Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 17 (22.4.1862)
- Date
- 1862-04-22
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allge m eine M 17* Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Z»r. Ludwig Philippfon in Magdeburg. Leipzig, den 22. April 1862. - Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, in V/n bis 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 3 Thlr. Halbjährig 1 Thlr. 15 Ngr. Vierteljährig 221/z Ngr. Jnseraie werden mit l'/r Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum bereämet. Beilagegebühren betragen für 1 Bogen 4 Thlr.. für 1/2 Bogen 3 Thlr., für 1/t Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptexpedition für beide Letztere hat sich das König!. Sachs. Haupt - ZeitungS - Bureau hier unterzogen. I n h a l t. Leitende Artikel: Heber Toleranz. — Das Verhaltniß des . Judenthums rum Islam. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Preußen: Magdeburg, Berlin, Posen, Posen. Frankreich: Paris, Paris. Rußland: Warschau, Warschau. B elgien: Brüssel. Italien: Aus Oberitalien. ' Leitende Artikel. Magdeburg, 13. April. Arber Toleranz. Es ist immer nur erst noch eine dünne Rinde, welche sich über Unduldsamkeit und Verfolgungssucht selbst aus religiösen Motiven gelegt hat — irgend eine Erschütterung, und jene Rinde ist durchbrochen, und die Flammen des Fanatismus, der Mord- und Plünderungssucht brechen wieder hervor. Wie dem Hamlet der Geist unter den Füßen nachfolgt und ihm seine Stimme vernehmen läßt, so ist immer noch genug von den Geistern priesterlicher Herrschsucht und pöbelhafter Rohheit übrig geblieben, um uns immer wieder zu erinnern, daß sie noch vorhanden, daß sie den Menschen noch immer tödtliche Waffen in die Hände zu geben vermögen, daß deshalb die Wachsamkeit Aller, welche das Recht und die Freiheit wollen, erforderlich ist. Beweise hierfür bringt leider noch fast jeder Tag. Der Bischof von Toulouse erläßt einen Hirtenbrief, um zu Pep dxejhundertjährigen Jubelfeier der Ermordung von 4000 Protestanten am löten Mai 1562 aufzufordern. Bor 300 Jahren standen sich Katholiken und Hugenotten in Toulouse mit den Waffen nt, der Hand gegenüber. Am 16. Mai 1562 schlossen beide Parteien eine Capitulation, wonach die Protestanten freien Abzug aus der Stadt haben, aber zuvor ihre Waffen auf dem Rathhause ablegen sollten. Kaum aber war diese letztere Bedingung erfüllt, als die Katholiken über die Wehrlosen herfielen und sie bis auf den letzten Mann niedermetzelten. So lautet der Bericht aller zeitgenössischen Geschichtsschreiber, de Thou, Mezerai, La Popeliniäre, in den Memoiren Coude's und Montluc's, namentlich in der Hi8ioir6 gändrale de Languedoc. Nach Einigen belief sich die Zahl der Ermordeten auf 4000. Zur Erinnerung an diese „glorreiche That" sind leider Säcularfeste 1662 und 1762 begangen worden. In dem letzteren Jahre bekämpfte Voltaire diese Sacularfeier mit allen Waffen des Spottes und der zürnenden Humanität. Vergebens. Wer hätte nun erwartet, daß wir im Jahre 1862 noch nicht so weit gekommen, um der Feier einer solchen heimtückischen» Mordthat enthoben zu sein?. In der That aber lese man die Worte jenes Hirtenbriefes, mit denen der Bischof diese Handlung glorificirt, die Mörder für Heilige, die Gemordeten für Gottlose erklärt, und Gott, den Himmel, das Gebet und die Religion mißbraucht, um das von der Erde aufschreiende Bruderblut zu reinem Weihwasser zu machen! Und dies in dem Lande, wo die Toleranz und Gleichstellung der