Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 10 (4.3.1862)
- Date
- 1862-03-04
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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62. Jahrgang. Allgemeine 10 ■ ' Ein unparteiisches Organ für alles Mische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Magdeburg. Leipzig, den 4.^ März 1862. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, in i1/» Bogen. Preis des Jahrgangs 2 Dhlr. 20 Rgr. Halbjährig 1 Thlr. 5 Rgr. Vierteljährig 17'/2 Ngr. Beilagegebühren betragen für 1 Bogen 4 Thlr., für x/i Bogen 3 Thlr., für lU Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen, Post« ämter und ZeitungS. Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptexpedition für beide Letztere hat sich das König!. Sachs. Haupt.Zeitung»-Bureau ' ■ ' '' }' ■ •' ’ '■ hier unterzogen. I nh a l t> Leitende Artikel: Ueber Mischehen zwischen Juden und Chri- - sten. I. Allgemeines. — Pariser Briefe. X. — Literarischer : Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Vom badischen Mittelrhein , Darmstadt. Preußen: Berlin- Breslau, Frankfurt a. d. Oder, Pr. Stargard, Königsberg, aus Pommern, Peckelsheim. O e st erreichischer Kaiser st a a t : > Wien. Afrika: Tripolis. Rußland:Warschau, Warschau. Leitende Artikel. Magdeburg, 23. Februar. Lleber Mischehen Mischen Zuden und Christen. I. Allgemeines. Die drei Gutachten, die wir über diesen Gegenstand in poriger Nummer mitzütheilen halten, haben die Aufmerksamkeit hierauf in verstärktem Maße geweckt, und da das Leben auch hierin der Erörterung und Beurtheilung vorangeeilt ist, da dergleichen Fälle nicht Llos in den großen Städten, sondern auch schon hier und da in den kleinen Vorkommen, so wird eine nähere Besprechung nicht allein von Seiten der Redaction d. Bl., sondern auch von anderen competenten Männern^) wohl an der Zeit sein. *) Wir bemerken aber schon heute, daß wir Artikel über die vorliegende Frage nur mit der vollen Namensunterschrift des Verfassers aufnehmen werden. Die Redact. . Warum hat man in der jüdischen Presse diese Frage noch gar nicht behandelt, und stehen die Verhandlungen des Pariser Sanhedrin und gewissermaßen in deren Continuitat der Braunschweiger Rabbinerversammlung ganz vereinzelt da? Der Grund liegt einfach darin, daß man. theils über diese Frage nicht ganz einig mit sich selbst war, theils bei einer entschieden verneinenden Antwort den Vorwurf der Intoleranz fürchtete, der gerade in diesem Punkte im Streite der verschiedenen christlichen Kirchen mit schweren Folgen begleitet war. Und jene Uneinigkeit mit sich selbst über diese Frage konnte sogar für Niemanden ein Tadel sein; denn es wird von vorn herein Jedermann klar sein, daß schon in den zu Grunde liegenden Principien ein scharfer Widerstreit enthalten ist, der, je näher man die Sache ins Auge faßt, desto schroffer ans Licht tritt, ein Widerstreit, der sich dann auch in den Personen, an denen diese Frage zum Vorschein kommt sofort verkörpert. Bei den Mischehen zwischen Juden und Christen findet , das müssen wir zuerst betonen, kein nationales, sondern nur ein religiöses Moment statt. Denn so wenig, wie es dem strengsten Juden einfallen kann, etwas wider die Verheirathung zwischen einem Juden und einer zum Judenthume Uebergetretenen oder umgekehrt zu haben, so wenig wird ein getaufter Jude ein Bedenken, tragen, eine Christin zu heirathen, obschon er doch mit der Taufe nichts von Dem, was noch Nationales an ihm haftet, abgeftreift hat. In zwei Personen verschiedenen