Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1861)
- Date
- 1861-10-22
- Page
- Seite 616 (sequence 4)
- Language
- German
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6 m oben 'erwähnten^ 'Clauseln betrafenbesonders Schule und - „Neuschul". — Die Schule ist* eine Alles mehr als das 'Judenthum vertretende-Gemeindeschule,, und die' „Neuschul" ist eine vom Vorstandbesonders lcgalisirte und protegirte „Altschul". In Betreff erste^- rer müsse der Rabbiner ganz mundtodt gemacht werden; selbst einen Wunsch an den Gemeindevorstand dürfe, erin dieser Beziehung nicht äußern — so verlangte es die „Freiheit". — In Betreff letzterer möchte der Vorstand allein den Ruhm der'Toleranz haben und den Rabbiner daran nicht, auch im mindesten, sich betheiligen lassen. Dieser ist Rabbiner der „Hauptsynagoge"--also ein Parteimann, er aber ist Vorstand der Gemeinde, also über die Parteien, erhaben — und zum Beweise--seiner Unparteilichkeit besuchen gewiß 5/« seiner Mitglieder - gar keine Synagoge! — Eben so unparteiisch ist die Gemeindeschule! Zum Beweise , daß--sie keiner Partei angehöre. — besuchen — horribile!Oberlehrer und Religionslehrer ke inen Sabbath die. Synagoge.Das neue Gebetbuch, welches doch nurrin der Jugend, sich eine Zukunft gewinnen kann, ist in der Schule nichteingeführt, und wird dort nach wie vor die Rödelheimer Tefilla benutzt — obgleich die Majorität jener famosen Commission, welche ohne .St.'s Mitwissen sieben Monate lang seine, liturgischen Vorlagen kritisirte und amendirte, aus Lehrern' der Schule bestand! — Und hier liegt des Pudels Kern! Vorstand und Schule wollen G e m e i n d e- Vorstand, Gemeinde-Schule sein, und dieses durch ihre Farblosigkeit und religiöse Verblaßtheit beweisen, der Rabbiner aber, der etwas Bestimmtes will und mit Wärme vertrittder soll der Partei-Rabbiner - sein \ — Mit Nichten, meine Herren!, — Der Rabbiner ist. eben, so gut Gemeinde-Rabbiner, wie Ihr Gemeinde-Vorstand und Gemeinde-Schule seid — sie Alle müssenden orthodoren Bestandcheilen der Gemeinde Rechnung tragen und die. Freiheit der Gewissen wahren. Keiner von ihnen hat ein Recht, noch dazu zur Beschönigung seiner Apathie, sich als den über die Parteien Erhabenen zu geriren,. am wenigsten die. Factoren -von Vorstand und Schule ig Frankfurt, welche die Rechnung des religiösen Lebens fast zu einem Facit von Null herabgebracht haben. — ' ' : Dazu kommt noch ein anderer, sehr wichtiger Punkt, worin die Ansichten differiren. Stein ignorirt die Hirsch'- sche Association nicht und daß man sich mit ihr ausgleichen sollte, etwa in der Art, wie die- Din ge in Breslau sehr -gut geordnet sind, hat er und wird er stets vertreten. Z w ei große Parteien sollten immer hier sein, und beide könnten und würden prosperiren. Die Zersplitterung ist unser Unheil. Nun macht der Vorstand den Hirschianern durch die „Neuschul" Concurrenz. Hier wird nämlich der alte Schlendrian von Gemeindewegen aufrecht erhalten. Allein der Vorstand macht in Wahrheit dadurch nicht der Hirsch'schen Synagoge, sondern der Hauptsynagoge Concurrenz. Er hat für den alten Gottesdienst den „Andachtsfaal" renoviren und sehr fchön Herrichten lassen, und eine große Anzahl aufgeklärter Gemeindemitglieder — eben die überhaupt noch „Schulen gehen" — besucht den Andachtssaal — weil dort nicht gepredigt wird, und man also eher „fertig" ist. Woher also sollen der Hauptjynagoge die Besucher kommenwenn weder Vorstand noch Lehrstand sie besuchen? — - ja, gewiß! dieselbe noch jeden Samstag vom - V o r stand — leer stand, trotz der 18 Plätze, welche für. die. Herren frei geblieben sind, jeden Samstag' ausrufend: „Siehe, o Gemeinde! hier - sichest Du Viele,- die nicht da -sind!" und noch obendrein der eigene Vorstand der Gemeinde-Synagoge Concurrenz macht und Abzugscanäle aufmauern läßt? — In letzter Zeit hat Herr Dr. Schwarzschild den obigen Vorschlag zur Vorlage beim Vorstände übernommen; allein nach dem, was ich Ihnen oben mitgetheilt, fällt er gewiß auch durch, und es bleibt dann keine Hoffnung, den Vorstand zur-Einsicht, zu bringenals daß kein respectabler Mann die hiesige Stelle an nehme. Dies zu.bewirken, scheint mir eine Pflicht und Aufgabe der jüdischenPresse zu sein , den Rabbinern über das wahre Sachverhältniß die Augen zu. öffnen. . Schließlich -habe ich noch zu bemerken, daß der Vorstand eine Commission zur Wiederbesetzung des Rabbinats ernannt, deren Majorität aus Männern besteht, die nie eine Synagoge besuchen; dazu gehören die heftigsten Gegner Steins, im Vorstände.; Aus der Provinz Hanau, im October. Die „Reue Frankfurter Zeitung" enthält folgenden Artikel: (Ein Stück kurhessisch er,«Zei tg e s ch.i.ch t e.) Kurheffen beschäftigt schon geraume Zeit die staatsrechtlichen und unrechtlichen Gemüther der politischen Kreise. Es wird Ihnen demnach^ die Mittheilung eines officiellen Erlasses von allgemeiner Bedeutung aus den letzten Tagen nicht unwillkommen sein.> Die kurhessische Bevölkerung theilt sich, bekanntlich! in Unirte, Nichtunirte und