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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-05-06 · Heft 19 (6.5.1862) · p. Seite 261

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 19 (6.5.1862)
Date
1862-05-06
Page
Seite 261 (sequence 17)
Language
German
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S6L der Studenten empfangen. Als er ihnen aber zurief: „Wenn. Sie pfeifen wollen, meine Herren, gehen Sie in die Synagoge, heute ist ja Samstag!" erhob sich ein solcher Sturm, daß nur das taftvolle Auftreten des Decans, Dr. v. Viszanek, den Herrn Dr. vor weitern Unannehmlichkeiten schützen konnte, Dr. Michaelis ist, wie wir hören, ein getaufter Jude. — Spätern Berichten zufolge hat Herr vr. M. bis jetzt keinen einzigen Hörer für seinen Lehrstuhl der Kriegschirurgie erlangt. Dieses Lehrfach wird somit wegen Mangels der Theilnahme von Seiten der beleidigten Studenten wieder eingehen. — In der am 28. März stattgehabten Sitzung der juridischen Facultät in Wien wurde der Antrag des Ausschusses,, daß die Stipendien der Bursa'schen Stiftung auch dem Studirenden israelitischer Confession verliehen werden sollen, zum Beschluß erhöben, und zugleich beschlossen, ein solches Stipendium in diesem Schuljahre schon an einen Israeliten zu verleihen. Die Schweiz. Lengenau, 13. April. (Schweizerbote.) - Gestern versammelte sich die hiesige israelitische Gemeinde, um auf vielfache Anregung des Wohlehrw. Herrn Rabbiners vr. Kayserling und unter dem Präsidium desselben sich über die Gründung eines Handwerkvereins zu berathen. Der Verein stellt sich die Aufgabe, die Erlernung von Handwerken unter Israeliten zu befördern und nach Kräften materiell zu unterstützen. Die Statuten wurden berathen, ein provisorisches Cömite gewählt. Ohne Zweifel wird sich der größte Theil der Gemeinde betheiligen. Ist nun hierdurch auf socialem Gebiete ein schöner Schritt vorwärts gethan, so bürgt uns der erleuchtete Sinn des genannten würdigen Seelenhirten, daß auch auf andern wichtigen Gebieten noch manche Aufgabe ihrer befriedigenden und zeitgemäßen Lösung getrost entgegensehen darf. Frankreich. Daris, im April. Die Jahressitzung ber „Alliance israAlite universelle" fand am 10. April statt. Der Präsident desComites, Herr Louis Königswarter, hielt eine sehr erhebende und schwungreiche Ansprache, die uns seitdem gedruckt zugekommen und von der wir die Hauptstellen im „Jüdischen Volksblatte" übersetzt wiedergeben. Der Secretär,; Herr Rabb. Astruc, gab einen Jahresbericht, der späterhin gedruckt erscheinen wird. Bis dahin verschieben wir ein Referat, denn nach den bekanntlich der Ueberschätzung sehr zugängigen ftanzösischen Blättern wäre auf dem ganzen Erdenrund hinsichtlich der Juden nichts geschehen, was nicht durch die Allisnce bewirkt worden wäre. Warten wir daher die Documente ab, um diesen Fanfaronaden gegenüber eine rechte, unparteiische Würdigung zu geben. Die von der Gesellschaft ausgesetzten Preise hatten keine derselben würdige Arbeit gebracht. Zum Schlüsse wurden die Statuten der Gesellschaft discutirt und einstimmig angenommen. — Die erste Versammlung von Rabbinen und Notabeln des Oberrheins beschäftigte sich besonders mit der Schule und drang unter Anderm besonders darauf, daß die Rabbinen an dem Religionsunterricht nachhaltig theilnehmen sollen. — In Paris circulirt eine Zustimmungsadresse an die Israeliten Polens, um sie für ihre Hingebung an die nationale Sache zu beloben. (Ver. Isr.) Italien. Turin, im April. (Educ. isr.) Ritter Artom unser Glaubensgenosse und Schüler des berühmten Eavour, wurde zum ersten Secretär der königl. italienischen Regierung zu Paris ernannt. Der italienische Journalismus spricht über diese wichtige Ernennung seine volle Befriedigung aus. — Die italienischen registriren eine Menge von Rangeserhöhungen und Ordensverleihungen, die Israeliten ertheilt worden, insonders in der Armee. Wir heben auch die Decorirung des vr. Prospero Padoa mit dem Mauritius-Orden wegen seines medicinischen Eursus an der Universität hervor. Rom, im April. (Educ. isr.) Hiesige Blätter berichten, daß einige Fanatiker in den Tempel drangen und den Gottesdienst störten, aber von einigen muthigen israelitischen Jünglingen herausgeworfen wurden. Man hofft, daß das römische Gouvernement wenigstens solche Scenen in Zukunft verhindern werde. 20 **

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