Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1861)
- Date
- 1861-08-27
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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25. Jahrgang. Al lg em e ine (35R JW 35. « Ein ««parteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Magdeburg. Leipzig, den 27. August 1861. Dies« Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, in l'/r bis 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 3 Thlr.- Halbjährig 1 Thlr. 15 Ngr. Vierteljährig 22'/r Ngr. . Inserate werden mit l'/r Ngr. für die Petit-Zeile oder deren Raum berechnet. Beilagegebühren betragen für 1 Bogen 4 Thlr., für Vr Bogen 3 Thlr., für '/« Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen, Postämter urfb ZeitungS - Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptexpedition für beide Letztere hat sich das König!. Sachs. Haupt. ZeitungS - Bureau hier unterzogen. Inh alt. Leitende Artikel: Die preußischen Juden in der Provinz Posen. — Zuständigkeit der Rabbinen zu Gutachten in weltlichen oder Staatszwecken. — Schulangelegenheiten. — Aufforderung an die Israeliten Ungarns. : Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Heidelberg, Stuttgart. Preußen: Magdeburg, Schwerin aW., von der Oder. Oesterreichischer Kaiserstaat: Oswiecim. Rußland: Thorn. Frankreich: Paris. Leitende Artikel. Magdeburg, 26. August. Die preußischen Juden in der Provinz Posen. In Meseritz erscheint ein Wochenblatt unter dem Titel: „Die Glocke von der Obra". Die Nummer 29. d. I. enthält unter der obigen Ueberschrist einen so vortrefflichen Artikel, der . zugleich seine Anwendung nicht blos auf die Juden der Provinz Posen, sondern in allen deutschen Gauen und auch darüber hinaus findet, daß eine weitere Verbreitung auch unsererseits angemessen erscheint, um so mehr, als jener Artikel aus einer christlichen Feder geflossen ist. Unter den mannigfachen Widersprüchen, welche unsere moderne Zeit aufzuweisen hat, nimmt die Judenfrage einen sehr bedeutenden Platz ein. Für das deutsche Vaterland besonders, wo jetzt so viele innere Schäden ans Licht gezogen werden, die eine Pseudo-Staatskunst so lange trügerisch -zu verdecken wußte, verdient diese Frage aufmerksame Beachtung. Die Stellung der Juden ist hier noch immer eine solche, die dem Fortschritte unserer allgemeinen Gesittung und dem Gerechtigkeitssinne der deutschen Natur nicht zur Ehre gereicht. Man darf sich darüber keine Illusionen machen. .Wenn auch das „Hep! Hep!" seine rohen Consequenzen verloren hat, wenn auch die Barrieren gefallen sind, welche die Juden sorgfältig in ihren Ghettos verschlossen hielten: gicbt eS doch noch Schranken genug für dieses Volk, welche dem Einflüsse der modernen Bildung Widerstand zu leisten scheinen, Schranken, die vor Jahrhunderten ein blöder Wahn aufrichtete, deren starres Hereinragen in unsere neue Zeit dem späteren Geschichtschreiber ein sonderbares Räthsel sein wird. > Zur Zeit Lessings und Herders, in der sogenannten Aufklärungsperiode, brachte «ran den Juden versöhnende Toleranz entgegen. Humanität und Weltbürgerthum athmete in der Bildung jener Zeit, mit deren Gange das Judcnthum vollkommen sympath^Wte. Eine spätere Periode stellte sich wieder mehr auf den historischen Boden;, es galt die Vertiefung der Gegensätze im Volksleben — die Toleranz wurde für fade, die Aufklärung für platt und seicht erklärt. Die Sympathien zwischen Juden und Christen kühlten sich ab. Und heute? — In der Theorie ist der heutige Liberalismus von der höchsten Toleranz gegen das Judenthum beseelt. Wir verlangen ihre Gleichberechtigung mit den christlichen Mitbürgern nach allen Seiten hin; wir bedauern es, daß unsere Regierungen