Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 20 (13.5.1862)
- Date
- 1862-05-13
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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2«. Jahrgang. Allgemeine 20. Zeitung des Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Phrlippfon in Bonn. Leipzig, den 13. Mai 1862. Diese Zeitung erscheini wöchentlich einmal, Dienstags, in 1*/r bis 2 Bogen. Preis deS Jahrgangs 3 Thlr. Halbjährig 1 Lhlr. IS Ngr. Vierteljährig 22>/r Ngr. Inserate werden mit 11/a Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Beilagegebühren betragen für 1 Bogen 4 Lhlr., für ’/a Bogen 3 Thlr., für V« Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs. Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptexpeditton für beide Letztere hat sich das König!. Sachs. Haupt - Zeitungs - Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel r Das Judenthum und die Wissenschaft.— Die badensche Kammer. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten rDeutschland: Karlsruhe, aus Oberhessen. P reußen:Magdeburg. Oesterreichischer Kaiserstaat: Raab, Raab, Raab, Niederösterreich. Die S ch w e i z: Lengenau. Frank reich: Paris. Italien: Turin, Rom. Leitende Artikel. Magdeburg, 30. April. Das Iudenthum und die Wissenschaft.*) Vortrag, gehalten im Tempel Emanuel zu New-Uork, zum Besten 'der Armen, von Dr. S. Adler. Wenn Sie in einen Hansen Bücher hineingreifen, irgend ein beliebiges herausnehmen und das Titelblatt Umschlagen, da stoßen Sie zuerst auf eine Vorrede, dann häufig noch auf eine längere Einleitung, so daß viel Schale abzuschälen ist, bis ein genießbarer Kern erscheint. Die Bibel hat keine Vorrede und keine Einleitung, der Talmud hat auch keine, und die classischsten Werke des Alterthums haben keine. Gestatten Sie mir, wenigstens in dieser Formsache, *) Wir entnehmen ausnahmsweise diesen interesianten Artikel dem Aprilheft der deutschen Monatsschrift „Sinai" von Dr. Einhorn in Philadelphia. theologisch und classisch zu sein. Ich gebe Ihnen das Titelblatt für mein heutiges Werk; es lautet: Iudenthum und Wissenschaft, und gehe sofort zur Sache selbst über. Lassen Sie mich einen Augenblick statt Iudenthum Religion sagen. Religion und Wissenschaft sind zwei Namen von der höchsten Bedeutung; sie haben sich als die zwei mächtigsten Hebel der Menschencultur und zu gleicher Zeit als die Triebfedern bewahrt, welche das Rad der Weltgeschichte bald ruhig und stetig, bald rasend und stürmend in Bewegung gesetzt. Daß also Religion sowohl als Wissenschaft die innigsten Beziehungen zum Leben habe, bezweifelt Niemand. Welche Beziehung aber Religion und Wissenschaft zu einander haben, darüber giebt die Geschichte verschiedener Religionen und verschiedener Wissenschaften verschiedene Antwort. Doch wie sie sich zu einander verhalten sollten, das war und ist bei den ruhigen Denkern langst keine Frage mehr. Ein schöner Wink zum richtigen Verständniß des factischen Verhältnisses in dieser Beziehung, sowie Dessen, was wünschenswerth wäre, ist uns in unseren alten Documenten aufbewahrt. Die Schrift nämlich erzählt uns auf ihrem ersten Blatte: „Und Gott machte die zwei großen Lichter, das große Licht zur Beherrschung des Tages und das kleine Lich t zur Beherrschung der Nacht/ Das klingt auf den ersten Blick wie ein Widerspruch, indem erst beide Lichter groß genannt werden, dann aber das eine groß und das andere klein. Der Talmud, der