Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 25 (17.6.1862)
- Date
- 1862-06-17
- Page
- Seite 335 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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335 ein Ende zu machen, auf den Ueberschüß seines Gehaltes verzichtete. —- Wer übrigens über die Menschenwürde ganz eigenthümliche Grundsätze hat, fällt es nicht schwer einen Verlust zu ertragen, der von mitleidigen Leuten immer reichlich ersetzt wurde und noch wird; denn der unsterbliche Name macht nicht die Nahrungsmittel entbehrlich. Mit dem Bewußtsein einer in Aussicht stehenden Unsterblichkeit kann Der sich nicht begnügen, wie der Briefsteller irrthümlich behauptet, der Weib und Kinder darben steht, für welche zu sorgen seine erste und unabläßlichste Pflicht ist. Die fragliche Correspondenz fließt wahrscheinlich aus derselben Feder, welcher die Welt die offenbar parteiischen, erlogenen und boshaften Auszeichnungen verdankt, welche der „Neuzeit" (Nr. 7, 16, 17, 18) von glaubwürdiger Seite geflossen, und über welche wir später zurückkommen werden. Holland. Amsterdam, 23. Mai. (Privatmitth.) Ich habe Ihnen wieder einen neuen Beweis holländischer Toleranz mitzutheilen. Bor Kurzem wurde unser Glaubensgenosse, Herr Dr. T. M. <&; Affer, ein noch ganz junger Mann von ausgezeichneten Fähigkeitenvom Stadtrath zum ordentlichen Professor an der juristischen Facultät des hiesigen Athenäums einer städtischen Universität ernannt. Ich hatte schon früher Gelegenheit, Sie darauf aufmerksam zu machen, daß, wie nur in wenigen Ländern, die christliche Bevölkerung Hollands sich durch wahrhaft religiösen Sinn einerseits und durch strengen Kirchen- und Sectengeist andererseits auszeichnet und daß hier zu Lande der Jndifferentismus nicht öffentlich ans Tageslicht zu treten wagt. Ohne Uebertreibung darf man behaupten, daß man sich diese Bevötterung kaum ohne dieses innige religiöse Leben, ja ohne diesen kirchlichen Eifer denken kann. An der Spitze dieser Richtung steht Amsterdam oft in Opposition mit den übrigen Theilen des Landes. Und dennoch kennen wir hier diese Sphinx nicht, die man bei Ihnen „christlichen Staat" nennt, trotz der Bemühungen einiger Bewunderer der Berliner Begründer des christlichen Staates, um diese nebelhaften Begriffe nach Holland, dem Lande des gesunden Menschenverstandes und des einfachen religiösen Sinnes hinüberzüschmuggeln. Die eifrige christliche Bevölkerung Hollands findet es der Gerechtigkeit und den Vorschriften der Religion gemäß, daß die durch die Constitution geheiligten Rechte eines jeden Staatsbürgers ungeschmälert bleiben und nicht etwa gar von willMrlicher ministerieller Auslegung abhängen. Woher diese Erscheinung? Meiner Ansicht nach hängt das Schicksal der Juden in den verschiedenen christlichen Ländern lediglich von der Haltung der Regierung ab. Es ist selbst unläugbar, daß, wenn selbst die Regierung mit dem guten Beispiel der Gerechtigkeit vorangeht, die Regierten ihr bald Nachfolgen. Es ist wichtig, darauf hinzuweisen , daß die Niederländische Regierung sich stets durch eine unwandelbare Gerechtigkeit auszeichnet. Welche Partei auch am Ruder ist (an Ministerwechseln fehlt es uns leider nicht), sie übt stets strenge Gerechtigkeit gegen jeden Bürger aus. Jeden gewährt sie denselben Schutz, sie huldigt keinem Vorurtheile, sondern bekämpft und neutralisirt die sich gegenseitig feindlichen Elemente der Bevölkerung. Die Regierung giebt das höchste und erste Beispiel strenger Unparteilichkeit. Es ist seit den 50 Jahren unseres konstitutionellen Lebens noch keinem Minister eingefallen, die Tribüne, dieses Organ der Regierung zum Volke, zu Ausfällen gegen die eine'oder andere Confession zu mißbrauchen; ebenso wenig hängt die Handhabung der Rechte der einen oder andern Confession von der zufälligen oder absichtlichen Wahl.dieses oder jenes Ministers ab. — Unsere Institutionen 1 machen einen Streit zwischen Feudalität, Militär und Bureaukratie gegen Bourgeoisie und Demokratie unmöglich; dennoch giebt es auch hier zu Lande Parteien-die sich bekämpfen. Kampf und Sieg sind jedoch für die Niederländischen Israeliten (qua tales) gleichgültig; keine Partei ist so stark, ein anderes Princip als das der Gerechtigkeit zum Regierüngsprincip zu erheben. Rußland. Schaulen, 20. Mai. (Privatmitth.) Die eben eintreffende Nummer des russischen Journals „Zion" überrascht uns mit der betrübenden Nachrichtdaß dasselbe zu erscheinen aufhört. Da es in Folge gewisser censorischer Beschränkungen der Redactiön desselben unmöglich ist die Interessen des jüdischen Stammes und seiner Religion gegen-die in verschiedenen Organen der -russischen Journalistik wiederholentlich erschie^- nenen Beleidigungen und Beschuldigungen mit gehörigem Nachdrucke zu vertheidigen, so zog ste tes vor, die Herausgabe des Journals so lange einzustellen, bis 25**