Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 41 (8.10.1861)
- Date
- 1861-10-08
- Page
- Seite 587 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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587 richt, daß der Kaiser von uns eine schlechte Meinung gefaßt habe, trotzdem daß er vor Kurzem durch den General-Gouverneur einen öffentlichen Dank den Juden Litthauens sagen ließ. Mein Gott, was soll aus uns werden, wenn wir von beiden Seiten verfolgt werden, wohin sollten wir unsere Zuflucht nehmen?! Sollten wir durch das Benehmen der polnischen Juden diese Ungunst verdient haben? wie könnte sonst der Titel „Majaieschniki“ (Empörer, Rebellen) auf uns angewendet werden? Ja, das alte Nom "!N8 WKrt rc. bewährt sich jetzt bei uns in allen Beziehungen. Das Weitere werde ich Ihnen berichten. Der preußische Handwerkerstand. Die Frechheit und die heuchlerische Anmaßung, mit welcher eine Handvoll Handwerker zu Berlin, um mit den Feudalen zu liebäugeln, sich als die Vertreter des ganzen preußischen Handwerkerstandes gerirten, Alles, was nicht feudal und zünftzöpfig ist, als Liberalismus verdammten, den wohlfeilsten Judenhaß zur Schau trugen, konnte und kann nicht ohne weitere Folgen bleiben. Auch auf dem Boden des Handwerks muß noch einmal der Kampf zwischen dem schwindsüchtigen Mittelalter und dem männlich gekräftigten modernen Staate mit seinen großen Rechtsgrundsätzen durchgekämpft werden. Er wird nicht lange dauern. In Berlin selbst hat er bereits eine große Niederlage erlitten. Die Urheber jenes Bundes mit den Feudalen desavouiren diesen bereits selbst und beklagen ihre eigene Erklärung. Wir geben hierüber folgende ausführliche Mittheilung. Vorgestern Abend fand eine Versammlung von Altmeistern und Jnnungsvorftanden im Mehlhause statt, behufs Erlassung einer „Gegenerklärung" gegen die „nothgedrungene Erklärung", welche von 7 hiesigen Gewerksmeistcrn, die sich „Vorstand des Vereins der Berliner Jnnungsvorstände" nennen, Mitte dieses Monats erlassen worden ist und die an alle Theilnehmer der conservativen Generalversammlung vom 20. d. M. als Zeugniß der geschlossenen Allianz vertheilt worden ist. Die Versammlung war von dem Altmeister des Bäckergewerks, A. Krebs, berufen worden, ihm standen zur Seite der Altmeister des Schuhmachergewerks, Oswald, der Altmeister des Tischlergewerks, Schümann, und die weiteren Altmeister des Bäckergewerks, Fiedler und Mertens. In der Versammlung — so berichtet die „Nat.- Ztg." —waren auch die Unterzeichner der „nothgedrungenen Erklärung", Wohlgemuth, Panse rc. mit einigen Anhängern, darunter Kaffka, erschienen. Krebs deutete in kurzer Eröffnungsrede den Zweck der Versammlung an und wurde danach demselben die weitere Leitung der Verhandlung übertragen.. Zunächst versuchte Wohlgemuth eine Rechtfertigung der „nothgedrungenen Erklärung", welche nicht gegen den Handwerkerstand, sondern gegen die liberale Presse, .die nur von Juden inspirirt werde, gerichtet sei. Man möge dieselbe daher auch nur in diesem Sinne aufnehmen, wenn dieselbe vielleicht auch nicht den Ansichten nach allen Seiten hin Rechnung trage. Oswald findet diese Erklärung nach keiner Seite hin genügend und bestreitet, daß die 7 Unterzeichner der nothgedrungenen Erklärung einen Auftrag gehabt, die von ihnen beliebte Politik zu treiben. In scharfer Weise die Angriffe auf Gewerbefreiheit und gegen Juden zurückweisend, wie sie Kaffka in der Versammlung der feudalen Partei am 20. d. M. vorgebracht, stellt er schließlich einige Anträge, auf welche wir später zurückkommen. Nachdem auch Paetzel eine Erklärung über den Erlaß der „nothgedrungenen Erklärung" gewünscht, giebt Panse eine solche, indem er dabei die Berechtigung zum Erlasse derselben darzuthun suchte. Nichts liege den Unterzeichnern ferner, wie Politik zu treiben, aber ihre gewerblichen Bestrebungen seien zu politischen gemacht; er selbst habe immer das Blatt, welches Organ des Handwerkertages sich nennt (das „Preuß. Volksblatt"), desavouirt. Alle Politik laufe zuletzt auf Erwerbung des Brotes hinaus. Wenn die Erklärung so scharf gerathen sei, so bitte er deshalb um Entschuldigung, sie habe nicht anders sein können. In dem engern Comita seien alle politischen Richtungen vertreten, Einzelne, die gegen den Erlaß gewesen, haben sich der Majorität gefügt. Schließlich erklärt er seine Sympathien für die Juden, ein ehrlicher Jude sei ihm lieber, wie ein spitzbübischer Christ, und bestreitet, einen Pact mit der feudalen Partei geschlossen zu haben, was er aus den stenographischen Berichten über die Versammlung der feudalen Partei am 20. d. M. beweisen will. Auch Kaffka sucht sich wegen seiner in dieser Versammlung gemachten Aeußerungen und namentlich wegen des Ausdrucks: „G.cwerbefreiheit sei ein Kind der rochen Republik", zu rechtfertigen, erklärt sich gleichfalls für einen Freund der Juden und daß der von ihm in Bezug darauf gebrauchte Ausdruck ein ungerechtfertigter gewesen. L ö w e n t h a l erklärt, er stehe auf dem 41*