Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 12 (18.3.1862)
- Date
- 1862-03-18
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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86, Jahrgang. Allgemeine 12. Zeitung -es Iudcnthmns. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Hernusgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Magdeburg. Leipzig, den 18. März 1862. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, in 1*/r Bogen. Preis des Jahrgangs 2 Thlr. 10 Ngr. Halbjährig 1 Thlr. ü Ngr. Vierteljährig 17>/r Ngr. Beilagegebühren betragen für 1 Bogen 4 Thlr., für ]jz Bogen 3 Thlr., für l/i Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen, Post» ämter und Zeitungs. Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hanptexprdition für beide Letztere hat sich das Königl. Sachs. Haupt > Zeitung- - Bureau - hier unterzogen. I nh a l t. Leitende Artikel: An Se. Ercellenz den Minister der geistlichen und Unterichtsangelegenheiten, Herrn v. Bethmann- Hollweg. — Verhandlungen des preußischen Abgeordnetenhauses über die Anstellung von Juden als Lehrer an öffentlichen Schulen. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten rDeutschland: Aus Bayern. Preußen: Magdeburg, Callis,Münster. Oesterreichischer Kaiserstaat: Aus Böhmen, aus Südungarn, Raab, Raab. Italien: Magdeburg. H o l l a n d: Aus Holland. Norda m e r i k a: Washington. Leitende Artikel.") Magdeburg, 2. März. An Se. Mcessen^ den Minister Der geistlichen und Anterrichtsangelegen!)eiten, Herrn v. Bethmann-Hollweg. In der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 4ten März äußerten Sie sich, nach den Berichten in allen öffentlichen Blättern, dahin, ' daß das Christenthum allein die Duldung Andersgläubiger bewirke, der Atheismus sowie das Judenthum verfolgungssüchtig sei. Ich weiß, daß. ich nicht das Recht habe, für diese Ihre Behaup¬ *) Die folgenden unaufschiebbaren „leitenden Artikel" nöthigen uns, den zweiten und dritten Artikel über die „Mischehen" für die nächsten Nummern zurückzulegen. Die Redaction. tung, so weit sie das Judenthum betrifft, Beweise zu fordern. Denn ein Königl. Staatsminister hat mehr und Wichtigeres zu thun, als für jeden seiner Aussprüche öffentlich Rede zu stehen. Wohl aber habe ich das Recht, Ihre im Angesichte der ganzen Welt gethane Behauptung für eine durchaus irrige zu erklären. Ueberblicken wir die Geschichte der christlichen Welt von dem Augenblicke an, wo Constantin der Große sich zu dem Christenthum bekannte, d. h. wo das Christentum die weltliche Macht erlangte, nicht blos bis 1828, wo noch ein Schulmeister seine rationalistischen Anschauungen mit dem Feuertodte auf dem Scheiterhaufen büßte, sondern bis zur Gegenwart, wo in Schweden auf dem Uebertritt zum Katholicismus Landesverweisung ruht, und in Spanien Männer, welche die Bibel verbreiten, zu den Galeeren verurtheilt werden, so können wir auch nicht ein einziges Jahrhundert ausnehmen, in welchem nicht im Namen des Christentums die Verfolgungssucht, und oft in umfangreichster und grausamster Weise, geübt ward, selbst Jahrhunderte nicht, in welchen, wie zur Zeit Ludwig XlV. die Cultur alle Berhältniffe schon durchdrungen hatte. Was kann aber in dieser Beziehung dem Judenthume vorgeworfen werden - Aus diesem ganzen langen Zeiträume von mehr als fünfzehn Jahrhunderten auch nicht ein einziges Factum; ja, in den vier Jahrtausenden des Jndenthums steht die bedauernswerte Verurteilung des Stifters der christlichen Religion, welche in einer von Parteiungen durch - wühlten Zeit geschah, als die einzige Thatsache da, aus