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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-06-10 · Heft 24 (10.6.1862) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 24 (10.6.1862)
Date
1862-06-10
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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Beilage zu No. 24 der Mgem. Ztg. d. ZudenH. Lemberg, den 24. April. Die deutsch-israelitische Hauptschule. Vor einigen Monaten wurde die hiesige deutschisraelitische Hauptschule im „Wanderer" angegriffen. Wir würdigten jedoch jenen Artikel keiner Erwiderung, da der Correspondent einerseits lauter falsche Angaben brachte, andererseits sich als Stümper in der Diction erwiesen hat. Nun wird unsere Schule in No. 16 Ihres werthen Blattes neuerdings angegriffen. Nachdem „Referent" im Eingänge seines Berichtes in allgemeinen Phrasen bis zum Jahre,1848 ausholt, und uns vom damaligen großen Aufschwünge auch auf dem Felde der jüdischen Schulbildung erzählt, wo nämlich Männer als Lehrer berufen wurden u. s. w. welche? meint er vielleicht, daß Kohn und Jgolnizer der Schule damals entrissen wurden? — gelangt er zu folgenden Behauptungen: 1) daß unsere Schule in der Achtung der Gemeinde gesunken ist; 2) daß sie ihr Ansehen auch in nichtjüdischen Kreisen verloren hat; 3) daß man die Schüler mit Sachen überladet, die weit über ihre Geisteskräfte sind, und Sprachlehre und Dictando vernachlässigt; 4) daß Mißbräuche an unserer Schule stattfinden. Lassen Sie uns nun eine nach der andern vornehmen. Ad 1. Unsere Schule, sagt der Referent, ist in der Achtung der Gemeinde gesunken; denn „allgemein fängt die Ansicht zu wurzeln an, daß man in der jüdischen Schule nichts lernt". Ich will Ihnen beweisen, daß dies Verleumdung ist; ja, daß zu keiner andern Zeit unsere Anstalten eine größere Achtung genossen, als eben jetzt. Der Beweis ist folgender: Bekanntlich fanden neulich in unserer Gemeinde die Vorsteherwahlen statt. Die Parteien standen sich diametral gegenüber, und jede, sowohl die Fortschrittspartei, als die Orthodoxen wollten Gemeinde-Vorsteher aus ihrer Mitte gewählt wissen. Die Fortschrittspartei wendete sich mit einem populären Aufruf an' die Wähler, woraus ich Ihnen folgende Stelle von Wort zu Wort eitire: „In den'letzten 20 Jahren chaben gebildete Vorsteher mit großer Mühe und Anstrengung vortreffliche „deutsche Schulen errichtet. Aus diesen Schulen kom-;,men jährlich Hunderte von Kindern heraus, welche nicht „nur die jüdische Religion, sondern auch jüdisch, deutsch „und polnisch lesen und schreiben, wie auch rechnen kön- „nen, und andere sehr nützliche Gegenstände erlernen, „welche Ordnung gelernt haben und Reinlichkeit, und „wie man ein ordentlicher Mensch sein soll. Kinder mit „solchen Kenntnissen haben die sicherste Hoffnung, daß „sie sich immer ihr ehrliches Brot werden verdienen kön- „nen, wenn sie sich was immer für einem Geschäfte wid- „men. Jeder ordentliche Vater dankt Gott, daß solche „Schulen bestehen, welche seine Kinder glücklich machen. „Der Beweis, daß die Gemeinde das außerordentlich „Nützliche der Schulen einsieht, ist, daß jährlich die Zahl „der Schulkinder zunimmt, und daß nicht nur der Mit- „telstand, sondern auch arme Eltern und gerade diese „am meisten ihre Kinder in die Schule schicken. Alle „diese herrlichen Schulen und Anstalten, welche das „mühevolle Werk gebildeter Vorsteher, und eine unschätz- „bare Wohlthat für die ganze Gemeinde sind, stehen jetzt „bei der Wahl eines neuen Vorstandes in großer' Ge- „fahr. Unter ungebildeten Vorstehern könnten unsere „Schulen und Anstalten zu Grunde gehen; sie werden „sie vielleicht nicht gleich zerstören, aber das ist gewiß, „daß sie auf dieselben nicht Acht geben und sie vernachlässigen werden." Die Orthodoxen erließen ihrerseits einen Aufruf an die Wähler, worin es heißt: „Da sich das Gerücht ver- „breitet hat, daß man darum jüdische Vorsteher wählen „will, damit man den Schulen oder anderen Anstalten „schaden soll, so macht man bekannt, daß dies ein gro- „ßer Jrrthum ist; denn es wird Alles aufrecht erhalten „und unterstützt werden, wie bis nun." Sie sehen also, daß nicht „allgemein die Ansicht zu wurzeln anfängt, daß man in der jüdischen Schule nichts lernt", und daß unsere Schule nicht in der Achtung der Gemeinde, sondern nur in der. des Referenten gesunken ist, was uns sehr leid thut. Ad 2. Von welchen nichtjüdischen Kreisen aber spricht der Referent, in deren Achtung die Schule jetzt gesunken sein soll? Unser polnisches Publikum kümmert sich doch offenbar wenig darum, ob eine deutsche Schule gut oder schlecht bestellt ist. Versteht aber Re-

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