Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 35 (26.8.1862)
- Date
- 1862-08-26
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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2«. Jahrgang. Ull g c jjj e t tt e 33. Zeitung -es Zudenthums. ' @tix unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. HerausgegeSen von Rabbiner irr. Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 26. August 1862. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, in \x\i bis 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 3 Thlr. Halbjährig 1 Thlr. 15 Ngr. Vierteljährig 22'/r Ngr. Inserate werden mit 1^/2 Ngr. für die Petitzcile oder deren Raum berechnet. Beilagegebühren betragen für 1 Bogen 4 Thlr., für '/r Dogen 3 Thlr., für V* Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zcitungs.Expeditionen nehme» Bestellungen an; der Hauptexpe. dition für beide Letztere hat sich das König!. Sachs. Haupt.ZeitungS-Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikelr Die Reform im Judenthume. Vl.— Die Reaction in unserem Dienste. — Und nun doch ein Sieg der Liberalen! — Donaufürstenthümer. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Dessau, aus Württemberg. Preußen: Crefeld, Magdeburg, aus der Mark. Oesterreichischer Kaiserstaat: Raab, Raab, S. A. Ujhely, Wien, Gr. Becskerek. Holland: Amsterdam. Ru ß l and: Warschau. Correspondenz: Vom Friedhofe. Leitende Artikel. Bonn, 14. August. Die Reform im Iu-enthume. vi. Wir sahen also auch den öffentlichen Gottesdienst in der Gesammtheit sich bis zu einem gewissen Punkte reformiren, nämlich in der Herstellung der Ruhe und Ordnung, in der Annahme der geordneten Predigt, in der reinen Landessprache und des Chorgesangs; von diesem Punkte.aus aber Differenzen entstehen, nämlich in der Ausscheidung der Piutim und unwesentlicher Gebetstücke, der Veränderung einiger Gebetformeln, der Annahme des dreijährigen Cyclus, der Einführung von Liedern und Gebeten in der Landessprache und der Orgel. Hierüber in mehrmaligen Pulsen öffentlicher Streit, Parteibildung, mannigfaltige Maneirung lü der Annahme Seitens der Gemeinden. Es ist daher uothwendig, bevor wir weiter gehen, eine eigenthümliche Erscheinung, di? sich in dieser ganzen Bewegung und Umwandlung kundgethan, zu erörtern, eine Erscheinung, welche hierüber wie über die noch zu besprechenden Gegenstände ein Helles Licht verbreitet. Die ganze Refornr im Jüdenthume, wie wir sie bis jetzt beschrieben, ist vom Beginne an nur vom Jndiduum und für die Individuen geschehen, und nur dadurch zu einer allgemeinen geworden, daß sich nach und nach die ungeheure Mehrheit dieselbe aneignete. Sie trat nicht, wie die Reformation in der christlichen Kirche, mit einer öffentlichen Kundgebung, mit der Schöpfung eines neuen loyalen Bodens, auf welchem die Veränderungen und Umgestaltungen als Consequenzen erwuchsen, auf, sondern sie war nur das allmählige Werk der Entwickelung in den Individuen. Es verwirklichte sich da der Ausspruch jenes deutschen Dichters und Denkers: es reformire nur Jeder sich selbst und vor sich selbst, und die allgemeine Umgestaltung ergiebt sich von selbst. Bei der Freiheit von jedwedem kirchlichem Zwange, wie sie dem Zudenthume durch seine geschichtlichen Verhältnisse in den meisten Ländern zustand, war dies möglich. Die Ursache lag aber auch darin, daß bei der vorwiegenden Pietät und dem innigen Familienleben, die den Juden eigen waren, eine jede allgemeine Spaltung und Zerrüttung keinen Anklang finden konnte Und ängstlich vermieden ward. Das vorherrschende Gefühl war stets, daß