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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-07-22 · Heft 30 (22.7.1862) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 30 (22.7.1862)
Date
1862-07-22
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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Beilage zu Ro. 3ü der Mgem. Ztg. d. Zudenth. Aufforderung zur Unterstützung der vertriebeuen Belgrader Israeliten. Durch die letzten allbekannten Ereignisse in Belgrad sind unsere Glaubensgenossen alldort in die kläglichste Lage versetzt worden. Am 16. und 17. Juni l. I. wurden dieselben durch das Bombardement aus der türkischen Festung, dem das israelitische Stadtviertel am meisten ausgesetzt war, so wie durch die stattgehabte Plünderung so arg mitgenommen, daß sie, nur auf die Rettung ihres Lebens bedacht, aus verschiedenen Wegen nach Semlin und Pancsova flohen. Zwei Drittel dieser weit über 400 Familien zählenden Gemeinde find auf den Bettelstab herabgekommen und ausschließlich darauf hingewiesen, das Mitleid Anderer anzurufen. DaS Elend so vieler Unglücklichen zu schildern, liegt nicht im Bereiche der Möglichkeit; ohne Geld, ohne Brot, ohne die allernöthigste Kleidung, obdachlos, von Angst und Schrecken erkrankt, in diesen wenigen Worten ist ihr Zustand ausgedrückt. Die Semliner israel. Gemeinde hat das Möglichste für diese Unglücklichen gethan; Aber leider ist diese Gemeinde zu gering an Zahl und zu unvermögend, um noch in der Folge etwas leisten zu können. Das gefertigte Comite sieht sich daher gezwungen, das Wohlthätigkeitsgefühl und den Edelsinn unserer ConfessiouSgenoffen in Anspruch zu nehmen und stellt demzufolge nachstehende Bitte: Der wohllöbliche Vorstand wolle Geldsammlungen einzuleiten sich gütigst die Mühe nehmen und die zu Gunsten unserer Belgrader Glaubensgenossen gemachten Spenden an Hrn. I. Russo und A. Leon nach Semlin per Post freundlichft senden. Wenn ansehnlichere Beträge gesammelt werden, wolle der wohllöbliche Vorstand solche allsogleich anher befördern, da die Roth dieser Armen groß ist und die schleunigste Hilfe erfordert. lieber die zu erhaltenden Beträge und deren Verwendung wird das gefertigte Comite genaue Controlle halten und hievon dem wohllöblichen Vorstande berichtliche Ausweise zukommen zu lassen sich auf's Pünktlichste angelegen sein. Semlin, 1. Juli 1862. Das Comite zur Unterstützung der verarmten Belgrader Glaubensgenossen. Die Redaction der A. Z. d. Jud. erhält hierüber nachfolgende Correspondenz: Gr. Becskerek. 8. Juli. Wahrscheinlich haben Sie, geehrter Hr. Redacteur! von Semlin den Aufruf des ComitLs zur Unterstützung, der verarmten Belgrader Glaubensgenossen erhalten und Sie werden ohne Zweifel demselben die Spalten Ihres vielgelesenen Blattes bereitwilligst öffnen. Zur Ergänzung des Rundschreibens: hauptsächlich zur Berichtigung der vielen falschen Nachrichten, die absichtlich von den Parteiblättern verbreitet wurden, lassen wir hier einige Notizen aus der „Ostdeutschen Post" folgen, die kurz und wahrheitsgetreu die traurige Begebenheit schildern, wie wir dies auf Aussage vieler glaubwürdiger Flüchtlinge aus Belgrad vollkommen bezeugen können. „Mehrere österreichische Blätter haben die Nachricht gebracht," heißt es in der genannten Zeitung, „daß sich nach dem Bombardement viele Juden in die Festung geflüchtet hätten und daß sie dort von den Türken ausgkraubt worden seien. Diese Nachricht kann ich als tendenziöse Entstellung bezeichnen, denn es haben sich überhaupt gar keine Juden in die Festung, sondern lediglich nach Semlin und Pancsova geflüchtet. Ausgeraubt wurde nur das Judenviertel in der Nacht vom 17. zum 18. Juni wirklich; aber nicht von den Türken, sondern vom serbischen (vom Minister Garaschanin herbeigerufenen) Landvolke. Die Türken haben in. serbischen Magazinen und Häusern keinerlei Eigenthumsverletzung verübt, mit Ausnahme einer Mehlhandlung, wofür aber der Eigenthümer vollständig entschädigt werde." „Unter den Unglücklichen," heißt es in der letzten Nr., „welche durch den Conflict in Belgrad am schwersten getroffen wurden, muß besonders die israelitische, aus ungefähr 400 Familien oder 2000 Köpfen bestehende Gemeinde hervorgehoben werden. Diese Bemitleidenswerthen retteten aus dem Bombardement größtentheils nur das nackte Leben, indem sie ihre Habseligkeiten in ihren Häusern zurückließen, in welchen sie in der Nacht vom 17. zum 18. Juni von ihren serbischen Mitbürgern bis auf das letzte Stück geraubt und geplündert wurden. So lebt der größte Theil der sonst so (sic?) wohlhabenden Belgrader Judengemeinde auf fremden Boden in Pancsova und Semlin größtentheils von der Milde ihrer Glaubensgenossen, welche in Semlin ein Unterstützungs-Comite gebildet haben u. s. w. Die Semliner Judengemeinde selbst ging in der Freigebigkeit thatkräftig voran und wenn Sie mir erlauben, nur beispielsweise den Namen eines Semliner Israeliten, des Herrn Israel Russo zu nennen, der sogleich 10 00 fl. gab, eine Menge von Flüchtlingen mit Ob-- dach und Nahrung versieht und fortwährende Beisteuer zahlt, so möge dies Beispiel Andere austnuntern, demselben nachzufolgen." Wir können den geehrtem Lesern versichern, das die alte jüdische Barmherzigkeit in Israel noch lebt! Es haben die Nachbargemeinden Temesvar, Gr. Becskerek, Werschetz, wohin sich dann später viele der Geflüchteten begaben, Sammlungen

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