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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-08-20 · Heft 34 (20.8.1861) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 34 (20.8.1861)
Date
1861-08-20
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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gewöhnt waren, ist es daher begreiflich, daß nicht nur andere gottesdienstliche Einrichtungen, sondern auch der Gesang, die Antiphonen, Collecten, Responsorien u. s. w. in die nachherige christliche Kirche übergegangen seien. Gehen wir nun einen Schritt zurück, dürfte es gar nicht unwahrscheinlich sein, daß die Tempelgesänge griechischen Ursprungs waren und da die christlich-kathol. Gesänge, wenigstens ein Theil davon, in den alten griechischen Tonarten sich bewegen, ist die Annahme des Herrn W. sehr beachtenswerth, wenn er einen Theil unserer Gesänge, wie sie uns die Synagoge aufbewahrt hat, in die griechischen Systeme verweist. Gehen wir nun auf das Werk des Herrn W. über, so müssen wir gestehen, daß dasselbe jedem Musiker ein großes Interesse abgewinnen müsse, abgesehen davon, daß es für jüdische Cantoren von großer Wichtigkeit ist, da die darin enthaltenen Recitative und Gesänge zum Herzen sprechend und andachterregend sind, und verschmäht es nicht unser berühmter Sulzer in Wien das Recitativ „al ken n’kawe l’cho“ in dem 3ten Theil des W'schen Werkes sich befindend, an den hohen Feiertagen vorzutragen,- wie überhaupt uiiser berühmter College alles Alte, aus der Synagoge uns Ueberkommene, mit einem ungeheuren Interesse .sammelt und bearbeitet, und der Beibehaltung der alten Melodien stets das Wort geredet hat. Und auch wir schließen uns dieser Meinung an. Wir wollen keine langweiligen Choräle in die Synagoge verpflanzen, wenn wir auch die Choräle, wie sie Bach, Mendelssohn und andere Meister behandelt haben, mit Verehrung und Hochachtung bewundern. Wir wollen das, was ins Mark und Fleisch des Juden geht, was das jüdische Herz anheimelt und ihn an vergangene Zeiten erinnert; und in der That, es liegt in den alten Synagogenmelodien ein Stück altes Judenthum, wie es gelebt und gelitten und wie es bald in melancholischer, bald in ftoher erhebender Begeisterung mit seinem Gott im Herzen, Lieder an den Höchsten anstimmte. Wir werden nicht unterlassen, der Beibehaltung der alten Melodien, wie sie uns Sulzer, Weintraub und wir deren selbst schon Viele bearbeitet haben, das Wort zu reden; wir werden aber auch nicht unterlassen, unsere musikalischen Kräfte der Förderung und Veredlung des jüdischen Gottesdienstes zu widmen, und wenn jeder Betheiligte sein Scherflein dazu beitragen wird, wird aus der Synagoge sich der Synagogengesang herausbilden und als ein selbstständiges charakteristisches Ganze wirken, erhebend und stärkend für Gemüth und Herz. M. Weintraub. Folgende Kritik ist von Herrn Musikdirector Louis Köhler in dem „Leipziger Signale für die Mustkal. Welt" Nr. 26. erschienen: Sehire Beth Adonai. Tempelgesänge für den Gottesdienst der Israeliten, componirt und herausgegeben H. Weintraub, Cantor der Synagogen-Gemeinde zn Königsbergs Schon der äußere Typus eines Werkes, wie des oben genannten, das auf nahezu 800 Seiten Folio sorgsam gesetzte kirchliche Gesangspartkturen (mit hebräischem Tert) enthält, nöthigt in gewissem Sinne Achtung ab: denn es zeigt uns die Cultivirung einer höheren Kunstart, die an sich dem Gemeinen fern steht und so recht eigentlich, als geistliche, das Hohe und Edle selber ist. Geht man näher auf die Musik ein, so kann die Achtung nur noch fester begründet werden, denn überall lebt ein kunstreiner Sinn in strengen Formen. Durch eine Reihe von'Jahren, welche der Autor in praktischer Pflege des israelitischen Tempelgesanges verlebte, hat er sich damit beschäftigt, sowohl Compositionen eigener Erfindung, als auch solche über uralte Melodien für den Tempclgottesdienft zu schaffen. Die Stücke mit uralten Melodien haben die recitativischen Vortragsweisen in den alten Kirchentonarten beibehalten, wie sie auch in wirksamer Weise vom Chore einstimmig zu vierstimmigen Soli gesungen werden: der Cantus. firmus geht dann seinen imposanten Gang für sich, während die Solostimmen einen wohlklingenden harmonischen Gesang aussühren. Hier hätten wir gewünscht, daß der Cantus firmus ausnahmslos seinen selbstständigen Gang beibehalten hätte und nicht in einzelnen Fällen eine Octavenparallele mit einer andern Stimme gemacht hätte. Außerdem enthält die Sammlung Chöre in zum Theil kunstvoller Satzart, bis zur Fuge. Der Geist sammtlicher Stücke ist ein so ausgeprägt tempelgemäßer, die Arbeit durchweg so ehrenhaft, daß ihnen von Kennern und ganzen Gemeinden sicherlich Beifall geschenkt werden wird. Das Werk zerfällt in drei Theile: in die Gesänge des ganzen Jahrs, die der Feiertage und die der Recitative, welche der Autor hauptsächlich für jüdische Vorbeter geschrieben hat. Der Tert ist, nach der Aussage des Autors in der Vorrede, mit möglichstem Fleiße richtig nach der hebräischen Grammatik geordnet.

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