Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 16 (15.4.1862)
- Date
- 1862-04-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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, 86. Jahrgang. U l 1 g e M e l N t Zeitung des Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippfon in Magdeburg. Leipzig, den 15. April 1862. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal. Dienstags, in 1V2 bis 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 3 Thlr. Halbjährig 1 Thlr. 15 Ngr. Vierteljährig 22 s/2 Ngr. Inserate werden mit 1'/r Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Beilagegebühren betragen für 1 Bogen 4 Thlr., für '/r Bogen 3 Thlr., für i/« Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlnngen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptexpeditiou für beide Letztere hat sich daS König!.. Sächf. Haupt «Zeitungs-Bureau hier unterzogen. -I n h a l t. Leitende Artikel: Unter welcher Bedingung nur sollten die Rabbinen Gutachten geben? Die Berliner Orgelfrage. — Zum Artikel „Der Uebertritt zum Judenthume" in Nr. 8 dieser Zeitung. — Ueber den Versuch des Königs Ruprecht, den sämmilichen deutschen Juden ein rabbinisches Oberhaupt zu geben. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Aus Südbaden, Jebenhausen, Hamburg. Preußen: Berlin, Mag- / deburg. Oefterreichischer Kaiserstaat: Niederösterreich, Raab, Raab. Rußland: Warschau, St. Petersburg. Korrespondenz: Zustande der jüdischen Normalschule. Leitende Artikel. Magdeburg, 6. April. Altter welcher Bedingung nur sollten die Labbinen Gutachten geben? Die Berliner Orgelfrage. Es sind nunmehr fast fünfundzwanzig Jahre, daß dein Schreiber Dieses unaufhörlich von Privaten und Gemeinden Fragen zur Beantwortung aus jedem Gebiete des religiösen, in sonders des cultuellen Lebens zukommen. In dem ersten Jahrzehend meiner Wirksamkeit hielt ich es strengstens für meine Pflicht, alle diese Fragen zu beantworten. Man weiß, daß. es stets Sitte in Israel war, solche Mühewaltung unentgeltlich zu übernehmen, und hatte ich auch nie Gelegenheit, zu beobachten, daß dieser Sitte unsere Glaubensgenossen untreu geworden. Aber so viele Zeit und Kräfte es auch in Anspruch nahm, ich hielt es für unabweisbare Pflicht, zu antworten, wo man fragt, zu belehren, wo man Belehrung verlangt. Mit der Zeit machte ich aber vielfach die Erfahrung, daß diese Art von Anstrengung .just nicht diejenige sei, welche sich des besten und meisten Erfolges zu erfreuen habe, sondern daß sie größtentheils wirklich verloren sei. Die meisten derartigen Anfragen geschahen aus Neugierde und Curiosität, oder sollten zu Parteizwecken dienen, oder man nahm den Bescheid entgegen und befolgte ihn nicht. Ich entschloß mich daher kurz, und beantworte seit längerer Zeit nur diejenigen Fragen, welche amtlich von Gemeinden an mich gerichtet werden. Aber auch hier traten schließlich Bedenken ein, die mir die ganze Angelegenheit in zweideutigem Lichte erscheinen lassen. Unsere Glaubensgenossen pflegen die Autorität nur so lange zu achten — als — sie nicht gesprochen hat. Die Gemeinden holen Gutachten ein, aber mit der Voraussetzung, ganz nach Belieben sich über sie hinwegzusetzen. Die Rabbinen setzen sich hin und arbeiten ihre Gutachten mit Fleiß aus, erwägen alle Umstände und Verhältnisse, das geschriebene Gesetz und den Drang des Lebens, und wenn sie endlich dahin gelangt sind, die Sache gründlich und klar dargelegt zu haben, glauben sie ein recht gutes Werk vollbracht zu haben. Aber sie irren sich, ihre Arbeit wird in der Regel wenig beachtet, sondern ad acta gelegt. So wird