

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 36 (2.9.1862)
Date
1862-09-02
Page
Seite 510 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3226310-3226347--20597-3249673
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

in der politischen Welt nicht geringes Aufsehen erregt, spricht sich auch über die Emancipation der Juden aus und heben wir aus dieser Tendenzschrist: A magyar uemzeti politika helyes iranya Becs kiadja Gerold Käroly fia 1862. (Die wahre Richtung der ungarischen National-Politik, Wien 1862) folgende Stelle hervor: „Emancipation der Juden. „Wir wollen gegen diese Volksclasse billig sein, doch hängt unserer Ansicht nach sehr viel davon ab, ob sie solche Garantien zu bieten vermag, daß wir im Stande sind, sie zu vertheidigen. Wir wünschen daher die Israeliten darauf aufmerksam zu machen, daß wir ihrer nicht vergessen werden und daß sie selbst auf das Maß der Zugeständnisse, welche sie vom Landtage erwarten, den größten Einfluß üben können." Wir überlassen es dem Leser, sich sein Urtheil selbst zu bilden! Schweiz. Genf, 12.- August. (Privatmitth.) Sechs schweizerische Israeliten verlangen in einer Petition an den Verfassungsrath in Genf, daß ihre Religion, wie die christlichen Bekenntnisse, auch in der Verfassung anerkannt werde. Holland. Amsterdam, im August. (Privatmitth.) In unseren Cultusverhältnissen ist jüngst eine bedeutsame Veränderung vor sich gegangen. Seit Jahren schon wollte das Cultusministerium mit den dissentirenden Culten, also auch mit dem jüdischen, nichts mehr zu schaffen haben, weil der Verfassung gemäß jede Religionsgenossenschaft ihre Angelegenheiten selbstständig zu verwalten habe, dknter dem neuen Ministerium Thorbekken sollte dies nun in Kraft treten, und wurde nur im Ministerium ein Administrator betreffs der vom Staate geleisteten Zuschüsse und Besoldungen für den jüdischen Cultus angestellt. Um aber irgend einen legalen Boden zu haben, bestätigte der Minister vorher noch ein Gemeindestatut, nach welchem gegenwärtig die Gemeinden verwaltet werden. An der Spitze der Gemeinde steht ein „Kirchenrath", der nach einem gewissen Census von der Gemeinde gewählt wird, und welcher aus seinem Schoße den „Kirchenvorstand" creirt. Ein Census war bei der Beschaffenheit unserer Gemeinde, in welcher von 25,000 Seelen über 17,000 dem Proletariat attgehöreN, bei welchem die erst jetzt in ganz Holland sich hebende Volksschule noch vollständig im Argen liegt, unumgänglich nothwendig. — In das Abgeordnetenhaus würde der ftühere Justizminifter Godefroi einstimmig gewählt. (Die von uns'' gemeldeten Wahlen betreffen nicht, wie irrthümlich bemerkt ist, das Abgeordnetenhaus, sondern die Provinzialstände. Die Red actio n.) ' 1 Amerika. Chicago, 11. Juli. (Nach dem „Sinai".) Im August vorigen Jahres wurde, wie sich die Leser vielleicht erinnern, durch den Congreß ein Gesetz erlassen, das die Anstellung von Feldpredigern anordnete. Diese Feldprediger sollten nach einer Bestimmung des Gesetzes „regularly ordained ministers of some Christian denomination“ fein. Offenbar war dieser Ausdruck blos facon de parier, und wir haben ebenso wenig ein demokratisches als republikanisches Mitglied des Congresses im Verdacht, bei seinem Votum von Vorurtheilen gegen Nichtchristen geleitet gewesen zu sein. Doch war es immerhin gefährlich, in einem Gesetze einen solchen Ausdruck ohne Beanstandung hingehen zu lassen, der von principieller Tragweite hätte sein und die rechtliche Gleichheit irgend einer Religionsgenossenschaft hätte gefährden können. Es wurde darum auch von Seiten vieler Bürger, und namentlich auch von Angehörigen der jüdischen Confession, um Aenderung des angeführten Passus im erwähnten Gesetze petitionirt. Allein bei dem Drange anderer Geschäfte war diese Aenderung bis jetzt unterlassen worden. Am 30. vorigen Monats wendete sich der Unterzeichnete brieflich in dieser Angelegenheit an Senator Wilson, und er hat nun die Genugthuung, mittheilen zu können, daß ihm in einem heute empfangenen Briefe Wilson mittheilte, am 8. dieses Monats habe der Congreß ein von ihm selbst entworfenes Gesetz erlassen, welches das in Rede stehende Gesetz so ammendirt, daß anstatt „Christian" es nun „religious" Heiße. Ehre dem wackern Manne, der so ungesäumt und so freudig auf den Wunsch des Unterzeichneten einging. Er hat hiermit durch die That bewiesen, und es bedurfte nicht der Versicherung"!« seinem Briefe an mich, daß er „keine Vorurtheile hat, welche ihn bestimmen könnten, gegen irgend eine Religionsgenossenfchaft oder Bürgerclasse ungerecht zu sein." B. Felsenthal.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.