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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-09-10 · Heft 37 (10.9.1861) · p. Seite 528

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 37 (10.9.1861)
Date
1861-09-10
Page
Seite 528 (sequence 2)
Language
German
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samkeit ist in solchem Maße der protestantischen Kirche nicht zu vindiciren, wie . dies auch in ihrem Ursprung und ihrer geschichtlichen'Entnickelung begründet isegt. , Was hingegen' hie bürgerliche WlekchberechtigÜng der^ Juden, oder gar die Gleichstellung des jüdischen Cultus betrifft, so steht die protestantische Kirche mit der katholischen auf gleicher Linie. Allerdings ist bekanntlich die Protestantische'Kirche in ihrer Dyctrin durchaus' keiye abgeschlossenes ^vollständig' tradirte, festzegliederte; die Geltung der Autorität ist in ihr eine sehr schwankende, und es könnte daher sehr wohl die unbedingte Toleranz chqn einer Partei dieser Kirche alel mit ihr völlig übereinstimmend deducirt werden; auch gab es schon protestantische Geistliche genug — nennen wir vor Allen' Herder — welche der Gleichberechtigung, der Juden, -das Wort gesprochen , wie es deren ja' auch einige unter den katholischen gegeben. Vielmehr kommt es. hier auf den allgemeinen Geist der. Kirche und die Ansichten der Majorität ihrer Diener, die von jenem unmittelbar inspirirt werden, an. Und da kann Zwiefaches -nicht fraglich sein, erstens, daßdie Kirche die Ausschließung der Juden vom Staats¬ und städtischen Dienste, von aller Betheiligung am öffentlichen Leben, insbesondere von passivem und aetivem Wahlrecht befürwortet, ^und* nur bedingungsweise die Zulassung in die Innungen gestattet; zweitens, - daß sie die Prosclytenmacherei als'ihr Recht und ihre Pflicht ansieht. Wir brauchen hierfür keine Beweise zu bringen, es sind lediglich Thatsachen. Die Erfindung gerade der protestantischen Kirche ist der „christliche Staat", der in der ganzen Unbestimmtheit, seines Begriffs nichts Positives als die Ausschließung der Juden hat. Die katholische Kirche will den Staat sich untergeordnetseine Gesetzgebung dem kanonischen Rechte accommodirt wissen — dies ist concret und faßbar. Die protestantische Kirche will die Identität des Staates und der Kirche, die sie „christlichen Staat" nennt — und dies ist eine Fiction, da die protestantische Kirche ihrer Natur nach gar nichts Weltliches enthält. Daher die-Erscheinung, daß die Staaten,, deren Bevölkerung vor--' zugsweise protestantisch ist, auf dem Wege der Emancipation der Juden von denprotestantischen Geistlichen und deren Partei stets viele.Hindernisse erfuhren, während am Ende die Kirche selbst gar nicht -davon.-berührt wird, was hinsichtlich der katholischen Kirche allerdings ganz bestimmt der Fall ist. Was aber so der protestantischen Kirche auf der einen Seite fehlt, das ersetzte sie auf der andern, und während die katholische ihre Propaganda zumeist nach den Ländern der Heiden und Muhamedaner, oder gegen, den Protestantismus selbst wandte, hat es die protestantische vorzugsweise Mit der Proselytenmacherei unter denPüden zu Jpn *"Sle hat diese^aus alle mögliche Welse versucht: aufHeM Wege der ^ekehrünff, auf dem sie einen höchst geringen Erfolg gehabt;' auf dem der Bestechung durch Belohnung an Geld, Förderungen und Unterstützungen, wo sie allerdings einen größeren, vielfach jedoch nur zweideutigen Erfolg erlangM endlich'duMMralischen Zwang, indem der Staat eine Reihe von Carriören den Juden auf dem Wege des Gesetzes oder der Verwaltung' verschloß, wohl auch, auf ächt macchiavellistische Weise, gewisse Laufbahnen den Juden öffnete, nach einigen Jahren aber wieder absprach, so daß d ie Jünglinge, die sich unterdcß solchen gewidmet hatten, in die grausamste Versuchung gebracht wurden. Beispiele hiervon liegen uns noch ganz nähe, ja reichen noch in die Gegenwart hinein. Die letztere Art von Praktiken ist uns Seitens der katholischen Kirche nicht bekannt. Nachdem dies Alles aber im Großen und Ganzen nichts gefruchtet und zuletzt immer nur eine Anzahl 'trockener Blätter von dem lebensfrischen und kräftigen Stamme abgeschüttclt hat, fängt man es jetzt auf eine neue Weise an. Die ungeheuren Geldopftr der Missionsgesellschaften, insonders der englischen, die List und der staatliche Zwang richteten der Energie des Ju- -denthumes gegenüber nichts aus; selbst auch, worauf viele Staatsmänner hofften, daß die bürgerliche Gleichstellung und eine gewisse sociale Verschmelzung die Juden so gleichgültig gegen ihre Religion machen würde, daß ihnen der Religionswechsel eine Kleinigkeit wäre, erwies sich -als eine falsche. Wohlan, so versuche man es einmal mit Freundschaft und Schmeichelei! Man tritt zu den Juden mir der süßesten Liebenswürdigkeit, erklärt sie für das auserwähtte Volk. Gottes, für die Nation, welche dereinst an der Spitze aller Nationen stehen und von Jerusalem aus, alle leiten und beherrschen solle — um ihnen als nothwendige Bedingung allmählig den Glauben an die Göttlichkeit des Stifters des Christenthums, an die Dreieinigkeit, die Erbsünde, die Erlösung u. ff. w. zu insinuiren,. mit einem ■; Worte, man taucht den Abfall vom einigen Gotte in den Honig der pietisiischen Salbadetei, und glaubt damit die Juden, zu fangen. Wie viele Phrasen, wie viele Liebkosungen, Versicherungen von Bruderliebe, von'Bewunderung des jüdischen Martyriums läßt man auf die Juden los, die solchen ihnen noch nie gespendeten Worten gespannt lauschen; man will sich mit ihnen vereinigen zur' Bekämpfung der . Unduldsamkeit, sie sind außer sich über ' die Mortarageschichte — aber man wird ihnen doch ha-

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