Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 46 (12.11.1861)
- Date
- 1861-11-12
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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JW 46 SZ. Jahrgang. Allge m eine ^Zeitung -es Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Hhilippso« in Magdeburg. Leipzig, den 12. November 1861. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, in 1'/2 bis 2 Bogen. Preis deS Jahrgangs 3 Thlr. Halbjährig 1 Thlr. IS Ngr. Vierteljährig 22Ngr. Inserate werben mit 1 llz Ngr. für die Petit-Zeile oder deren Raum berechnet. Bcilagegebühren betragen für 1 Bogen 4 Thlr., für Vr Bogen 3 Thlr., für Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Häuptexpedition für beide Letztere hat sich das König!. Sachs. Haupt-Zeitungs - Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel r Die Wahlen in das preußische Abgeordnetenhaus. — Der Rabbiner und die Gemeinde. — Zerstreute Bemerkungen. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Dresden. Preust en:Landsberg a. d. Warthe. Oesterreichischer Kaiserstaat: Gapa, Niederösterreich, Wien, Wien, Pesth. Leitende Artikeln Magdeburg, 3. November. Die Wahlen in das preußische Abgeordnetenhaus. Wenn die bevorstehenden Wahlen uns Juden eben nur als Bürger des preußischen Staates berührten, so würden wir an diesem Orte über dieselben nichts zu sagen haben. Aber Jedermann weiß, daß die Judenfrage in Preußen noch nicht gelöst, daß die verfassungsmäßige Gleichberechtigung noch nicht erlangt ist. Es kommt also darauf an, nach dieser Lösung zu streben, und, da sie in Preußen nur mit sehr allmähligen Schritten zu erreichen ist, auch in der nächsten Session unsere gerechten Anforderungen zur Verhandlung zu bringen. Aber noch mehr. Wir haben unsere Sache auch vor Rückschritten zu wahren. Mit einem Siege der -Feudalen würden selbst unsere gewerblichen Verhältnisse großer Gefahr ausgesetzt sein. Mau hat einem Theile der Handwerker die christlichen Zünfte von 1662 verheißen, und dies besagt genug. Es ist daher unsere Pflicht, auch in unserem Blatte noch einmal darauf zurückzukommen. Die Situation ist gegen 1858 sehr verändert. Damals wehte ein frischer Hauch der Begeisterung für die „neue Aera" durch das ganze preußische Volk, und vor dieser entfloh die reactionäre Partei in ihre Schlupfwinkel. Die Masse der Schwankenden, deren es in einem politisch noch nicht sehr gebildeten Volke immer eine große Menge giebt, hielt zur liberalen Seite, die fich allerdings sehr gemäßigt kund gab, und die aus dem letzten Jahrzehend herübergekommenen reaktionären Beamten hielten sich ruhig, weil sie noch den Verlust ihrer Stellen fürchteten. Jetzt ist diese Begeisterung geschwunden; denn da das Herrenhaus seinen Widerstand ungeschädigt entwickeln konnte, ein Personenwechsel in den amtlichen Stellungen nicht stattfand, in das Ministerium Männer eintraten, deren liberale Principien durchaus nicht entschieden sind, und das Abgeordnetenhaus auf Zufriedenstellung der Minister bedacht war, so hatte die dreijährige Session sehr geringen Erfolg. Dadurch hat die feudale Partei ihr Haupt wieder hoch erhoben, sie entwickelt die größte Energie, sie hat jedenfalls einen bedeutenden Theil des Handwerkerstandes Hestiwmt, mindestens sich von den Wahlen entfernt zu halten, so wie überhaupt die Schwankenden wieder sehr nach rechts neigen. Ist dadurch auch die Parteistellung wieder eine