Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 23 (3.6.1862)
- Date
- 1862-06-03
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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86. Jahrgang. A 1 lgemei ne JW 23. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippfon in Bonn. Leipzig, den 3. Juni 1862. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal. Dienstags, in 1 */a bis 2 Bogen. Preis deS Jahrgangs 3 Thlr. Halbjährig 1 Thlr. 15 Ngr. Vierteljährig 22'/r Ngr. Inserate werden mit 1 l/-i Ngr. für die Petitzeilr oder deren Raum berechnet. Beilagegebühren betragen für 1 Bogen 4 Thlr.. für lfi Bogen 3 Thlr., für tyi Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen, Postämter und ZcitungS-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptexpedition für beide Letztere hat sich das König!. Sachs. Haupt - ZeitungS - Bnreän hier unterzogen. In h all. Leitende Artikel r Das Judenthum und die Wissenschaft. (Schluß aus No. 20.) — Der Uebertntt zum Judenthum. — Zerstreute Bemerkungen. : Zeitungsnachrichten r P r eu ß e n: Bonn, Berlin, Magdeburg, Münster, Frankfurt a. d. Oder. O est er r e i chisch er Kaiserstaat: Niedervsterreich. Rußland: Odessa. Marokko: Marokko. Nordamerika: Ncw-Dork. Leitende Artikel. Bonn, 25. Mai. Das Hudmthum und die Wissenschaft. Bortrag, gehalten im Tempel Emanuel zu New-Dork, zum Besten der Armen, von Dr. S. Adler. (Schluß aus No. 20.) Die beiden Talmude und namentlich die palästinensischen Midraschim, Bruchstücke von abgehaltenen religiösen Vorträgen uns überliefernd, fließen über von lateinischen und griechischen Ausdrücken. War es doch dem Joseph ha-Kohen, bekannter unter dem Namen Josephus, einem palästinischen Pharisäer, der beim Zerstörungskampf des Titus in Palästina sich mit einer von ihm commandirten Festung den Römern übergab,, als er nach Rom kam, ein Leichtes, sein großes, heute noch als Quelle dienendes Geschichtswerk in griechischer Sprache zu schreiben. Überhaupt ist eS eine durchaus verfehlte Anschauung, unter den Autoren des Talmuds sich Menschen vorzustellen, die in ihrem Sinnen und Trachten der Welt abgewandt waren und nichts thaten als frömmeln und über Ceremonien brüten. Es waren Männer, die ganz und gar in ihrer Zeit und mit ihrer Zeit lebten und in mancher Hinsicht sogar über dieselbe hinausragten. Namentlich aber war es Hochachtung vor Wissenschaft und als Folge davon auch Hochachtung vor den Männern der Wissenschaft, welches Stammes und Glaubens sie auch sein mochten, was den Talmud durchweg vorteilhaft auSzeichnet. Die Vertreter der Wissenschaft anderer Nationen heißen bei ihm stets in ehrenvoller Weise: „die Weisen der Nationen". An einer Stelle wird sogar ein astronomischer Streit zwischen den Weisen Israels und den Weisen der Nationen angeführt und dabei von Rabbi, dem Verfasser des Mlschnawerkes, der Ausspruch gelhan: „Ihre Worte sind einleuchtender als unsere". (Pes. 94, d.) Um den Respect der Talmudisten vor Wissenschaft zu constatiren, braucht man übrigens nur auf einen Umstand hinzuweisen, der beweiskräftiger ist als eine Menge Zeugen: sie haben einen Gebetspruch angeordnet für den Anblick eines gelehrten Nichtjudenalso lautend: gelobt sei.... der von seiner Weisheit Geschöpfen von Fleisch und Blut zugetheilt. Hochachtung vor Wissenschaft ist aber sicherlich nur da, wo sie gewürdigt wird, und gewürdigt wird sie nur, wo sie gepflegt wird. Wir könnten eine schöne Reihe von talmudischen Namen auführen, welche aus den verschiedenen Gebieten der