Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 4 (21.1.1862)
- Date
- 1862-01-21
- Page
- Seite 48 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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48 neigt. ist,; die -berechtigten Forderungen der Bevölkerung zu berücksichtigen. . > , Die Schweiz. Zürich, 24. December. (Privatmitth.) Der Große Rath genehmigte in, seiner heute geschlossenen Sitzung den Gesetz'vörschlag/Wie Emancipatwn der Juden betreffend, und es ist somit diese mittelalterliche Anschauung' desettigtV ‘' Es steht zu' erwarten', daß in unserer ^Staht / welche sich 'durch Toleranz vortheilhaft auszeichnet, sich in allernächster Zeit viele Juden niederlassen , werden; die bis jetzt - hier ansässigen Familien, j circa 10. an der Zahl, treffen Vorkehrungen, sich zu einer Gemeinde zu verbinden. C o 11 ^sp ond enz. - - Mhslowitz> den 1. December.' Es' ist in diesen Blättern bereits einmal der hiesigen Gemeindeschule gedacht - worden. Dieselbe befindet sich nun in . dem zweiten Jahre, .ihres.Bestehens, und unterliegt -ihr; dauernder, .Bestand wohl keinem; Zweifel; mehr. Die Anstalt ist von der Königl. Regierung bestätigt und wirb von ihr geschützt. Die sicherste Gewähr sür ihren Bestand''iM Kämpfe mit ben Privätschülen, die hier seit frühester Zeit 'festen Fuß gefaßt haben, schöpft dieses Institut -aus. dem. heiligen Eifer und dertreuen Hingebung . der Lehrer. Es; enthält drei aufsteigende Claffen, in denen Mädchen und Knaben zusammen unterrichtet werden. In der ersten Claffe wird auch ein gehobener Sprächünterricht ertheilt. Während das Hebräische bei den Knaben eine sehr ausgedehnte Pflege erfährt, wird bei den Mädchen in der französischen Sprache ein umfassenderer .Unterricht ertheilt und. außerdem noch weibliche Industrie getrieben. Die Leitung der Schule befindet sich in den Händen des Herrn Dr. Mattersdorf. Außer diesem sind noch die Herren Rahmer und Königsberger' als ordentliche Lehrer' thätig. Der Gesanguntirricht wird' von dem Herrn Eantor Unserer Gemeinde, Lewin, geleitet. Für die weiblichen Handarbeiten ist eine junge Dame angestellt. . . Unsere Anstalt-erregt ein besonderes Interesse dadurch, daß sie, auf der Ostgrenze uns eres Vaterlandes, mitwirkt an der Verbreitung moderner jüdischer Bildung über die polnische .Grenze. Sie wird auch von-einer ansehnlichen Zahl polnischer Kinder besucht. Obgleich die Richtung unserer Gemeinde die-orthodoxe istz so findet doch jedes wahrhaft jüdische Unternehmen-, wenn.es auch das Gepräge unserer fortgeschrittenen Zeit trägt, die Unterstützung des Vorstandes: und die -wärmste Theilriahme von Seiten des Publikums. Dies zeigte sich auch , bei der gestern Abend, als am Sabbath Chanuckah abgehaltenen Schulfeier. Auf die Einladung des Lehrer-Collegiums hatten sich zur festgesetzten Stunde der Rabbiner der Gemeinde, Herr Dr. Jaffä, der Vorstand,, die Repräsentanten und ein .überaus zahlreiches Publikum eingefunden. Das festlich geschmückte Schullocal-war so überfüllt, daß eine.größere Versammlung unmöglich hätte Platz finden könneru Die-Feier wurde mit dem. Anzünden des Chanuckahlichts eröffnet. Hieran schloß sich, die Abstngung des ->iL-iir'73 nach der Composition des Berliner Chor-Dirigenten. Lewandowski.'! Die Festrede, wes Schul-Dirigenten entwarf ein Gemälde der Makkabäerzeit und schloß mit Ermahnung der Jugend. Daraus wurde ein von Herrn Dr. Mattersdorf - gedichtetes Festlied für Solo und Chor von den Kindern gesungen. Die Declamationen der Kinder, die sich hieran rerheten, waren specifisch. -jüdischen Inhalts; es waren zum. großen - Theil Gedichte, die das Chanuckah- Fest selbst zum Gegenstände haben. Der ernste Theil der Feier wurde mit Abstngung der Chanuckah-Hhmne in der Uebersetzung des Rector Horwitz. und in der.Lewaudowski'scheu Eomposition würdig beschlossen.. Es wurden . sodann die Gaben , die durch die Munificenz des Vorstands angeschafft worden waren, unter die Kinder vertheilt. Die Lehrerderen wer Vorstand auch nicht vergessen hatte, denen mehrere. Flaschen des; sorgenlösenden Weins zu Theil geworden waren, .blieben noch Mehrere Stunden mit. der ftöhlichen Jugend zusammen und leiteten deren Spiele. Das Fest, erfreute sich in allen Theilen des ungetheiltesten Beifalls und zeigte recht deutlich, daß jener kalte Jndifferentismus, wie er an andern Orten vorkommt, hier noch nirgends Platz gegriffen' hat; es that zugleich dar, daß-unsere industrielle Zeit: noch Empfänglichkeit genug besitzt für alles Schöne und Gute.. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redacteur: K. Ilübe.