Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 24 (10.6.1862)
- Date
- 1862-06-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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26» Jahrgang. 5CIlQCÖtcittC 24» Zeitung des Zudenthums Ein llnparteiisches Organ für alles Wische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner L-r. Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 10. Juni 1862. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, in 1*/st bis 2 Bogen. Preis deS Jahrgangs 3 Thlr. Halbjährig 1 Thlr. 15 Ngr. Vierteljährig. 22!/r Ngr. Inserate werden mit tlfa Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Beilagegebührrn betragen für 1 Bogen 4 Thlr.. für 1/z Dogen 3 Thlr., für V* Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs. Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptexpe« dition für beide Letztere hak sich das König!. Sachs. Haupt.Zeitung-»Bureau hier unterzogen. Inhal t» Leitende Artikel: Aufforderung zur Bildung eines Vereines gegen die Blutbeschuldigung. — Die Abschaffung der Sclaverei in Nordamerika. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Hildesheim, Bamberg. Preußen: Aus der Mark, Thorn, Strzelno, Bonn, Trier, Trier. Oesterreichischer Kaiserstaat: Prag, Prag, Tachau, Raab, Raab, Raab. Türkei: Konstantinopel. Leitende Artikel. Bonn,. 1. Juni. Aufforderung prr Bildung eines Vereines gegen die Blulbeschuldigung. , Es ist ein trauriges Geschäft, sich immer und immer wieder gegen die grundlosen und abscheulichsten Verdächtigungen, die jeden Augenblick in blutige Verfolgungen sich wandeln können, vertheidigen zu müssen. Aber die Lage der Dinge ist in einigen Theilen Europas eine solche, daß wir sie in der bezeichneten Richtung ernstlich ins Auge . fassen müssen. Die jüngste Zeit hat in unerhörter Weise die Fälle gemehrt, in welchen im Volke die verruchte Blutbeschuldigung auftauchte und Glauben fand, und die Juden local schwer bedrohete. Abgesehen von dem jüngst in Mähren verbreiteten Gerücht, die Juden steckten die Dörfer in Brand, um ihre Holzvorräthe besser verkaufen zu können — haben wir 'heute folgenden Bericht aus dem „Pesther Lloyd" vom 20. Mai zu entlehnen: „In der Ortschaft Belsnyes des Biharer Comitates hat sich dieser Tage eine romantische Geschichte begeben, die ganz im Geiste Sebastian Brunner's gehalten ist, und über welche der „Sürgöny" vom 13. d. eine ausführliche Correspondenz erhält: „Jener nicht geringe Theil der Bewohner unserer Stadt, — schreibt der Correspondent — welcher an die Wirklichkeit der verschiedenen erdichteten, den Juden zugeschriebenen gottlosen Thaten fester glaubt, als an die Dogmen seiner eigenen Religion, ist seit einigen Tagen in großer Aufregung. Und weshalb? Aus keinem anderen Grunde , als in Folge einer von einem kleinen Dienstmädchen geträumten, wahnwitzig eingebildeten, oder eben böswillig erdichteten Schaudergeschichte. Um den geneigten Leser nicht lange in Spannung zu halten, und in der Hoffnung, daß er beim Lesen der fraglichen Schaudergeschichte nicht in Ohnmacht fallen werde, enthülle ich den ganzen Thatbestand ohne jede fernere Zurückhaltung. Indem die Belönyeser Juden am 26. April l. I. Gott ein Opfer bringen wollten, haben sie ein Christenmädchen in der Synagoge geschlachtet. Die rechtliche Wahrhaftigkeit dieses schauderhaften Tatbestandes beruht auf den folgenden Umständen. Die jüdischen „Schächters sind verpstichtet, ihre „Schlachtmeffer" beim jedesmaligen Schleifen dem betreffenden Rabbi vorzuweisen, und wenn die-