Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 15 (8.4.1862)
- Date
- 1862-04-08
- Page
- Seite 185 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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185 ter den 50 Mitgliedern des -Landsthinges zu erwarten sind. Dazu kommt noch der Umstand, daß nach dem dänischen Wahlgesetze nur Derjenige zur Volksvertretung gewählt werden kann, der sich selbst öffentlich als Be-- Werber zu diesem Zwecke repräsentirt. Es ist mir aber kein einziger Fall bekannt, daß hier je ein Jude sich auf diese Weise zur Wahl gestellt und bei derselben durchgefallen.. Im Gegentheil kann ich auf den Fall Hinweisen, daßchier Mr Kurzem, der jüdische Bürgerrepräsentant, Herr Moritz Melchior, öffentlich aufgefordert worden^ sich als Wahlcandidat zu stellen, während er es theils auS Bescheidenheit, theils wegen überhäufter Geschäfte in CommUnälangelegenheiten abgelehnt hat. Findet der Correspondent der/Berliner Revue vielleicht auch hierin „einen Charakterzug jüdischer Unverschämtheit und Aufdringlichkeit und einen Beweis, daß der Volksgeist die Juden in den gehörigen Schranken zu halten weiß"? Während so die Juden bei den Volksvertretungen bescheiden zurücktreten, werden sie bei den communaten Repräsentationen, bei welchen das Voll nach eigenem freien Willen wählt/ verhältnißmäßig in großer Anzahl mit dem öffentlichen Vertrauen beehrt. So befinden sich hier in Kopenhagen, wo die; Juden kaum 2 Procent der Gesammtbevölkerung ausmachen, unter den 32 Bürgerrepräsentanten nicht weniger als 4 Bekenner des Judenthums, nämlich die Herren D. B. Adler, M. Bing, A. Herz und M. Melchior. Dasselbe ist in allen den Städten des Landes, wo nur wenige Juden wohnen, der Fall, so in Aälborg, Randers, Hobro, Aarhus, Frederieia, wo überall Juden in den Bürgerrepräsentationen sich befinden und in dieser Eigenschaft wiederholter Kundgebungen der Anerkennung - von Seiten ihrer Mitbürger und von Seiten der Regierung sich zu erfreuen haben. In der erstgenannten Stadt, wo nur wenige jüdische Familien wohnen, ist außer dem Bürgerrepräsentanten S. Jacöbse.n sogar ein. jüdischer Rathsherr im Magistrate, nämlich Herr A. Raffel. Daß den Juden der Zutritt zu den richterlichen Aemtern -verschlossen, ist durchaus unwahr. Wenn bis jetzt noch keine Juden hier in solchen Aemtern zu finden, so erklärt sich dies einfach dadurch, daß seit Einführung der freien Verfassung nur sehr wenige Israeliten die Amtscarriere betreten, indem sie es gewöhnlich vorziehen, Advocaturen zu bekleiden, in welcher Stellung sich mehrere sehr günstig auszeichnen, so namentlich die Oberlandsgerichts-Procuratoren Simonsen und Hechscher- Die wenigen Juden, welche sH der Amtscarriere gewidmet, nehmen alle eine sehr ehrenvolle Stellung ein, so der dänische Bankdirector Levh, der Secretär im Finanzministerium Levy, der Folkethings-Secretär D. Dessau, und der Universitäts-Bibliothekar Hanover> Daß in den Officiercorps der Armee und Marine bis jetzt keine Juden zu finden lim Bürgermilitär sind verhältnißmäßig viele jüdische Officiere), ist allerdings wahr, aber einzig aus dem Grunde, weil unter den wenigen Juden hier zu Lande noch Niemand sich dieser Carriere gewidmet. Wenn der Correspondent aber bei dieser Gelegenheit bemerkt, daß Juden überhaupt keine Neigung für diese Carriere haben, so brauchen wir ihn nur auf die Officierlisten der französischen, holländischen und österreichischen Armee hinzuweisen> ,wo bekanntlich die Juden in großer Zahl vertreten sind. Die Unrichtigkeit -der Behauptung, daß die Juden in Dänemark sich immer mehr vermindern, Hatte ich bereits vor einigen Jahren in diesen Blättern nachzuweisen Gelegenheit gehabt. In den letzten 5 Jahren haben sie sich hier in Kopenhagen nach einer soeben veröffentlichten statistischen Angabe um 163 Seelen vermehrt. Diese Vermehrung rührt zum Theil sogar durch Uebertritte vom Chrifienthume zum Judenthume her, und wenn alle Diejenigen, welche seit einem Jahrzehend sich . an unfern Geistlichen zum Eintritt ins Judenthum gewendet haben, Aufnahme gefunden hätten, so würde die Gemeinde sich vielleicht um ein Achtel vermehrt haben. Als Beweis, wie wenig unsere Regierung einen Unterschied zwischen ihren jüdischen und christlichen Unterthanen macht und wie sehr sie jede Tüchtigkeit, unter Juden zu benutzen und zu belohnen bestrebt ist, sei hier schließlich noch Folgendes bemerkt. Unter den 15 Mitgliedern einer vor einigen Jahren von der Regierung zur Berathung eines neuen Zollgesetzes ernannten Commission befanden sich nicht weniger als 3 Juden. Ebenso sind hier unlängst bei. Errichtung eines aus 20 Mitgliedern bestehenden Handelsgerichts 3 Juden ernannt worden. Ferner verdient es gewiß bemerkt zu werden, daß hier in Kopenhagen allein 12 Juden (darunter bekanntlich auch unser Oberrabbiner) mit dem Ritterorden decorirt sind. Außerdem. sind unter den hiesigen Juden 5 Professoren (4 in' der Medicin und einer in der Kunst), 2 Etatsräthe und 2 Eommerzienräthe. Solchen Thatsachen gegenüber zeigt sich die Behauptung des Correspondenten der Berliner. Revue, daß die Juden hier trotz der freien Verfassung zu keiner Geltung gelangen können, indem Regierung und Volk bemüht