Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1861)
- Date
- 1861-08-13
- Page
- Seite 470 (sequence 2)
- Language
- German
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S ' 47V in Israel eine allgemeine Trauer stattfindet, so ist es nur der gerechte Wiederhall der Menschenliebe, der Begeisterung für Recht und Freiheit und der Hingebung des Dahingeschiedenen für seine Glaubensgenossen. . /, Zur Notiz für seine Freunde und Verehrer füge ich. hinzu, daß Herr Seminar-Director vi>Z. Frankel in Kreslau' mit eineckausführlichen Biographie des Verewigten beschäftigt ist. - " V Bertha Beer, geb. Bon di. I nh alt. Leitende Artikel: Zu den preußischen Wahlen.'— Die Statue Lessings in Berlin. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Weimar. Pr e ußen: Altwasser. Oesterreichrscher K a i se rstaat: Prag, Prag, Prag, Gr. Becskerek. Frankreich: Paris. Leitende Artikel. Magdeburg, 4. August. Kn den preußischen Wahlen. Im Herbste werden die Neuwahlen zum preußischen Abgeordnetenhause für die, nächsten drei Jahre stattfinden. Frühzeitig schon haben die verschiedenen Parteien ihre Wahlprogramme veröffentlicht und suchen die Masse um dieselben zu scharen. Man fühlt, daß cs in Preußen sich noch - immer um eine Krise handelt, und erwartet vom neuen Parlamente Entschiedenheit und Entscheidung. Daß die feudale Partei keinen Boden mehr im preußischen Volke hat, ist überklar erwiesen; aber die bisherigen Gesetze, namentlich die aus der zehnjährigen Herrschaft der Ncaction hervorgcgangencn, geben ihr immer noch eine factische Macht und Autorität, und in den höheren Regionen ' waltet noch immer eine Furcht vor den vermeintlichen Consequenzen des Liberalismus vor, welche, der. Rcaction einen festen Anhalt bietet, so daß, wenn die feudale Partei in den letzten vier Jahren nicht so überaus ungeschickt operirt hätte, sie sicherlich mehrfache Triumphe errungen hätte. Dieses frühe und schroffe Hervortreten der Parteien legt auch uns die Pflicht auf, schon jetzt das Verhältnis der Juden zu den bevorstehenden Wahlen zu besprechen. Man wird uns bei dem Festhalten dieses Gesichtspunktes gewiß nicht einer unpatrioscheu oder specifischcn Haltung zeihen können. Denn sonst wäre jede Partei unpatriotisch zu nennen, und dann hat die jüdische Sache das Glück, auch nicht im Entferntesten etwas-Ausschließliches für sich zu fordern, vielmehr will sie das Ausschließliche beseitigen; die jüdische Sache hat das Glück, im Dienste eines großen Princips zu stehen, eines von der Verfassung bereits sanctionirtcn Princips, der Glaubens- und Gewissensfreiheit, und nur dessen unbedingte Verwirklichung anzustreben. Indem also der Jude auch bei den Wahlen von diesem Gesichtspunkte ausgeht und daraus eine Bedingung seiner Abstimmung macht, ist er ein wahrhafter Patriot und will, daß der Widerspruch zwischen Verfassung und Wirklichkeit aufgehoben werde, und das Recht überall zur Herrschaft komme. Ehe wir jedoch ins Einzelne gehen, beantworten wir uns die Frage : Zu welcher der in Preußen bestehenden Parteien gehören denn die Juden, müssen sie gehören? Die Antwort lautet einfach und bestimmt: Zu der liberalen, und zwar zu der liberalen Partei, welche aus der festen Basis der Ehrfurcht vor dem Könige und der Anhänglichkeit am Throne die großen Grundsätze der Gleichberechtigung aller Staatsangehörigen, der Gleichstellung aller Culte und der Gewissensfreiheit verwirklicht sehen will. Zu dieser Partei müssen die Juden als solche gehören; es kann in den einzelnen Fragen eine Verschiedenheit der Ansichten, stattfinden; aber der eigentliche Boden ihres politischen Lebens kann nur dieser sein. Nur Kriecherei, Heuchelei oder ein persönlicher eigennütziger Gewinn und Vortheil kann einen Juden. in das Lager der reactionären Partei führen und zum von jener selbst verachtetem Werkzeug derselben machen. Wohl verstanden, wir haben hierbei nicht die außerordentlichen Zeiten einer großen Weltcrschütterung, einer gewaltthätigen Revolution im Auge, wo alle nur irgend conservativen Elemente der Gesellschaft sich zusammenthuu, um die wirklich oder vermeintlich für Ordnung, Eigenthum, .Leben und Sittlichkeit hcranstürmcnde Gefahr zu beschwören; in solcher Zeit gehört auch der Jude zu den conservativen Elementen, und cs werden auch bei. ihm Beispiele des Fanatismus „für Ordnung und Gesetz" gefunden —- aber die. co.nservative Partei in solcher Zeit ist durchaus nicht identisch mit der reactionären, die. sich erst aus jener, nachdem die Gefahr vorüber ist, herausbildet