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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-02-04 · Heft 6 (4.2.1862) · p. Seite 72

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 6 (4.2.1862)
Date
1862-02-04
Page
Seite 72 (sequence 12)
Language
German
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73 zu vollenden. Vom Staats-Ministerium wird bekanntlich ein Gegenentwurf vorgelegt, das heißt, ein Gesetz, welches sich blos mit den Mischehen der christlichen Confessionen beschäftigt; man hat damit die Absicht, die heikle Frage der confessionellen Angelegenheiten zu umgehen und das Concordat einstweilen außer aller Discussion zu lassen, in so weit es bei dem Ehegesetz möglich ist. Das Ministerium fürchtet einen vollen Bruch im Hause sowohl der Gemeinen als der Lords, aber auch unbesiegbaren Widerstand bei der Krone, und bietet daher Alles auf, um wenigstens die Frage zu verschieben oder auf ein Minimum herabzudrücken. Hierbei wird es von der Minorität des Comites im Abgeordneten-Hause unterstützt; die Herren Bischof Jirsik von czechischer Seite, Bischof Litwinowicz von ruthenischer Seite, Abt Eder von deutscher Seite und Graf Belcredi von der katholisch-aristokratischen Partei begnügten sich nicht, ein Separat-Votum abzugeben, sondern sie legen einen förmlichen Protest ein gegen den Standpunkt der Majorität; sie läugnen vollständig das Recht des Parlamentes, den in Kraft stehenden Staatsvertrag abzuändern und die Situation der katholischen Bischöfe gegenüber den anderen Confessionen zu alteriren. Ungeachtet dieser Opposition und des vorauszusehenden heißen Kampfes wird die Motivirüng der mit Majorität gefaßten Beschlüsse des confessionellen Comites vorbereitet und das Zusammentreten des Abgeordneten-Hauses wird von der Vorlage dieses Gesetz- Edictes begleitet sein. Dr. Mühlfeld ist Berichterstatter dieses Comiws. Die Frage muß und wird zugleich eine Zerklüftung in die politischen und nationalen Gruppen bringen, wie heute schon die Magyaren, selbst die radicalsten, erklären, daß sie kein Interesse an der Abänderung des Concordates haben; die Polen und Czechen wissen noch nicht, wie sie sich mit den Klerikalen und Feudalen auseinandersetzen. Diese Zersplitterung erhöht vielleicht den Einfluß des Ministeriums zum Zweck einer Beiseiteschiebung der Frage. (Köln. Zeitung.) Italien. Aus dem Venetianischen, 24. Januar. (Privatmitth.) Ich hoffte Ihnen bessere Nachrichten von unserer Rabbinerschule geben zu können, aber der Hader dauert fort, und der Mangel an Nahrung wird sie endlich zum Falle bringen. Einem Beamten seinen Gehalt Jahr und Tag vorenthalten, hält man bei uns für eine verzeihliche Sünde. Wenn dieser traurige Zustand noch dauert, werden sich gewiß in Kürze die besten Lehrkräfte zurückziehen. Frankreich. Paris, 15. Januar. Herr S. Cahen, Begründer und vieljähriger Redacteur der „Archiv israelites de France“ ist zum großen Bedauern Aller, die ihn kannten, im 66. Lebensjahre verstorben, und anr 9. k. bei großer Theilnahme beerdigt worden. 1796' zu Metz geboren, in Mainz gebildet, zuerst Lehrer in Verdun, dann in Paris an der israelitischen Schule, seit 1829 mit der französischen Übersetzung der Bibel beschäftigt, zog er sich 1836 zurück. Bon 1837 bis 1846 war er auch ein fleißiger Correspondent dieser Zeitung, bis er 1840 hie eigene Monatsschrift gründete, deren Redaction er vor einigen Jahren an seinen Sohn, Isidore Cahen abtrat. An seinem Grabe sprachen der Großrabbiner Isidore, Herr Albert Cohn und der Advocät Schmoll. 1850 war er mit der Ehrenlegion decorirt worden. Rußland. Petersburg, Sonnabend, den 25. Januar. Nach der heutigen „Senatszeitung" können Israeliten, welche mit Diplomen von Universitäten versehen sind, Aerzte und Chirurgen in jede Branche des Staatsdienstes eintreten, jüdische Kaufleute allenthalben wohnen und jüdische Diener halten. Dem Unterrichtsministerium attachirte Israeliten, Professoren, Schulaufseher und Schullehrer sollen steuerfrei und decorationsfähig sein. Mit Freuden sehen wir auch in Rußland die bürgerliche Berechtigung der Israeliten Schritt vor Schritt vorwärts gehen, und obige Mittheilung ist um so erfreulicher, als sie zum Theil die wissenschaftlich gebildeten Juden betrifft, welche bisher den Kaufleuten in vielen Punkten nachstanden/ Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redacteur: K. Nabe.

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