Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 4 (21.1.1862)
- Date
- 1862-01-21
- Page
- Seite 42 (sequence 6)
- Language
- German
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42 lose Waise, wird von ihrem Vater zu ihrer Tante, Frau Trieft gebracht? trat' unttr ihrer Aufsicht eine Bildungsanstalt, zu besuchen, „wp fie. zum jüdischen.Weibe in des Wortes edelster Bedeutung herangebildet und erzogen werden. foiDCtc'V. Frau Triest wird als Ideal weiblicher Vollkommenheit geschildert, „über.deren -.Denken und Handeln der^ Gottesgeist der Thora schassend und belebend schwebt". Bei einem Besuche^ den. die Schülerinnen. der Lehranstalt hei Frau Triest machen, wird von derselbe.n die Unterhaltung auf die Speisegesetze hingeleitet, welche „ein göttliches, Schutzmittel vor Entweihung des Körpers durch MeA, was, ihn abstumpfen, sittlich abschwächen, ja sittlich . e^uÜrästen , kann rc.^,, sein.: sollen, und mit begeisterten, tiefsinnigen Worten wies sie nun aus. die Wichtigkeit der Kenntmß des jüdischen Hauswesens hin, wovon die Zöglinge, .d^er Anstalt, die sich rühmten, „Tenach .übersetzen zu können",, so .wenig wußten, daß sie nicht einmal von einer „trefenen Gans//. einen Begriffe.hatten. Die Mädchen, erhaten, sich daher die Erlaubnis an den Freitagen abwechselnd, in. Mrer ,Küche zu sein, um.das Religionsgesehliche .durch Anschauung erlernen zu können. Die Resultate dieser Kücheoffenba^ung sind, in der Form „Rebecca s Aügebuch" in größter Vollständigkeit niedergelegt. Der, Vers, hat -Hier seinen schwungvollen Novellenstyl mit einer . Küchen spräche vertauscht und durchmustert in Küche und Keller Schränke und Tische, das '„milchding -, fleischding-und minig-Geschirr" und giebt höchst sinnige Anweisungen, von deren Befolgung, „die. Hoffnung unsrer Zukunft .abhängig, wie z. B. daß „Pas große Wassergefäß. aus. dem Hexde strengstens minig gehalten werden muß^; daß ein Küchentuch zum Abtrocknen der Hände an her Thür hangen muß; daß mau zum Rein machen der Gefäße sich, nur Soda-Wassers bedienen soll, und dergl ,. mehr. In diesem .Geiste wird der weibliche Beruf hei. Zubereitung der Speisen , bei Frühstück und Vesper, auf dem Gemüse-, Geflügel- und Fischmarkt dargestellt,, wobei noch der Vers, solche.Erschwerungen herbeigesucht, die, in der talmudischen Casuistik keine - Geltung, haben,, ja ihr , oft gerade widersprochen »ist. . Wir wollen der Curiosität^ wegen ohne. Auswahl einige Muster dieses. Fabrikats den Fachmännern zur Beurtheilung vorlegen. Bei Geflügel, heißt es im Tagebuch, muß Alles.,.genau besichtigt werden — Lol} bte äußere Haut , nicht blau oder. roch angelaufen, Magen und Knochen nicht durchlöchert sind ob die Galle nicht fehlt rc. — Die Beaufsichtigung hei Anfertigung, der. Küche erstreckt sich auch auf die Milch.— Jede Frau sollte vom Pohrschen so Wiel verstehen,. daß sie die Fleischstückedie gepohrscht werden müssen, kenne rc. — Das ftisch gehaltene Wasser soll (an Pesach), bevor man es in Gebrauch nimmt, durchseiht werden. ^: Es ist gut; wenn;bic Frau vor dem Reinigungsbad ihre natürlichen Verrichtungen haben kann. Doch genüg davon. Wir wollen diesen karrikirten Speise - und Küchegesetzen, die ein Müssiggänger in seiner Klause ausgeheckt hat, um das jüdische Leben recht mühsam und bitter zu machen, den Rücken kehren und uns wieder zu der holvseligen Rebecca wenden, die nunmehr, zu einer rosigen Jungfrau, herangereift, in ähr Vaterhaus zurückgekehrt ist;, wir finden sie hier mit „sichtlichem Interesse" von einem.jungen Manne, einem Hausfreunde ihres Vaters, sprechen — das obscöne Wort Liebe hat die orthodoxe Romantik aus gewichtigen Gründen, verpönt —, der sich auch dessen Gunst zu erfreuen hatte — und somit schließt auch diese Novelle mit einer obligaten Heirath. Im letzten Capitel sehen wir Rebecca an dem Abend vor ihrer Hochzeit an ihrem kleinen Arbeitstische sitzen, die schön gewölbte Denkerstirn aus. die Linke gestützt und eine Thräne perlte von Zeit zu Zeit aus . den schwarzen Augen. „Mein Herzenskind, was ist Dir. redete sie die eingetretene Frau Triest, an, „fühlst Du Dich unglücklich, heute unglücklich? " „Ich unglücklich?" antwortete Rebecca. „Wer könnte an der Seite eines Mannes, wie mein David, unglücklich sein? Nein, Mutter, nein! im Gegentheil, recht glücklich? Aber eben, weil ich es bin, möchte ich mein Glück mir sichern, möchte ich vor Gott dessen würdig werden, möchte ich das 'nb unp darauf drücken und alle heiligen Pflichten des jüdischen Weibes kennen, alle, um meinem innersten Drange, meinem religiösen Berufe zu genügen — und wie arm bin ich an dem Wissen dazu! — je näher die Stunde der Trauung rückt, desto beunruhigter; mir ist zu Müthe wie einem Wanderer ohne Führer in der Fremde." — „Das sollst'Dü nicht sein",' erwiderte Frau Triest. ' ,-Hier, mein Kind? bringe ich Dir eine vollständige' Ergänzung Deines Tagebuches.' Nimm und. lies ° Noch heute Abend daraus; denn schon mit dem morgigen' Abend beginnen Deine Frauenpflichten." — " : ' " ' ' J Diese Frauenpflichteu mb- 'n mit allen den Züthaten und dornigen Gehegenwie solche in jüdisch-deutschen großmütterlichen Tractätchen niedergelegt sind, 'sind hier als Anhang tit- 3Brtefforiti:Betgefögt? das jüdische Weib diese mosaisch begründeten Gesetze — ohne die rabbinischen hinzugesetzten Absurdidäten — kennen muß, wird kein Jude in Abrede stellen; ob solche aber nicht