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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-07-29 · Heft 31 (29.7.1862) · p. Seite 429

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 31 (29.7.1862)
Date
1862-07-29
Page
Seite 429 (sequence 11)
Language
German
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429 nenden Juden — etwa 20 Familien — ein Betzimmer eingerichtet, in welchem ein regelrechter Gottesdienst gehalten wird; durchreisende. Rabbinen, jüngst erst Herr Dr. Für st aus Gyöngyös, halten Predigten; die Kinder werden zeitgemäß, wie allgemein anerkannt wird, gut unterrichtet, auch ein Schochet ist angestellt und eine anständige jüdische Restauration sorgt für die leiblichen Bedürfnisse Durchreisender, deren Zahl namentlich zu Marktzeiten sehr bedeutend ist. Auch die Organisation einer Gemeinde ist bereits in Angriff genommen, hoffentlich in zeitgemäßer Weise. Auf diese Art will man unvorhergesehenen Ereignissen mit vollendeten Thatsachen begegnen, deren Logik bekanntlich unerbittlich ist. Wenn die geehrte Redaction es mir gestattet, werde ich mir erlauben, von Zeit zu Zeit über diese und überhaupt über die Sache der Juden in unserer Provinz Nachricht zu geben.*) J. Hg. Raab, 27. Juni. (Privatmitth.) Wir kommen auf den in Ihrer Zeitung unsererseits schon oft erwähnten Gegenstand: die Befähigung eines jüdischen Professors als Promotor betreffend, heute wieder zurück. Es bildet dieser Gegenstand seit einigen Monaten so zu sagen ein Repertoirstück, welches abwechselnd bald von dem akademischen Senat, bald von dem Professoren-Collegium der Prager Universität aufgeführt wird, und noch ist es eine offene Frage, ob die Schlußscene den Beifall aller liberal Denkenden und des Zeitgeistes sich erringen wird. Die „Presse" läßt sich von ihrem Prager Correspondenten über die jüngste Phase dieses Gegenstandes Folgendes berichten: Am 21. d. M. hielt der akademische Senat eine Sitzung, in welcher mit 8 gegen 5 Stimmen beschlossen wurde, Professor vr. Wessely als Promotor an der dortigen Hochschulezuzulassen; die 5 Contravotanten, unter denen ein weltlicher und vier geistliche Professoren sind, behielten sich vor, ihre Ansichten in einem Memorial niederzulegen, dasselbe dem Prager Erzbischof, Cardinal Fürst Schwarzenberg zu unterbreiten und Se. Eminenz zu bitten, er möge dahin wirken, daß der exclusiv katholische Charakter der Prager Universität ferner aufrecht erhalten werde. Ja, dieser exclusiv katholische Charakter hängt sich wie ein Bleigewicht an die Schwingen und schiebt sich *) Wird uns willkommen sein. Redaction. wie ein Hemmschuh an die Fugen des Zeitrades, damit es ja nicht zu schnell vorwärts rolle, — eine Bemerkung, die sich auch in Folgendem manifestirt. Die „Ungarischen Nachrichten", ein seit einigen Monaten in Pesth in deutscher Sprache erscheinendes, constitutioneü gesinntes und die Versöhnung zwischen der Nation und der Krone herbeizuführen bestimmtes Blatt, führte dieser Tage mit dem feudalen , ultramontanen „kesti Hirnök“ eine Polemik, in welcher die „Ungar. Nachr." eine Lanze für die Rechte der Israeliten brachen. Veranlassung zu dieser Polemik gab folgender Vorfall. Die „Ungarischen Nachrichten" brachten unter Anderm die der Correspondenz H av as entlehnte Notiz, daß „die Jesuiten und der Franziskanerorden sich beleidigt fühlten, weil sie nur wenige Einladungskarten zur Kanonisation in Rom erhielten, ungeachtet sie das größte Contingent zu den japanesischen Märtyrern lieferte n." In diesem Ausdrucke „liefern" erblickt der „kesü Hirnök" nicht nur einen groben Verstoß gegen den Sprachgebrauch, sondern eine absichtliche Verletzung und Verhöhnung des Katholicismus, und ruft aus: „Wie lange soll noch die Geduld der katholischen Christen auf die Probe gestellt werden durch jene Zeitungsartikel, die die Judenemancipation als den Talisman zur Beglückung der Völker darstellen!" Darauf geben die „Ungarischen Nachrichten" in einem langen Expose ihren Standpunkt des Katholicismus im Verhältnisse zum Staate und ihre Ansichten über die weltliche Herrschaft des Papstes zu erkennen und schließen mit folgenden charakteristischen Worten: „Wir sind keine Freunde und Anhänger der Judenhetzen, wie es die Arbeiter des „kesti Hirnök" sind, sondern wir wünschen aufrichtig, daß die Israeliten, die den Handel des Landes beleben und Hunderte Millionen in demselben fruchtbar verwenden, wenigstens dieselben Rechte genießen mögen, wie die Zigeuner, Kesselflicker, denen Art. 5 des Gesetzes vom Jahre 1848 das Wahlrecht einräumt. Deswegen brauchen die Inden noch immerhin nicht unsere Gesetzgeber, Richter und Träger der Regierungsgewalten zu sein. Ja, wir würden unsere Stimme für die Rechte der Israeliten auch dann erheben , wenn der Landtag an der Rechtslosigkeit derselben sesthalten sollte, weil die Rücksichten der Humanität, der Civilisation und die politische Klugheit eS gebieten und fordern." — Herr Julius Sulzer, Chormeister der in Wien bestehenden Liedertafel „Zion", hat nach dem „Wande- 31**

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