Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 24 (10.6.1862)
- Date
- 1862-06-10
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
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ferettf darunter die uns Vorgesetzten Behörden, so ist er ein schlimmer Mann! Denn die Behörden sagen über, die Leistungen der Schule das gerade GVgentheil von Dem aus, was der Referent börgMt. So hielt nach abgehaltenen Prüfungen der k. k. Schulrath Eduard Linzbauer eine Ansprache an das Lehrpersonal und spendete den „gediegenen Leistungen" desselben das größte Lpb. Der Herr Schulrath hob ausdrücklich hervor, daß die Lehrer an dieser Schule „in ihrer Bildung und in der Erfüllung ihres Berufes fortschreiten". Eben so günstig äußerten sich neulich der k. k. Schulrath Dr. Andreas Macher und unser Schulaufseher Adolf Kunerth, Direktor der Realschule in Lemberg, welcher Letztere vor einigen Wochen während mehrerer Tage unsere Schulen visitirte, und seine vollkommenste Zufriedenheit über die Leistungen der Schule aussprach. Er kann uns das Zeugniß geben, daß die Schüler an unserer Schule nicht blos „memoriren", sondern daß man sie hier auch zum Denken anregt. Auch liegt mir gerade ein Zeugniß vor, welches der k. k. Schulrath Dr. Macher einem Lehrer ausstellte, aus welchem ich Ihnen eine Stelle wörtlich anführe: „Von den ausgezeichneten „Leistungen des Herrn Lehrers . . .... aus eigener „Wabrnehmung überzeugt, halte ich es für meine angenehme Pflicht, zu bemerken, daß ich einerseits den „Austritt des Herrn Lehrers . . . ... aus dem Versande der hiesigen israelitischen Hauptschule als einen „sehr fühlbaren Verlust tief bedauern, andererseits aber „derjenigen Schule, in deren Verband Herr ..... . „treten sollte, zu dieser vorzüglichen Akquisition von „Herzen gratuliren würde. — Lemberg, am 18. September 1861." Dergleichen Bestätigungen über die Leistungen des Lehrpersonals stehen nicht vereinzelt da. Die Angaben des Referenten sind also durchaus uuwahr. Ad 3. Was die Belehrung betrifft, die uns der Referent in Bezug auf die Geographie giebt, daß wir nur die Anfangsgründe lehren und nicht über die Ekliptik declamiren lassen sollen, so sind wir dafür diesem zweiten Pestalozzi sehr verbunden. Ich gestehe übrigens, daß ich mit meinen Schülern über die Ekliptik sprach bei Gelegenheit, als das Hoffmann'sche Tellurium für unsere Schule angeschafft wurde; ich gestehe ferner auch, daß zuweilen Manches gelehrt wird, was über der Sphäre der Volksschule liegt. Aber dieser Vorwurf trifft nicht uns, sondern unfern Lehrplan. Nach unserm Lehrplane bildet nämlich das Lesebuch den Mittelpunkt des ganzen Unterrichtes, und dieser muß sich an jenes anschließen. Es muß demnach alles Das berücksichtiget werden, was zum Verständnisse des Gelesenen dient. Namentlich aber bei uns, wo nicht selten 14—15jährige Zöglinge, die sogar ziemliche Belesenheit aus dem Talmud und den Commentatoren der heil. Schrift besitzen, die vierte Elaste besuchen. Es ist aber ein großer Jrrthum des Referenten, daß er vorgeblich meint, daß bei uns der grammatische Unterricht vernachlässiget wird. Denn unsere Schule steht hierin nach Aussage aller Fachmänner als Muster da. Ad 4. Der Bericht sagt, daß unsere Lehrer mehr Kaufleute als Pädagogen sind. Wollte Gott, daß wir es wären! Denn wahrlich, bei dem geringen Gehalte und der enormen Theuerung ist der Lehrer hingewiesen, eine Nebenerwerbsquelle aufzusuchen, die ihn und seine Familie vor dem gänzlichen Verkommen schütze. Unseres Wissens jedoch ist es blos der Schreiblehrer, der, um Gleichförmigkeit bei Probeschriften und Schreibthesen zu erzielen, solche an die Kinder verabfolgt. Gesetzt nun auch, daß einzelne Mißbräuche stattfinden, so ist Eines von Beiden anzunehmen: entweder sind diese Mißbräuche allzu klein, allzu unerheblich, oder sie arten in Druck aus. Ist Letzteres der Fall, so könnten ja die betreffenden Eltern bei dem Direktor der Schule Beschwerde führen, der gewiß nicht verabsäumen wird, dem Uebel zu steuern. Wozu also all dieser Lärm, der nur geeignet ist, die leichtgläubige Masse gegen Lehrer und Schule einzunehmen? Wozu alle diese Verleumdungen und Vergiftungen, die man wider unsere Anstalten in die Welt schleudert? Um ein Bund Stroh aufzuheben, muß man keine Maschine in Bewegung setzen, sagt Lessing. Leo Nosenthal, Lehrer an der deutsch-israel. Hauptschule in Lemberg. Druck von Ä. B. Hirschfeld in Leipzig.