Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 29 (15.7.1862)
- Date
- 1862-07-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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26. Jahrgang. Allgeckeine 29. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. HerausgegeLen von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 15. Juli 1862. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal. Dienstags, in l!/a bis 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 3 Thlr. Halbjährig 1 Thlr. 15 Ngr. Vierteljährig 22*/s Ngr. Inserate werden mit l'/r Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berecknet. Beilagcgebühren betragen für 1 Boge« 4 Thlr.. für I/2 Bogen S Thlr., für V* Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen. Postämter und ZeitungS.Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptexpe« dition für beide Letztere hat sich daS Köntgl. Sächf. Haupt - ZeitungS - Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Preußen: Die jüngsten Debatten. — Rechnungsablage des Instituts zur Förderung der israelitischen Literatur aus seinem siebenten Jahre (1. Mai 1861 bis 1. Mai 1862). — Die Juden in Ungarn. — Der Verein zur Bekämpfung der Blutbeschuldigung. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Frankfurt am Main. Belgien: Brüssel. G r o ß b ritanni en: London. Correfpondenz: Bericht über die Lehrerconferenz in Essen am 9. und 19. Juni. (Schluß.) <T “ : ' “ : Leitende Artikel. Bonn, 6. Juli. Preußm. Die jüngsten Debatten. Wir haben in voriger Nummer die Auslassungen der Commissarien der Minister der Justiz und der Unterrichtsangelegenheiten in der Petitionscommission des Abgeordnetenhauses mitgetheilt, nach denen an die Behebung der Beschwerden der Juden hinsichtlich der Anstellung im Richleramte und Lehrfache unter dem gegenwärtigen Ministerium auch nicht im Entferntesten zu denken ist. Das Abgeordnetenhaus wird, wie die Commission einstimmig, so in seiner Majorität sich gegen die Minister aussprechen, ohne daß dies den geringsten Einfluß auf die Wirklichkeit haben wird. Indessen wird hierdurch sich wohl Niemand getäuscht finden, denn wer hätte ein Anderes von diesen Ministern erwartet? Da aber zu Anfang der Session die Minister einige Concessionen in liberalem Sinne machen zu wollen schienen, so sind diese bündigen Erklärungen in unserer Angelegenheit in Verbindung mit einigen anderen Vorgängen der Wendepunkt, an welchem sich die wirklichen Absichten des gegenwärtigen Ministeriums offenkundig machen, und somit das ganze Schlachtfeld vor Aller Augen liegt. Wir müssen gestehen, daß wir deshalb die bündigen Aussprüche der Minister nur loben können. Sie unterscheiden sich dadurch in ihrer Art vortheilhaft von ihren Vorgängern, von Herrn v. Bernuth, der noch nach Umwegen suchte, von Herrn v. Bethmann-Hollweg, der diese Umwege genügend gefunden. Noch einschneidender aber ist das eben bekannt gewordene Factum, daß die von den Notablen der Kaufmannsfchaft zu Düsseldorf getroffene Wahl Eines der Richter für das dortige Handelsgericht die königliche Bestätigung nicht erhalten hat, weil der Gewählte jüdischen Glaubens ist. Die Sache, wie unfern Lesern bekannt ist, hat lange geschwebt, und ist nunmehr in reactionärem Sinne entschieden, hat aber um so größere Tragweite, als hiermit auch die Handelsgerichte unfern Glaubensgenossen verschlossen sind, obfchon bei diesen der kaufmännische Beisitzer gar nicht in den Fall kommen kann, einen christlichen Cid abzunehmen, also das Argument fehlt, welches gegen die Anstellung bei anderen Gerichten geltend gemacht wird. Jedenfalls