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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-07-22 · Heft 30 (22.7.1862) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 30 (22.7.1862)
Date
1862-07-22
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
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veranstaltet und.hoffentlich wird auch der Auftnf von dem besten Erfolge begleitet'sein. Die Noch;intb das. Elend ist groß und die Aussichten der Unglücklichen sind leider sehr trübe! Viele haben bereits Anstalten gemacht in das ausgeraubte Ghetto zurückzukehren, als sich in Semlin das Gerücht verbreitete, daß das Serbische Volk, natürlich die Hefe des Volkes, die aber in Serbien jetzt mehr als die sechste Großmacht istder Aust' nähme der Geflüchteten entgegen sei — und wahrscheinlich denselben kein angenehmes Willkommen! bereiten würden. So. irren die Armen heimathlos und hoffnungslos herum und rufen verzweiflungsvoll: Von wannen wird uns Hilfe kommen? Die Communität und Militärbehörde in Pancsova, wo 500 sich noch gegenwärtig befinden, bietet alles auf, um die Lage der Unglücklichen so viel wie möglich zu erleichtern und überhaupt wird auch von der k. k. Regierung den Geflüchteten alles Mögliche geleistet, was nicht wenig dankbar hervorgehoben werden kann. Leider hat der Fürst in Serbien noch gar nichts geäußert in Betreff der Rückkehr der unschuldig ausgerauhten Juden und vorzüglich wegen des Schadenersatzes — und dieses Schweigen wirkt natürlich nebst den verläumderischen Berichten der käuflichen Presse sehr entwürdigend auf die Schutz- und Hilflosen! Vielleicht wird die k. k. Regierung sich der Armen .annehmen und zu deren Gunsten interveniren, da hierin etwas doch geschehen mußt — Die Belgrader Gemeinde ist sephardischer Abkunft (die deutschen Juden daselbst stehen' als Fremde unter dem Schutze der Consulen) und deren politische Stellung war bisher eine, sehr gedrückte und beschränkte. Die. Sprache der Belgrader Juden, meist fromme, ehrliche, biedere und arme Leute, mit Ausnahme der Deutschen rc. ist blos Serbisch und das Ältspanische. Bon Bildung und Cultur ist durch die Entfremdung von der deutschen Cultur verbreitenden Sprache sehr wenig Spur, und Erziehung und Unterricht stehen trotz der. großen Opfer des Vorstandesaust.dev. untersten S^ust. Die Thora wirA mib 'denst fögenännfen ThMum 'Mdiüa/-Mr spanischen Sprache, vorgetragen und die andern Schulgegenstände sind kaum nennenswerth. Am meisten ist es aber der Mangel an Lehrern, die sie gezwungen sind aus der eigenen Mitte oder aus der Türkei zu requiriren, worüber allgemein geklagt wird, da die österreichischen Lehrer wegen der Nnkenntniß der serbischen Sprache nicht verwendet werden können. So - verkümmerte die'sonst MMHende-Gemeinde, die an der Pforte der Unkultur und Barbarei, welche das türkische Reich repräsentirt, steht, nach und nach völlig! — Gott gebe, daß diese für dieselbe so unglücklichen Ereignisse einen günstigen und wohlthätigen Ausgang haben, möchte! Die Donau trennt Semlin von Belgrad und welch ungeheurer Unterschied zwischen diesen Gemeinden, obgleich di: Semliner Gemeinde sehr klein ist und in politischer Beziehung nicht besser gestellt ist, da dieselbe unter den Ausnahmsgesetzen der Militärgrenze verwaltet wird. Nicht der Druck allein ist es, welcher deprimirend auf das Judenthum wirkt, sondern die Uncultur und das Abschließen und Absperren von einer Cultursprache wirkt tödtlich auf dasselbe! —.Hoffentlich wird endlich der Fürst doch etwas für seine bisher so treuen und unglücklichen Unterthanen thun und der Stimme der Humanität und Gerechtigkeit Gehör geben. — Für den Augenblick find aber die Armen auf die Mildthatigkeit der Glaubensgenossen allein beschränkt — und mögen diese Zeilen dazu beitragen, um auch in der Ferne das Mitleiden-für'die. wahrhaft hilfsbedürftigen Glaubensbrüder anzuregen. Hat Israel so viel für die syrischen Christen gethan, so wird es doch für seine eigene Brüder sich nicht minder theilnahmsvoll zeigen. David Oppenheim, Rabbiner. Druck von I. B. Hirschfeld in Leipzig.

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