Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1861)
- Date
- 1861-08-20
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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25. Jahrgang. Allgemeine JW 34. Zeituna -es Ern unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. . HerauSgegeben von Rabbiner Vr. Ludwig Philippson in Magdeburg. Leipzig, den 20. August 1861. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal. Dienstags, in l'/r bis 2 Bogen. Preis deS Jahrgangs 3 Thlr. Halbjährig 1 Thlr. 15 Rgr. Vierteljährig 22l/s Ngr. Inserate werden mit 1 '/* Ngr. für die Petit-Zelle oder deren Raum berechnet. Beilagegebühren betragen für I Bogen 4 Thlr.,' für l/± Logen 3 Thlr., für J/* Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen, Postämter und ZeitungS-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptexpedition für beide Letztere hat sich das Kvnigl. Lachs. Haupt-Zeitungs-Bureau hier unterzogen. Inh a l t. Leitende Artikel: Der Comite-Beschluß des ungarischen Landtages, — Patriotische Kundgebungen. — Ausschließung der Juden vom platten Lande. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Aus Baden. Oesierreichischer K a i se r st a a t: Prag, Prag. Die Schweiz: Bern. Italien: Auö Oberitalien, Neapel. Holland: Amsterdam. R u ß l an d: Tilsit, Warschau. Schweden: Stockholm. Leitende Artikel. Magdeburg, 18. August. Der Comit6-Drschlrrß des ungarischen Landtages. Wir haben uns seit langer Zeit jedes Urtheils über den Gang der Dinge in Ungarn enthalten. Als wir bei dem Beginne der ungarischen Bewegung uns nicht ganz im Einklang mit den Tonangebern der ungarischen Israeliten befanden und unsere wohlgemeinten Rathschläge zu maßlosen Angriffen Seitens Personen, welche die dortigen Vorgänge zur Befriedigung eigennütziger Zwecke auszubeuten gedachten, mißbraucht sahen, schwiegen wir lieber, unseren Correspondenten überlassend, über etwaige Facta zu berichten. Allein der Verlauf unserer Angelegenheit iw Üngarn hat die Ansichten, die wir damals äußerten, nur allzusehr gerechtfertigt, und das letzte Factum /der in voriger Nummer von zwei Correspondenten besprochene Comits-Beschluß, tritt zu schroff allen billigen Erwartungen und Forderungen entgegen, als daß ein längeres Stillschweigen sich mit unserer Pflicht vereinbaren ließe. Zwiefaches, hat sich nunmehr herausgestellt: 1) daß der jetzige ungarische Landtag in seiner vom Comits vertretenen Elite nicht Willens ist, die Gleichstellung der Israeliten auszusprechen, und 2) daß Diejenigen, welche sich zu Führern und Vertretern der ungarischen Israeliten aufgeworfen hatten, die Fähigkeit hierzu nicht besitzen. Der Comitö-Beschluß sucht sich zwischen der Nichtverläugnung des Princips der Gleichstellung und der Aufrechterhaltung von Beschränkungen und Bedingungen für die Juden hindurchzuwinden; er will dem von der modernen Welt anerkannten Grundsätze der Gleichberechtigung vor dem Gesetze ohne nationale und confessionelle Berücksichtigung nicht ins Angesicht schlagen, und dennoch durch eine Volte zu einem — Judengesetz gelangen. Daß die Welt in unserer Zeit sich durch solche Künste nicht verblenden läßt, weiß man, und wir verwundern uns nur, daß unsere Glaubensgenossen von dem Augenblicke an, wo man die 48er Gesetze dem Buchstaben nach gegen sie beharrlich gebrauchte, noch Hoffnung hatten, daß es anders kommen werde. Wir haben in diesen Blättern wiederholt ausgesprochen und nachzuweisen gesucht, daß das Nationalitätsprincip, gegenüber der geschichtlichen Entwickelung, nur eine Berechtigung habe, wenn es sich^mit bürgerlicher Freiheit und bürgerlicher Gleichbe-