Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 13 (25.3.1862)
- Date
- 1862-03-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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JW 18 26, Jahrgang. Allgemeine Zeitung -es Zudenthums. . Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Magdeburg. Leipzig, den 25. März 1862. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, in 1 */a Bogen. Preis des Jahrgangs 2 Thlr. 10 Ngr. Halbjährig 1 Thlr. ü Ngr. Vierteljährig 17>/r Ngr. Beilagegebühren betragen für 1 Bogen 4 Thlr., für l/z Bogen 3 Thlr., für Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs. Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptcxpedition für beide Letztere hat sich das König!. Sachs. Haupt - Zeitungs - Bureau ' hier unterzogen. l Inhal t. Leitende Artikel: Die jüngsten Vorgänge in Preußen. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Hamburg, Karlsruhe, aus Südbaden, Frankfurt am Main, aus Bayern. Oefterreichischer Kaiserstaat: Aus der Theißgegend, aus dem Tokayergebirge, Raab, Krakau, aus Ungarn, B. Gyarmath, Jglau. Frankreich: Paris. Italien: Neapel. Leitende Artikel. Magdeburg, 17. März. Die jüngsten Vorgänge in Preußen. Die Verhandlungen in dem preußischen Abgeordnetenhaus über die Petitionen der städtischen Behörden von Posen, die Anstellung jüdischer Lehrer an öffentlichen Lehranstalten betreffend, welche wir in voriger Nummer mitgetheilt, konnten nicht fortgesetzt werden, da am Donnerstage (6. März) der durch seinen Ausgang so bekannt gewordene Hagen'sche Antrag, die Specialisirung des Budgets betreffend, zur Debatte kam und die ganze Sitzung aus füllte, in Folge der Abstimmung aber die Auflösung des Abgeordnetenhauses stattfand. Indeß unterliegt es keinem Zweifel, wie das letztere über die Petition votirt hatte; der Antrag der Commission, die Petition dem Ministerium zur Abhülfe zu überweisen, wäre mit großer Majorität angenommen worden, da ja schon das frühere, weniger liberale Abgeordnetenhaus sich in gleicher Weise principiell geäußert hatte. Da diese Auflösung von Niemandem vorausgesehen werden konnte und wir der Meinung gewesen, daß man die am Donnerstag vermuthete Fortsetzung der Debatten über die Petition abwarten müsse, ob nicht in denselben irgend Wer, z. B. die beiden Abgeordneten jüdischer Religion, Reichenheim und Kasch, das Wort gegen die bekannten Aeußerungen des Cultusminifters v. Bethmann-Hollweg über die Toleranz des Christenthums und die Intoleranz des IudenthumS ergreifen würde: so standen wir am 7. nicht an, den offenen Brief an den genannten Herrn zu richten, welches in den meisten öffentlichen Blättern wiedergegebene Sendschreiben eine allgemeine Billigung von christlicher und jüdischer Seite fand, so daß viele Dankschreiben von Gemeinden und Privaten an uns gerichtet wurden, und eine Entgegnung nicht erfolgte. Am 11. fand die Auflösung statt, und am 12. hatte v. Bethmann-Hollweg seine Entlassung als Minister erhalten und Graf Schwerin provisorisch das Cultusministerium übernommen. Das letzte Wort Bethmann-Hollwegs als Minister war also sein ungerechter und aller Geschichte Hohn sprechender Vorwurf gegen das Iudenthum und seine Willensäußerung, das Haus möge votiren wie es wolle, er werde nie einen Juden als Lehrer anstellen und die Beschwerde nicht zur „Abhülfe" kommen lassen. Er hat Recht gehabt, denn, selbst wenn sein Wille sich ändern würde, vermöchte er es doch nicht. Als Minister ist er für uns todt, und als Herr v. Bethmann-Hollweg hat er keine Bedeutung für uns. Nein! der Schadenfreude sind wir niemals zugänglich, wir ken-