Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 46 (12.11.1861)
- Date
- 1861-11-12
- Page
- Seite 665 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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m ligioir zuzuwenden, als der sie angehörm; über der moj ralische Zwang wird eingestanden. Dadurch hört die i Anstalt auf, ein Asyl zu sein im Geiste des edlen Stifters, der den Kindesmord, diese stehende Rubrik unserer Gerichtshöfe, aus der Reihe der Verbrechen drangen -wollte. (Kaiser Joseph war der Vorläufer der großen! Idee der Gleichstellung aller Bekenntnisse. Seine ganze Gesetzgebung weist darauf hin, und es heißt nur in. seinem Geiste handeln und sein Werk fortsetzen, wenn heute, wo jene Gleichstellung ein Postulat der allgemeinen Vernunft geworden ist, darauf gedrungen wird,; daß jene statutarischen Bestimmungen, von welchen in dem Sectionsberichte die Rede ist, einer Revision unterzogen werden. Wenn die Regierung, wie der Berichterstatter erzählt, auf die Aeußerungen der öffentlichen Meinung einen Werth legendmit einer solchen Revision sich beschäftigen will, so sei es geböten, daß der Gemeinderäch das Gewicht seiner Anschauungen in die ÄZagschale der öffentlichen Meinung lege. Bravo!) „Gemeinderach Borger erinnert an die Mortara- Geschichte Und findet, daß sie im Findelhause in Decimaltheilen täglich verkomme; die dort herrschenden Maßregeln sind grausame. Die Commission wünscht, daß man ihren Bericht zur b e fr i e d i g e n d e n Kennt- . niß nehme, er schlage vor, ihn zur h och st unbefriedigenden Kenntniß zu nehmen. Kurz vorher sei von - einer Mahnung, einem Gesuche an die Regierung die Redegewesen, hier sei die Gelegenheit geboten, die Regierung zu ermahnen, zu ersuchen, diesen Uebelständen aufs Schleunigste abzuhelfen. (Bravo!) - ,)Da Gemeinderath B er g e r keinen Antrag stellte, ft that dies Gemeinderach Schmund und beantragte ein Gesuch an das Ministerium, worin um Abhülfe der-.angeregten, .lsebelstande aufs Dringendste gebeten wird. Dieser Mtrag wurde fast einstimmig angenommen." r: .Der Wörtlaut dieses Antrages -ist nach der „Oe- . sterrerchischen . Zeitung" folgender:! i . „1. Es möge die im k. k. 'Findelhause bisher übliche Zwangstaufe israelitische^ Kinder abgeschafft werden. 2. Israelitische Mütter sollen in Zukunft nicht mehr gezwungen werden können , Ammendienste im ^Findelhause zu verrichten. 3. Soll, jene inhumane statutarische Bestimmung aufgehoben werden, nach welcher jüdischen Müttern der Aufenthaltsort und Name . der Kostgeberinnen ihrer getauften Kinder nicht bekannt gegeben werden dürfe. 4, Sollen die in dieftr Richtung! vom.GemMderathe gefaßten BeschMe an das <Staatsministerium geleitet, und diesem Hie Verwerfung dermst der Gegenwart nicht mehr im Einklänge stehenden .inhumanen Verfügungen empfohlen werden." Wien, 29. October. (Privatmitth.) Wie Ihnen.bekannt ist, wurde in dem hiesigen Gemeinderathe jüngst der Antrag gestellt, die Kirche von der Schule zu trennen und wurde dem Reichsrathe eine Petition in diesem Sinne übergeben. Zn diesem,Augenblicke, wo die ganze Strömung dahin.geht, die Kirche von.der Schule zu trennen, lassen sich in der hiesigen israelitischen Gemeinde einige Stimmen vernehmen, welche die Errichtung einer jüdischen Volksschule für wichschenswerth.erachten. Bekanntlich hat hie Regierung zur Zeit der Plüthe des Concordates die Errichtung einer jüdischen Volksschule gewünscht, die Gemeinde ging nicht darauf ein, weilman fürchtete, daß die jüdischen Kinder uns den .christlichen Schulen gewiesen werden möchten, und man wollte.Pas Stück Emancjpation nicht; aufgeben. Heute jedoch ist noch weniger der geeignete Mommt^.Me jüdWe'Vpffsschule .zu errichten. Herr Brunner und Conftrten wür- . den allerdings. Beifall klatschen, aber diesen Beiftll sollm wir uns nicht, erwerben. Allerdings, wünschenwir selbst die Errichtung .einer jüdischen Volks schule;. dH betrachten wir diese Frage als eine Zeitfrage.- Wenn nämlich, was wir von Herzen wünschen, in Oesterreich Simultanschulen errichtet ftin Wrden unp jepe..Confession dafür sorgen wird, daß uchch dpn Simüftänschu- . len auch confessionelle entstehen unphestchen,dann sollen, .dann werden.auchwie, hsestgen,JftaMen eine.jüdische Volksschule errichten. Der jetzige Moment ist. aber am. allerwenigsten zurReasisirung dieses.Wunsches geeignet, und stehet zu erwarten, daß diese verechzelstn Stimmen bald verhallen werden. Sie berichteten jüngst über den mittelalterlichen Gebrauch, der im hiesigen Gebärhause herrscht, daß die Kinder jüdischer Mütter zwangsweise getauft werden. Der Gemeinderath per Residenz hat an das Staatsministerium die'Bitte gerichtet, diesen Üebelstattd - aufzuheben. — Wie ich höre, hat der Vorstand der israelitischen 'Gemeinde ssür! diese Initiative dem Memrinderathe eine Dankadresse votirt. Es muß übrigens-bemerktwerden, daß im Jahre 1849 die zwangswekse Taufe nicht siattfand. Später wurde sie wieder,eingeftchrt. Die Ver- . treter machten dagegen-VorstMchgM-; doch .vergebens. — Hoffentlich wird jetzt die-Sache -endMtig geregelt. 46 * *