Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-04-15 · Heft 16 (15.4.1862) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 16 (15.4.1862)
Date
1862-04-15
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3226310-3226327--20263-3249319
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nachahmerei. Meint vielleicht Hr. D. die Responforien Änd Gebets die ftMr" tzon E dersarNmelten Gemeinde regellos durch einander geschrieen wurden, und die später dem geregelten Chore, als dem Repräsentanten der Gemeinde, zugewiesen.wurden? Das war ja Eigenthum der Synagoge, und' die Componisten haben nichts anderes gethan, als dieselben melodisch und harmonisch geordnet. Oder meint vielleicht Hr. D., weil nach dem Erscheinen der Sulzer'schen Gesänge —nach Hrn. D. wären auch die Sulzer'schen Gesänge Nachahmung, da das Münchner Gesangbuch früher erschienen ist — auch Andere Gesangbücher erscheinen ließen, so hat er hiermit nur gezeigt, wie unkünstlerisch er denkt. Auf dem Gebiete der Kunst giebt es keine Nachahmereien. Jeder schafft aus sich selbst heraus und wird selbstständig , wenn er was gelernt hat.und eS aufrichtig mit der Kunst meint. Wir unsererseits nehmen alle Gaben, die durchdacht und vom Geiste der Kunst beseelt sind und daher zur Verherrlichung unseres Gottesdienstes beitragen, stets willkommen! auf; und das W.'sche Werk ist eins von denen, welches, wenn man wahr sein will, mit Achtung und Theilnahme behandelt werden muß. Reinheit des Satzes, melodische Stimmführung, harmonische und kontrapunktische (seichte Musiker nennen das „musikalische Rechnenerempel") Schönheiten geben dem ganzen Werke einen großen musikalischen Werth. Gleich in No. 1 sehen wir ein einfaches melodisches. Thema, das als Refrain für die Wiederholungen desselben Textes dient, erhält aber im Verlause der Nummer durch die Unterlegung eines dreistimmigen fugirten Satzes Bedeutung; die Nummer endet, anschließend an das erste Motiv, mit einem wundervollen harmonischen Satze. Die 4stimmige Choralfuge in No. 2 ist ebenfalls eine beachtenswerthe Arbeit, und wir stimmen damit überein, daß das Thema bei einer Gesangfuge nicht oft durchgeführt werde; durch einen freien Satz dazwischen erhält die Fuge mehr Reiz. No. 3, 4, 5 sind nicht weniger zu beachten. In den folgenden Nummern wechseln Chöre und Solls und Recitativen in trefflicher Arbeit. In No. 53 beginnt mit den Worten, „ei no" eine reizende Melodie, die, über 200 Jahre alt, sich in der Weintraub'schen Familie überlieferungsweise fortgeerbt hat. Die Nummern 65, 75, 81 find vortrefflich componirt. No. 119 und ,120 im, 2< Theile sind herrliche M.re, reich an reizenden. melodischen Wendungen und.an^Dmchfüh^^ gen der erfaßten.Themata, und dürften dieselben,^ KÄ einem gut geschulten Chore ausgeführt, einen mächtigen Eindruck machen; ebenso ist No. 134 eine Composition, 'wie sie in. andern ähnlichen Werken nicht zu finden sind; und so verdrängt eine Nummer die andere an Schönheiten' mannichfaltigster Art. Der Befchränkte Raum gestattet uns nicht, weitläufiger über das Werk' zu sprechen; wir haben daher in tnöglichst conciser Form nur einige der besten Nuinmern genänntt — Was das Schirr Sch'lomo anbetrifft, 'welches nur als ein Appendix dem Werke beigegeben ist, und welches der Verfasser als Antiquität betrachtet und beurtheilt haben will, so können die darin enthaltenen Recitative mit den reizenden harmonischen Sätzchen, wenn sie würdig vorgetragen werden, nur den besten Eindruck machen. Die Vortragsweise kann bekanntlich das Erhabenste inS Lächerliche ziehen Und ebenso umgekehrt. Bei diesen Recitativen ist es besonders der Fall. ES gebührt daher Hrn. W. unser Dank, daß er diese frühem wilden und regellosen Gesänge rhythmisch und harmonisch geordnet hat. Zur Empfehlung des fraglichen Werkes hätte eS unserer Worte nicht bedurft, da bedeutende musikalische Capacitäten sich darüber in öffentlichen Blättern in r höchst lobender Weise haben vernehmen lassen, und hat sich erst kürzlich der berühmte Theoretiker Hr. Professor Marx in Berlin in einem Briefe an den Verfasser in höchst schmeichelhaften Worten über das Werk voller Theilnahme und großer Achtung ausgesprochen. Es hätte also meiner empfehlenden Worte nicht bedurft; aber schmählichen Angriffen und einseitigen Kritiken kann man keine andere Waffe entgegensetzen, als die der Wahrheit, um sie zum Schweigen zu bringen. Frankfurt a. M. im Februar 1862. , M. Wemiraub. So eben erhalten wir die Nachricht, daß Hr. W e i n - traub in Königsberg, Verfasser des oben erwähnten Werkes, mittelst allerhöchster Cabinets-Ordre, in Anerkennung seiner musikalischen Leistungen von Sr. Majestät dem Könige von Preußen die goldene Medaille für Kunst erhalten hat. . Druck von I. B. Hirsch seid in Leipzig.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.