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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-07-22 · Heft 30 (22.7.1862) · p. Seite 413

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 30 (22.7.1862)
Date
1862-07-22
Page
Seite 413 (sequence 11)
Language
German
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David Kuh, Redacteup des,,Tagesboten aus Böhmen". Herr Kuh M ein gewiegter, gewandter Journalist und besitzt eine pielseitige wissenschaftliche Bildung. Durch seinen Eintritt in den böhmischen Landtag erhält nicht nur die deutsche Journalistik Böhmens einen energischen Vertreter, sondern die deutsche Partei überhaupt gewinnt an ihm einen Zuwachs von einer nicht unbedeutenden Kraft. Ob Herr Kuh sich die Interessen seiner Glaubensgenossen noch besonders angelegen lassen sein wird, das wird die Zukunft lehren, und dazu wird sich ihm bald die Gelegenheit darbieten; denn wie es allgemein heißt, wird die erste Reichsrath-Saison am 1. August l. I. geschlossen und die Landtage aller Kronländer sollen mit 1. September eröffnet werden. Wir sagen aller Kronländer, weil es per innigste Wunsch aller wahrhaft gesinnten Oesterreicher ist, es möge der Regierung bis dahin gelingen, auch die Eröffnung des ungarischen Landtages zu.ermöglichen, und wenn nicht alle Symptome trügen, werden in der kürzesten Zeit entweder Seitens der Regierung oder der ungarischen Nation Schritte gethan werden, um diese Möglichkeit zu einer Wirklichkeit umzugestalten; denn pärim sind die Völker dieswie jenseits der Leitha einig, daß der Staat sich nur dann consolidiren kann , wenn alle Stämme und Völker des. Reiches, an dem Ausbau der Verfassung participirey. Ist diese glückliche Wendung eingetreten>. dann dürfte auch für die Israeliten Ungarns und. seiner Nebenländer,. , was die Theilnahme au den constiLutionellen Errungenschaften anbelangt, eine segensreiche Aera sich Bahn brechen. Wir sagen für die Israeliten Ungarns, weil, wie bekannt, die Juden der deutsch-slavischeu Provinzen seit zwei Jahren, was. politische Freiheiten und Rechte betrifft, sich in vieler Beziehung mit ihren Glaubensgenossen in Frankreich, England, Belgien und Holland messen können. Aber noch sind alle Schranken auch da nicht gefallen; nur spärlich wird ihnen auch da die Barriere zu den Aenitern geöffnet; noch seltener wird ihnen auch da das Katheder an Gymnasien, Mittelschulen oder gar Universitäten eingeräumt. Aber „gut Ding will Weilehaben". Elftere dürfte bald keine Schranken der Confession halber , bilden, da das Recht, Aemter zu vergeben, in der Hand der Regierung und der Krone liegt; letzterer, dürfte ihnen ebenfalls zugänglicher sein, wenn der Grundsatz: Trennung der Schule von der Kirche/ auch in Oesterreich.eine. Wahrheit wird, und er. kann und wird es werden, wenn 413 erstens das Concordateiner gänzlichen Revision unterzogen wird und wenn zweitens, die Paragraphen des bekannten Religions-Edictcs nicht blps auf dem Papier stehen bleiben werden. Letzteres hat aber, wenigstens für die zu Ende gehende Reichsrathssitzung keine . Aussicht auf die Tagesordnung und somit zur Debatte zu gelangen. Wieder sind zwei Israeliten Wiens von Sr. Majestät dem Kaiser ausgezeichnet worden. Die Herren Leopold Edler von Wertheimstein und Moriz Goldschmied haben „in Anerkennung ihrer Leistungen zur Forderung des Handels und des Verkehrs" den Orden der eisernen Krone 3ter Classe taxfrei erhalten. — Zu meiner obigen Notificirung, den Eintritt des Herrn Kuh in den böhmischen Landtag anbelangend, möge noch als Nachtrag Folgendes angeführt werden, nämlich daß gleich bei ber; im Frühjahre 186t stattgefundcnen Eröffnung dieses Landtages, zwei Juden in demselben Sitze einnahmen und zwar Herr Ritter von Lämel, Banquier zu Prag, und Herr Fürth, Zündholzfabrikant:zu Schüttenhoftn. (?j Deutsch. Rußland. Warschau, 28. Juni. Vermittelst kaiserlichen Befehls vom 24. April d. I. ist der frühere Zoll von tl/2 Kopeken (*/* Silbergroschen) auf 1 Druckbogen jüdischer, in Rußland gedruckter Schriften aufgehoben worden; statt dessen wird von jetzt jede jüdische Druckerei in Rußland Bücher drucken können gegen eine jährliche Abgabe von 20 Rubel für eine Handpresse, von 120. Rubel für eine kleine Schnellpresse und von 240 Rubel für eine größere Doppelschnellpresse. Der Ertrag soll für jüdische Lehranstalten verwendet werden.. Der-bisher bestandene Zoll von ■ 1 */a Kopeken für den Druckbogen jüdischer, vom Auslande importirter Bücher ist ebenfalls aufgehoben. Warschau, 29. Juni. Gestern eröffnete Graf Wielopolski die Sitzung des Staatsrathes. In seiner Eröffnungsrede sagte er: „Es ist der Wille Sr. Majestät, daß neben der Aufrechtexhaltung des obersten Ansehens der Regierung und neben den Rechten jedes Glaubensbekenntnisses »im Lande die römisch-katholische Geistlichkeit bei uns diejenige Bedeutung genieße, welche ihr. aus Rücksicht darauf zukommt, daß eine so überwiegende Anzahl von Unterthanen Sr. k. k. Majestät im Königreiche 30**

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