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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-11-05 · Heft 45 (5.11.1861) · p. Seite 649

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 45 (5.11.1861)
Date
1861-11-05
Page
Seite 649 (sequence 9)
Language
German
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649 mit Liebe zugewandten Blick auf eine- Anstalt lenke, die Ihre Aufmerksamkeit in hohem 'Grabe - verdient. Einem dringendentiefgefühlten Bedürfnisse ^entsprossen/ wurde die israelitisch e Elementarschule bei ihrem Entstehen (am 1. Februar i 859J' von frohem, hoffnungsvollem Zuttauen begrüßt, das sie unter der umsichtigen Leitung ihres strebsamen Dirigenten, des Dr. P. Joseph, durch Neue und gewissenhafte Erfassung und Lösung ihrer Aufgabe, so wie günstige Resultate, die sie bereits in mehreren öffentlichen Prüfungen dargelegt, glanzend rechtfertigte. Desto schmerzlicher ist dem Nahestehenden die Ueberzeugung, daß die Anstalt trotz ihrer segensreichen innern Gliederung und Entfaltung aller äußern Anhaltspunkte und Stützen entbehrt, die im Verein mit der innern Kraft einer Anstalt derselben eine wachsende Blüthe, eine segensreiche Existenz verheißen. Als eine seltene Gunst hat eine Privatanstalt, die nur auf ihre eigene Kraft gestützt, hinaus in das Gebiet der Oeffentlichkeit tritt, es zu preisen, wenn sie ungestört durch Zufälligkeit und Hindernisse das Ziel naturgemäßer Gliederung und Entwickelung ruhig verfolgen kann. Wie viele Geistesschöpfüngen, die von frischer, schöpferischer Thatkrast erzeugt und getragen und mit voller, innerer Kraft Mit allen Bedingungen einer langen, segensreichen Existenz ausgerüstet, sind an dem Mangel "jener äußern stützen gescheitert, die der innern Kraft Halt und Festigkeit verleihen und ein Ungetrübtes Streben und Wirken begünstigen. Auch die hiesige israelitische Elementarschule entbehrt inmitten einer intelligenten und mit Glücksgütern reich gesegneten Gemeinde dieser äußern Bedingungen einer segensreichen Entwickelung, und vermag nur durch die außerordentliche Anstrengung ihrer innern Kraft die dornenreiche Bahn ihrer Entfaltung ruhig und ungestört zu verfolgen und deM angestrebten Ziele ideeller Gestaltung. langsam entgegenzugehen. Möge die Gemeinde in der Metropole schlesischer Bildung in richtiger Erkenntniß und Würdigung ihrer vielgestaltigen Aufgabe der Anstalt/ die durch ihr-fast dreijähriges Bestehen und durch treffliche Resultate ihre Lebensfähigkeit glänzend bekundet, die fördernde Theilnahme und Aufmerksamkeit zuwenden, die sie in hohem Grade verdient! Oesterreichlscher Kaiserstaat. Pesth, 23. October. (Privatmitth.) Um Ihnen die hiesige Situation nach allen Richtungen hin klar zu/machen, sende ich- Ihnen anbei einen Artikel des „Pesther Lloyd" vom 28. September, den ich bis jetzt in Ihrem Blatte vermißtet — „Lassen Sie mich auf die am verflossenen Mittwoch Nachmittags fortgesetzte ordentliche P l e n ar - sitzung des Pesther Stadtmagistrats, in welcher unter Anderem auch der Bericht des Herrn Magistratsrarhs Alksr über den von den hiesigen israelitischen Schuhmachern gegründeten V er ei n zur Verhandlung gelangte, zurückkommen, indem der an und für sich unbedeutend scheinende Gegenstand durch die" Natur'der Sache zu einer Principienfra g e erhoben wurde. Zunächst war der Stadt - Jurisdiction durch den zur Sprache gebrachten Gegenstand zum ersten Male die Gelegenheit geboten, ernstlich bedauern zu müssen, daß seinerzeit die Repräsentanz einem wesentlichen Attribute des Zeitgeistes, der Gewerbe frei heit, nicht huldigen zu müffen glaubte, und zu einem, den Bedürfnissen und Anforderungen einer Großcommune widersprechenden Zunftgesetze gegriffen hat. Jener, wohl noch einer Aufklärung bedürftige Schritt der Stadtrepräsentanz hat am allerwenigsten vor JhreM Blatte Gnade gefunden, und wenn ich in der am Mittwoch Nachmittag gehaltenen Plenarversammlung unseres' Stadtmagisttats den kurzen Moment, in welchem über diesen Gegenstand gesprochen wurde, richtig zu beurtheilen im Stande bin, so darf ich behaupten, daß im Rathskörper der Stadt kein Vertheidiger des Klauzäl'schen Zunstgesetzes sitzt. Jndeß Thatsachen haben eine unerbittliche Logik, und mit richtigem Takte brach unser würdiger Oberbürg ermeister, Herr R o t t e n b i l l e r, in der gedachten Sitzung der Debatte die Spitze ab, welche zu beginnen drohte, indem ein hervorragendes Mitglied des städtischen Rathskörpers darauf hinwies,' wie aus jener unheilvollen Annahme des Zunftgesetzes dem Magistrate die größten Schwierigkeiten erwachsen werden. „Nachdem ich dieses jedenfalls charakteristische Moment hervorgehoben,' erlauben Sie Mir nun von der Sache selbst zu sprechen. Es erscheint überflüssig, des intoleranten Geistes zu erwähnen, welcher in mehreren Zünften unserer Stadt herrscht. Aeußert sich dieser Geist selbst in sehr vielen Fallen bei der Aufnahme von christlichen Meisterrechtsbewerbem, so findet er seinen höchsten Ausdrück in jenen Fällen, wo es sich darum handelt, einen i srae l it i sche n Bewerber in die ehrenwerthe Zunft aufzünehmen: So im vorlie- 45

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