Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 25 (17.6.1862)
- Date
- 1862-06-17
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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JW 85. 26. Jahrgang. Allgemeine Zeitung -es Zudenthums. Ein . ' unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 17. Juni 1862. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, in 1 */a bis 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 3 Thlr. Halbjährig 1 Thlr. 15 Ngr. Vierteljährig 22'/r Ngr. Inserate werden mit 1 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Beilagegebühren betragen für 1 Dogen 4 Thlr., für */» Bogen S Thlr., für '/i Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen, Postämter und ZeitungS. Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptrxpe» ditio» für beide Letztere hat sich das König!. Sachs. Haupt »ZeitungS» Bureau hier unterzogen. Inh a l t. Leitende Artikel: Verein zur Bekämpfung der Blutbeschuldigung.— Die jüdischen Schulen im Orient.— Die Ver- ■ Handlungen der Vertreter der israelitischen Cultusgemeinden Böhmens. — Literarischer Wochenbericht. ZeitungSrrachrichtenr Deutschland: Von der bayerischen Grenze, Karlsruhe. Oeste.rreichifcher Kaiserstaat: Raab, Naab. Die Schweiz: Aus dem Aargau. Italien: Aus Oberitalien, aus dem Venetianischen. Holland: Amsterdam. Rußland: Schaulen, Schaulen, aus . Litthauen. von der polnischen Grenze. Leiten-e Artikel. Bonn, 8. Juni. Verein;ur Bekämpfung -er Blulbeschul-igung. Mögen sich unsere geehrten Leser unter den Eindruck unseres Artikels in voriger Nummer zurückdenken. Sie werden mit uns sühlen und erkennen, daß es ganz unerträglich geworden ist , diese abscheuliche Beschuldigung mitten im neunzehnten Jahrhundert, in der Zeit, wo alle mittelalterlichen Beschränkungen niedergefallen sind, immer wieder auftauchen, Platz greifen und die traurigsten Wirkungen und Folgen Hervorrufen zu sehen. Vor den unheilsvollen Tagen in Damaskus, d. i. vor 20 Jahren, hat man dieses Gespenst längst verschwunden geglaubt, und es klang den Juden selbst nur noch wie ein Ammenmärchen, daß eine solche Beschuldigung jemals vorgebracht worden. Seitdem aber die Franzosen es damals im Oriente wieder zu Tage gebracht, kehrte es auch wieder nach Europa zurück, trotzdem seine moralische Unmöglichkeit ebenso leicht nachzuweisen ist, wie die physikalische Unmöglichkeit der Brunnenvergiftung. Da diese Beschuldigung unter der Einwirkung der Bosheit und des Fanatismus, der gottlosesten Heuchelei und Pöbelrohheit in Europa wieder so vielen Boden gewonnen, so gilt es, ihr mit Thatkraft entgegenzutreten und der Schlange möglichst den Kopf zu zermalmen. Bedenken wir wohl, daß eine solche Beschuldigung nicht einen Einzelnen betrifft, nicht als die That eines Einzelnen abzuweisen ist, von dem wir sprechen könnten: Hebe Dich hinweg, Du bist nicht Einer der Unsrigen! sondern daß die Schmach auf uns Alle fällt; bedenken wir, daß jeder Jude, der davon betroffen wird, das Recht hat, von uns Allen die Rettung zu verlangen, da er nicht durch eine eigene That sie auf sich geladen. Doch wir glauben nicht, daß wir hierbei noch viele Worte zu sprechen hätten; die Nothwendigkeit, diesem Unholde entgegenzuwirken, sieht Jedermann leicht ein. Beweisen wir nun, daß die gegenwärtigen Juden, die bis jetzt durch Bereinigung nur literarische und gelehrte Erzeugnisse erwirkt oder wohlthätigen Zwecken genügt haben, auch auf dem Gebiete der That zu schaffen im Stande sind. Wir zeichnen den Plan zu obgedachtem Vereine in folgenden Paragraphen: §. 1. Der Zweck des Vereines ist: 1) die Bekämpfung der Blutbefchuldignng im Allgemeinen und in jedem einzelnen Falle; 2) die gerichtliche Verfolgung der falschen Ankläger und Zeugen.