Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 46 (12.11.1861)
- Date
- 1861-11-12
- Page
- Seite 664 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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nämlich : daß seine Aeußerüngen (bei den Wahlen) über Gleichberechtigung der Confessionen in politischen und bürgerlichen Angelegenheiten getreu und richtig.aufgcfaßt, die ihm in dem confesstonellen Ausschuß zugemuthete Abstimmung aber iUngetreu und entstellt angeführt -worden; die öffentliche Verhandlung der Angelegenheiten werde , beweisen, daß er seinen. Grundsätzen auch in dieser Frage stets treu geblieben, und daß er die. Pflichten des Gewissens mit den Sorgen für. Das, wasdas öffentliche Wohl und die,Beachtung der Interessen aller Classen und Schichten der Gesellschaft erheischt, zir vereinigen bemüht gewesen. Solche Kundgebungen haben für uns nichts Ueberraschendes. Semmler und Paulus in Deutschland haben auf eine nicht lobenswerthe Weise gegen die Judenemancipation gesprochen und geschrieben, obgleich sie sich früher entschieden freisinnig und tolerant gerieten. Fr. Rüß war einer der liberalsten Geschichtschreiber, und stellte sich in seiner Historik auf die Höhe der Zeit. Als im Jahre 1815 die Gleichberechtigung, der Juden zur Sprache kam, war er einer per entschiedensten Gegner derselben , ja er bemühte sich, geschichtlich nachzuweisen, daß es ja den Juden an nichts fehle, die Emancipation gar nicht noth thue, den Christen aber Gefahr und Verderben brachte! (F. Rüß über die Ansprüche der Juden an das deutsche Bürgerrecht, Berlin 1816, S. 62.) Specieller gedenken wir des Heerführers des süddeutschen Liberalismus, Karl v. Rotteck, der in den Verhandlungen der badischen, Kammern vom Jahre 1831 und 1833 die Judenemancipation bestritt, offenbar ganz im Widerspruch mit seiner liberalen Doctrin und Vernunftrechtstheorie. Rotteck fühlte die Inkonsequenz seines Gebahrens, er erklärte daher in einer Anmerkung zu dem Artikel Emancipation der Juden im Staatslericon, daß er sich nicht zu den Gegnern derselben gerechnet wissen wollte. Diese Erklärung fand aber an mehreren im Gebiete der schönen Literatur und der Kritik derselben sehr namhaften Männern heftige Gegner, wie z. B. an G. Pfäzen und W. Menzel. Nichts Neues unter der Sonne! Dr. M. Duschak. ■ Niederösterreich, Ende October.. lPrivatmitth.) In No. 36. d. Bl. wurde nach der „Mediz. Wochenschrift" über die Zwangstaufe im Wiener Gebärhause berichtet. - Die Absicht. dieses Journals, durch Veröffentlichung dieser Facten die Aufmerksamkeit der betreffenden Behörden auf diese empörenden Mißbräuche zu lenken, ist nun vollkommen erreicht worden, indem der Wiener Gemeinderath in der am 22. October abgehaltenen Sitzung bereits diese Angelegenheit zum Gegenstände seiner Berathung .gemacht hat. Die Mittheilung dieser Interessanten Verhandlung dürfte, den geschätzten Lesern , d. Bl. nicht unangenehm sein. „Nach Erledigung noch mancher minder wichtiger Gegenstände", so lautet der diesfällige Bericht der „Ostdeutschen Post", „kam das Referat über den Antrag Göry's in der Findelhausfrage. — Der Medicinischen Wochenschrift gebührt das Verdienst, Uebelstände, welche in dem hiesigen Findelhause herrschen, an das Tageslicht gezogen zu haben. Es werden dort. Kinder jüdischer Mütter zwangsweise getauft, es werden jüdische Mütter zwangsweise als Ammen verwendet und man verheimlicht jüdischen Müttern den Aufenthalt ihrer getauften Kinder. Herr G ö r y brachte einen Antrag ein: der Gemeinderath möge dahin, wirken, daß diesen Uebelständen abgeholfen werde. „Gemeinderath Helm, als Referent der Sektion, welcher dieser Antrag zugewiesen war, hatte persönlich Erkundigungen eingezogen und diese fielen dahin aus, daß eineZwangötaufe nicht bestehe, sondern die Taufe sei nur Bedingung der Aufnahme des Kindes in das. Findelhaus; ferner komme eine zwangsweise Verwendung ..der Judenmütter als Ammen nicht vor; die Verheimlichung. des Aufenthaltes der getauften Kinder sei allerdings wahr, allein es gebe Nebenwege, auf welchen die Mütter den Aufenthalt ihrer Kinder erführen, und diese werden auch in den meisten Fällen betreten. Die Regierung werde, wie heute gerade in einer Zeitung zu lesen ist, diesem Uebelstände abhelfen, was der Gemeinderath zur befriedigenden Kenntniß nehmen möge. „Gemeinderath Kur and a findet in dem Bericht der Sektion das Geftändniß, daß in einer Anstalt, welche von dem reinsten Humanitären Geiste gestiftet wurde, Barbareien-stattfinden, und zwar größere, als die Versammlung wohl geahnt hat. Daß den jüdischen Müttern der Ort, wo ihre Kinder untergebracht wurden, verheimlicht wird, gesteht der Bericht selbst als-: eine-Unmenschlichkeit zu. Aber wenn man die andern Thatsachen damit beschönigt, daß den Müttern kein Zwang angethan wird, so heißt dies wohl nur, daß . sie nicht physisch gezwungen werden, das Kind einer andern Re-