Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 19 (6.5.1862)
- Date
- 1862-05-06
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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JW 19 Sk. Jahrgangs Allgemeine Zeitung des M-enthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Magdeburg. Leipzig, den 6. Mai 1862. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal. Dienstags, in 1*/2^is 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 3 Thlr. Halbjährig 1 Thlr. 15 Ngr. Vierteljährig 22'/r'Ngr. Inserate werden mit 1*/r Ngr. für Ue Petitzeile oder deren Raum berechnet. Beilagegebühren betragen für 1 Bogen 4 Thlr., für '/r Bogen 3 Thlr. , für l/i Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs - Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptexpedition für beide Letztere hat sich das König!. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Abschiedspredigt, gehalten am 7. Peßachtage (21. April) von Dr. Ludwig Philippson. — Literarischer Wochenbericht. ' ZeitungsnachrichtenJ Deutschland: Hannover, Hannover, Hamburg, Buchau, Karlsruhe, München, Karlsruhe. Preußen: Posen, Tilsit. Oesterreichischer Kaiserstaat: Prag, Wien, Wien, Siklos, Raab. Amerika: New - Dork. Portugal: Lissabon. Rußland: Warschau. Leitende Artikel. Magdeburg, 27. April. AbschredspreÄigt,*) gehalten am 7. Peßachtage <21. April) von Dr. Ludwig Phrlippson. Andächtig Versammelte! Theure Gemeinde! Als unser Urahn Jakob in der nächtlichen Erscheinung jenem Manne begegnet war, da sprach dieser schließlich (1 Mos. 32, 26): „Laß mich scheiden, denn die Mor- *) Es war mit ihr die Consirmation von 23 Conz firmanden, welche während des Winters vom Dr. PH. in seinem Hause unterrichtet und vorbereitet worden, verbunden. - Die große Synagoge war von mehreren Tau< senden aus allen Confessionen und Schichten der Bevölkerung dicht gedrängt gefüllt, welche der mehrstündigen Feier trotz des Mangels an Raum andächtig beiwohnten. genröthe bricht an!" Er aber sprach: „Ich lasse Dich nicht scheiden, Du hättest mich denn gesegnet!" Die Stunde, die wir zu feiern begonnen haben, ist auch eine Scheidestunde. Zum letzten Male bestieg ich diese geweihte Rednerstätte; zum letzten Male stehe ich vor der versammelten Gemeinde, ihr in die mir zugewandten Antlitze schauend, sie, die Worte meiner Rede vernehmend. Da ziehet denn vor meinem Geiste die lange Reihe von Jahren vorüber, fast drei Jahrzehende, da ich meine geheiligtesten und gehobensten Stunden hier verlebte, da ich das Beste aus den Tiefen meines Herzens, das Schwungreichste aus dem Innern meines Geistes in Eure Herzen und Geister zu legen mich mühete. Sie sind nun alle vorüber, und keine kehret zurück. — Und dann ist es auch eine Scheidestunde für diese Jugend, die heute von der fröhlichen Flur ihrer Kindheit scheidet, der sich in dieser Stunde die Pforte ihrer ersten harmlosen Lebensbahn schließt, während sich das Flügelthor des ernsten, gewichtigen Lebens sich öffnet, wo sie für sich selbst zu Verantwortung und Rechtfertigung eintritt, für ihr Thun und Lassen, und die heiligen Uebel des Daseins und die Mühen und Sorgen des Menschenlebens auf die. jugendlichen Schultern nimmt. Und dies ist wiederum auch für mich ein Scheiden, da es die letzte Jugend ist, der ich die Lehre und die Zucht des Herrn in das Herz zu verpflanzen gesucht, in der Religion der Väter weihe und den Segen auf die jugendlichen Häupter lege. Da stehen vor meinem Geiste all die Hunderte