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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-10-08 · Heft 41 (8.10.1861) · p. Seite 593

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 41 (8.10.1861)
Date
1861-10-08
Page
Seite 593 (sequence 9)
Language
German
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593 Selbsterhaltungspflicht gezwungen, — hat von Jordanow aus, von Brünn aus, von Wien aus, von Moor aus, von Baja aus bei der Wadowitzer ft k. Kreisbehörde, bei dem Krakauer k. k. Gubernium und bei dem hohen k. k. Ministerium denselben Regierungsbeamten des Mißbrauches der Amtsgewalt angeklagt, ohne der Verleumdung beschuldigt zu werden. Die unlautere Absicht pflichtvergessener Regierungsbeamten ist es, der die Lückenhaft igkeit des Civitregisters ein Bedürfniß ist, welches nur mit der häufigen Entfernung des Rabbiners von seinem Posten am sichersten befriedigt wird. Nicht „die fanatischen Chassidim und die indifferenten Aufgeklärten" — wie Sie, Herr Doctor, es auffaffen — sind die Rabbiner-Verfolger in Galizien, sondern die pflichtvergessenen Regierungsbeamten sind eS, 'die zum Nachtheile der hohen Regierung und zum Nachtheile der Judenschaft eine immerwährende Rabbiner-Verfolgung in Galizien unterhalten. Sie/' Herr Doctor, führen „einige Beispiele" für den „guten Willen" der Regierung an; dabei vergessen Sie aber, daß im Großen und Ganzen jeder Rabbiner-Anstellungsact in Galizien nur ein Komödien-- spiel sein kann, wenn trotz des bestehenden Gesetzes und dem „guten Willen der Regierung" zu Trotz die galizischen Kreisrabbinate in einem immerwährenden Besetzen begriffen sind. Immerwährend sind die Rabbinerstellen in den Amtszeitungen ausgeschrieben^ selten sind in Galizien gleichzeitig auch nur drei Kreisrabbinate gehörig besetzt und niemals fehlt es aN Klagendie entweder gegen den Rabbiner, oder von demselben bei den Behörden geführt werden. In Galizien unterliegen die Rabbiner aller Richtungen doch nur e in e m Schicksale, und zwar dem der Verdrängung. Alle Rabbiner — von dem promovirten Doctor der Philosophie bis zu dem genialen Schelomo Laib Rapoport (vormals Kreisrabbiner in Tarnopol), von dem alltäglichen Talmudisten bis zu dem tief-und scharfsinnigen Hersch Chajes, von einem bescheidenen chassidäischen RebNuchem Aaren bis zu dem eben chassidäifchen berühmten Reb Hirsch Kadelburg — alle Rabbiner in Galizien hatten nur ein Schicksal, das der. Verdrängung erlitten. Also nicht die Richtung ist es, sondern dic Stellung des Rabbiners als Matrikelführer, die zu seiner Verdrängung Anlaß giebt.- Daher ist eS die erste Bedingung, um-/,den ewigen Strei- > tigkeiten ein Ende zu machen", daß der Rabbiner von } der Pflicht, die Matrikel (Civilliste) zü 'führen, gesetzlich j entbunden werde: I Als Nebenbemerkung will ich erwähnen, daß die J Chassidim und die Indifferenten, welche als Verfolger; auftreten, nur als Helfershelfer bei den Verfolgungen - thätig sind, was allerdings ein Erg ebniß der von den - pflichtvergessenen Regierungsbeamten ausgehenden Cor- - ruption, aber keineswegs ein Ergebniß des Chassidäis-! mus oder Jndiffirentismus ist. Chassidäismus und Jn- - differentismus werden blos vorgeschützt, um die unlau- - tere Absicht, den Eigennutz, zu verhüllen. Das Prolej tariat, die Freiwilligen, werden als Avantgarde vorge- \ schoben; die Hauptanführer halten sich imHauptquartier unsichtbar zurück. ' Diesen Vorschlag, den Rabbiner von der Matrikelj führUng gesetzlich zu entbinden, würde ich Mit Vermei-? düng aller Dessentlichkeit der Regierung unterbreitet ha-; ben, wenn es nicht gälte, gleichzeitig jene Schuld, die! Sie- Herr Doctor/ in Ihrem Schmerzensrufe auf die Juden geworfen haben, von denselben abzuwälzen. Und i ist nun an Sie, Herr Doctor, dieses Sendschreiben adresstrt: so steht zu erwarten, daß Sie den Inhalt desselben entweder gründlich widerlegen, oder gründlich bestätigen werdenzumal es gilt, durch Auffindung der richtigen * Ursache dem Uebel abzuhelfen, damit dem Rabbiner die Möglichkeit geböten werde, der Synagoge und dem; Staate gottgefällig zu nützen. Rabbiner E. I. Blücher. Donaufürstenthümer. > Bis jetzt hat die französische Presse unseren Wün- I scheu/ den grausamen Act der Intoleranz des wallachi- schm Ministers in der Vertreibung der Juden vom fla-! chen Lande nachdrücklich zur Spräche zu bringen, nicht entsprochen. Derläßt sich hierüber folgender-!maßen aus: " ];n „Indem wir vor einigen Tagen die Acte der Jn- - toleranz verzeichneten , die in der Wällachei gegen die! unglücklichen Indem begangen-sind, "hofften wir, daß -die demokratische Presse in Frankreich mitten unter den! Gegenständen / die 'augenblicklich ihr Interesse ln Anspruch nehmen, die Gelegenheit finden würde, ein Wort zu Gunsten einer durch einen heuchlerischen Liberälis-; mus verfolgten Race zu sagen , aber unser Aufruf ist? ohne Echo geblieben. Ach! es handelte sich nicht darum, , 41

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