Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 11 (11.3.1862)
- Date
- 1862-03-11
- Page
- Seite 131 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3226310-3226322--20161-3249212- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Herr Di. Mühlfeld interpellirte jüngst im Abger ordnetenhause den Staatsminister, ob das Gesetz, nach; welchem jüdische Lehrer nicht berechtigt sind, christliche Schüler zu unterrichten, noch ferner aufrecht erhalten werben soll. Herr Ritter v. Schmerling beantwortete diese Interpellation dahin, daß diese Frage principiell bei der Revision der Schulgesetze gelöst werden soll. — Da können die jüdischen Lehrer noch lange auf ein günstiges Resultat warten. Es besteht wohl kein besonderes Unterrichtsministerium, aber dieselben Männer, die in diesem Departement unter dem Grafen Thun beschäftigt waren, leiten diese Geschäfte unter dem Staatsminister. Was ist von diesen Männern Gutes zu erwarten? In Bezug des Tagesbefehles vom Feldzeügmeister Benedek erlaube ich mir Ihnen Mitzutheilen, daß eine Note der Hofkanzlei vom 11. December 1788 an den Hofkriegsrath Folgendes bestimmt wird: Auf Verlan-: gen der jüdischen kranken Soldaten kann der Rabbi-? ner zugelassen werden. Verstorbene jüdische Soldaten werden wie die übrigen Juden begraben. Wien, 15. Februar. (Privatmitth.) Wiener Blätter melden: Die Statuten des Vereins zur Unterstützung ' mittelloser israelitischer Studirenden wurden von der Statthalterei genehmigt. Der Vorstand des genannten Vereines hat bereits seine Thätigkeit begonnen. — . Um dem Rabb. Meisel die Mittel der Existenz zu sichern, die er durch seine Verweisung aus Warschau verloren hat, hat man sein Porträt on miui3tui6 lithographiren lassen und verkauft es zu drei Rubel. Polen, Christen wie Juden, kaufen in ihrem Nationalenthusiasmus das Bild, so daß bereits einige Tausend verkauft wurden. Raab, 19. Februar. (Privatmitth.) In meinem vorletzten Bericht hat sich ein kleiner Jrrthum eingeschlichen. Nicht hundert, sondern 111 Männer sind Seitens des k. Commissärs in den Communal-Ausschuß der Stadt Pesth berufen worden-, darunter sind, wie ich angab, 9 Israeliten. Nun haben Viele der Ernannten christlichen Glaubens öffentlich abgelehnt. Dadurch, meint der Pesther Correspondent der „Ostdeutschen Post", sind die 9 Israeliten in eine eigenthümliche Lage gerathen und argumentirt folgendermaßen. Die Israeliten Ungarns, in der Erwartung,, der nächste Landtag werde endlich ihre Emancipation aussprechcn, scheuen sich, in irgend welche Beziehung zu der Regierung zu treten, um sich'ö mit der Nation nicht zu verderben. Wir hingegen glauben, die tr-Ki-ip .rmjn mögen sofort ihr Amt antreten; wir dächten, die Israeliten Ungarns thäten besser daran, mit der Regierung nicht zu schmollen und ihr keinen passiven Widerstand zu leisten; wir glaubten endlich, es wäre gerathener und praktisch klüger, wenn die Israeliten Ungarns sich's weniger mit der Negierung als mit der Nation verderben. Die Geschichte giebt uns wenig Beispiele, wo es sich um die Anerkennung unserer Menschenrechte handelte, daß die Initiative Seitens der Völker ausgegangen wäre, vielmehr waren es immer die Negierungen, die den ersten Anstoß dazu gaben, ro-D Vg», „der Segen kömmt von Oben". Als Nachtrag zu meinem letzten Berichte, den Tod des Di-. Kolischer in Lemberg betreffend, möge Folgendes dienen. Der Gemeinderath in Lemberg hat einstimmig beschlossen, in Würdigung der Verdienste des Verstorbenen, welcher vorzüglich durch seinen Einfluß das solidarische Auftreten der christlichen und alttestamentarischen Gemeindeglieder veranlaßt, der Mutter des Verstorbenen ein Condolenzschreiben zuzuschicken. Suum cuicpic! ' Herr Eduard Löwenthal, Sohn des Redacteurs der in Wien erscheinenden constitntionellen österreichischen Zeitung, wurde zum Concepts-Praktikanten der k. k. Finanz-Procuratur ernannt und beeidigt. Ein Fall einzig in seiner Art. Die „Gegenwart", ein in Wien erscheinendes ul- . tramontanes Blatt, antwortet auf den seit neuerer Zeit in vielen Journalen ertönenden Ruf „Revision des Eoncordats" mit dem Rufe „Revision des Talmuds". Zu diesem klerikalen Schmerzensschrei bemerkt die „Presse" sehr treffend : Die-„Gegenwart" scheint den klein winzigen Umstand vergessen zu haben, daß das Concordat und nicht der Talmud im Reichsgesetzblatt erschienen ist, daher letzterer keine Gesetzesgültigkeit involvire. — Wenn Sie mich fragen, in welchem Zusammenhänge das Concordat mit dem Talmud stehe, so glaube ich denselben in folgendem Umstande gefunden zu haben. Bekanntlich betheiligen sich viele Israeliten -und zwar mit sehr vielem Geschick und Talent an der österreichischen Journalistik. Nun glaubt unser Ültramontanismus, jede liberale Idee, die in der Presse auftaucht, habe ihren Grund und Boden, habe ihre Quelle